admin, 29. Dezember 2011 2 Kommentare RSS
In der Frühjahrs-Ausgabe des kostenlosen eStrategy-Magazins wurden bereits einige E-Commerce Trends für 2011 aufgegriffen und beleuchtet. Da 2012 ja nun startet, wollen wir einen Blick in die Zukunft werfen und hier einige Trends und Ansätze kurz anschneiden, die aus unserer Sicht in Zukunft den E-Commerce prägen könnten. Was sind nun aus unserer Sicht die E-Commerce Trends 2012?
Multi-Channel
Das Thema Multi-Channel ist ja nicht wirklich neu und es gab und gibt hier durchaus sehr gespaltene Meinungen darüber. Insofern war es auch nicht verwunderlich, dass die ersten Online-Händler, die sich inzwischen in den stationären Handel gewagt haben, mit Spott und Hohn übersäht wurden. Leider oder auch Gott sei Dank haben da einige, die hier so voreilig nach vorne geprescht sind, die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Es hat sich hier nämlich vielfach gezeigt, dass der Multi-Channel-Ansatz nicht kontraproduktiv bzw. kanabalisierend wirkt, sondern mitunter eher das Gegenteil eintreten kann. So wissen wir von einem Beispiel eines nicht gerade kleine Onlinehändlers, der inzwischen mehrere lokale Läden eröffnet hat und sich in den Städten, in denen er mit einem Geschäft vor Ort präsent ist auch Online überdurchschnittlich performt. D.h. Der Verkauf läuft im Web in solchen Gegenden, in denen auch auch Ladenlokal vorhanden ist noch besser als in Gegend, in denen keine Möglichkeit zum Vor-Ort-Shopping vorhanden ist. Dabei ist es aber nicht so, dass die Ladenlokale nur zum ansehen genutzt werden. Auch hier wird ordentlicher (Zusatz-)Umsatz generiert.
Insofern gehe ich – trotz manchem Unkenrufe zum Trotz – davon aus, dass das es zukünftig für Händler durchaus eine Option sein wird, sich auf breitere Füße zu stellen. Wohlgemerkt nicht für alle – aber sicherlich doch für einige mehr….
Verschmelzung der Medien und Customer Journey
War es früher häufig so, dass einzelne Medien isoliert betrachtet wurde, wird aus unserer Sicht hier zukünftig eine immer stärkere Verschmelzung zwischen einzelnen Medien und Kanälen erfolgen. Wir gehen davon aus, dass insbesondere die Kombination aus TV und Internet in 2012 noch weiter zunehmen wird und diese Kombination nicht mehr nur für die ganz Großen interessant sein wird, sondern auch durchaus kleinere oder spezialisiertere Shopanbieter von dieser Möglichkeit eines interdisziplinären Medieneinsatzes Gebrauch machen werden bzw. mitunter auch müssen.
Damit einhergehend wird die Notwendigkeit die sog. Customer Journey – darunter versteht man die „Reise“ eines Kunden/Interessenten von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Kauf – noch detaillierter und möglichst lückenlos nachvollziehen zu können um hier zukünftig Anknüpfungspunkte zur weiteren Optimierung des Verkaufsprozesses ableiten zu können.
Optimierung für Online-Marktplätze
Für Shopbetreiber wird es aus unserer Sicht zukünftig noch wichtiger werden, auf verschiedenen Absatzkanälen und auch Portalen im Web vertreten zu sein. Die bekanntesten hierbei sind sicherlich Amazon und eBay. Wie im Bereich der klassischen Suchmaschinenoptimierung, gibt es natürlich auch bei derartigen Marktplätzen Möglichkeiten zur Optimierung, d.h. einer besseren Produktlistung und Darstellung mit dem Ziel die Verkäuft über derartige Kanäle weiter anzukurbeln.
Natürlich kommt bei Einsatz von Marktplätzen immer das Thema Margen mit ins Bild, da bei sehr knapp kalkulierten Produkten bzw. geringen Margen hier zum Teil dann kaum mehr Spielraum besteht um hiervon noch ein paar Prozent an einen Marktplatz abzutreten. Für viele Produkte und Sparten werden solchen Kanäle aus unserer Sicht in 2012 aber schon eine nicht unwesentliche Rolle spielen, inbesondere wenn man den Traffic von Amazon und Co. berücksichtigt der bei richtiger Herangehensweise für Shopbetreiber durchaus spannend sein kann.
Im Gegensatz zur Suchmaschinenoptimierung geht es bei der Marktplatzoptimierung nicht darum, anhand von diversen Rankingkriterien ein Produkt – isoliert betrachtet – möglichst weit oben im jeweiligen Marktplatz zu platzieren. Hier geht es darum, die Position eines Verkäufers in Bezug auf dessen Mitbewerber innerhalb eines Produktlistings positiv zu beeinflussen.
Personalisierung 2.0
In 2012 wird aus unserer Sicht zudem das Thema Personalisierung und Individualisierung eine sehr wichtige Rolle einnehmen. Hier sprechen wir dann jedoch nicht mehr von so „banalen“ Dinge wie der Personalisierung von Grußkarten, Postern o.ä.. Zukünftig wird es verstärkt darum gehen, Kunden und Interessenten mit dessen aktuell anstehenden Interessen und Absichten „abzuholen“ und entsprechende Angebote und Lösungen bereit zu halten.
Zukünftig werden sich Kunden nicht mehr nur anhand bestimmter demographischer oder soziologischer Faktoren kategorisieren lassen. Vielmehr wird das Ganze viel dynamischer werden und Kunden anhand der aktuellen Situation, der jeweiligen Gefühlslage etc. beeinflusst und „bearbeitet“ werden müssen. Hier kommen dann auch so Thema wie Neuromarketing in Spiel. Dabei wird es zukünftig sehr wichtig werden, durch Verhaltenssignale des Users (woher kommt er, wie bewegt er sich auf der Plattform, nach welchen Begriffen sucht er etc.) entsprechende Rückschlüsse auf den Kunden und dessen Gemütslage bzw. Absichten abzuleiten und dies z.B. bei der Produktempfehlung oder Darstellung dynamisch entsprechend zu berücksichtigen. Das Ganze klingt jetzt zwar etwas „abgehoben“ und wird sicherlich auch nicht für „Lieschen Müllers Backshop“ in Frage kommen. Bei größeren Onlineshops werden solche Ansätze in 2012 aber weiter an Bedeutung zulegen.
Mobile Commerce
War in den vergangenen Jahren immer wieder davon die Rede, dass diesmal das Jahr des Mobile Web wird, und eigentlich erst in den letzten ein- bis zwei Jahren tatsächlich der große Durchbruch gelang wird aus unserer Sicht im Jahr 2012 das Thema Mobile Commerce in einer breiteren Masse ankommen. So hat PayPal heuer von einer Zunahme der Mobile Payments am diesjährigen Black-Friday (das ist der Freitag nach Erntedank in den USA) im Bereich von über 500% im Vergleich zum Vorjahr berichtet.
Zugleich hat demnach auch der Zugriff über mobile Endgeräte auf Onlineshops am Black-Friday um fast 400% gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Onlinehändler sind aus unserer Sicht daher gut beraten, das Thema Mobile für 2012 auf die Agenda zu setzen. Hierbei muss dann im ersten Schritt auch nicht unbedingt eine eigene App sein. Mitunter könnte eine für mobile Endgeräte optimierte Oberfläche – ein sog. Mobile Theme – da durchaus einen sehr guten und auch sinnvollen Einstieg darstellen.
Couch Commerce
In das gerade erwähnte Thema des Mobile Commerce passt auch der noch recht neue Begriff und aus meiner Sicht sehr spannende Begriff des Couch Commerce, der erstmals 2010 aufgetaucht ist. Darunter versteht man das Shoppen mit einem Tablet – hier insbesondere dem iPad. Durch die handliche und simple Bedienung sowie den Einsatz vorwiegend in entspannter Atmosphäre (auch der Couch!?) bietet ein Tablet ideale Voraussetzung für erfolgreiches Shopping. Die User sind hier häufig recht entspannt und demnach auch „empfänglich“.

Abb: Retailers aren´t ready for iPad Shopping – Techcrunch
Allerdings hat so ein Tablet auch durchaus seine Tücken und bei der Darstellung von Shopangeboten auf einem Tablet sollte einige Dinge ganz grundlegend beachtet werden, wodurch sich mitunter signifikante Unterschiede zu einem „klassischen“ Onlineshop bzw. dessen Frontend ergeben. Für Shopbetreiber werden sich hier aus unserer Sicht zukünftig aber sehr spannende Möglichkeiten ergeben die man nicht ungenützt lassen sollte.
Video Commerce
Mit dem Musik-Dienst Shazam, der für alle gängigen Mobile Devices verfügbar ist, wurde ein sehr spannendes und auch faszinierendes „Spielzeug“ geschaffen, mit dem man Musikstücke im Radio etc. sehr einfach erkennen und den Interpreten sowie den Titel anzeigen lassen kann.
Die Technik wurde zwischenzeitlich weiterentwickelt und mit “Shazam for TV” wird die Möglichkeit geschaffen, Produkte, die man im Fernsehen sieht auf ähnliche Art und Weise zu erkennen und dann auch gleich darauf verlinken und kaufen zu können. Durch diese Technologien ergeben sich zukünftig natürlich vielfältigste Möglichkeit wovon wir glauben, dass in 2012 noch einiges auf uns zurollen wird. Auch hier werden TV und Web immer weiter verschmelzen.
Augmented Reality
Bei der Augmented Reality verschmelzen Wirklichkeit und virtuelle Welten schlussendlich dann vollkommen. So hat Mister-Spex inzwischen eine Online-Brillenanprobe implementiert, mit der das Gesicht des User über die PC-Kamera aufgenommen und dann virtuell mit Brillen aus dem Sortiment verknüpft wird. So kann man sich dann seine Wunschbrille an sich selbst auf dem PC-Monitor ansehen.
Das Ganze funktioniert – auch wenn noch einige Kinderkrankheiten dabei sind – bereits „erschreckend“ gut. Ähnliche Tools und Features werden wir in 2012 noch viel häufiger sehen, da sich gerade im Fashionbereich durch diese Technologie sehr interessante Ergebnisse erzielen lassen. So zeigen erste Erfahrungswerte mit derartigen Online-Anprobe zum Teil „irre“ positive Auswirkungen auf die Conversions. Insofern glauben wir, dass hier zukünftig die Musik spielen wird.
Hat sonst noch jemand Vorschläge, Ideen oder auch einen Blick in die E-Commerce Glaskugel geworfen?
4. Januar 2012 um 10:45
Eine kurze Ergänzung zum Artikel, die ich soeben in einem Presseportal aufgeschnappt habe und die vom Timm Homann, Vorstandsmitglied bei Otto stammt: “Die Wachstumsraten im Internethandel würden sich sukzessive abschwächen. Deshalb wappne sich Otto mit einer Multichannel-Strategie, die wesentlich schwerer nachzuahmen sei.
Zum Bereich Multichannel-Einzelhandel zählt bei der Otto Group der Verkauf via Internet und mobile Endgeräte, der Katalogversand sowie das Stationärgeschäft, wozu etwa Sportscheck und Bonprix gehören. Dieser gesamte Bereich erzielte im vorherigen Geschäftsjahr 2010/2011 ein Plus von mehr als zwölf Prozent (rund zehn Milliarden Euro).
Damit hat das größte, deutsche E-Commerce Unternehmen unsere erste These bereits nach wenigen Tagen bestätigt! Warten wir mal ab, was mit den weiteren Trends und unseren Prognosen im Laufe des Jahres passiert…
8. Januar 2012 um 23:55
Danke für den ausführlichen Artikel!
Was den Multi Channel Ansatz angeht.
Der stationäre Handel kämpft schon länger mit Umsatzeinbußen – Stichwort Media Markt und Saturn Gruppe.
Denn der stationäre Handel spürt den Online Handel massiv und beginnt nun auch zögerlich Online Commerce aufzusetzen – Wieder Stichwort Media Markt.
Doch nicht mit dem geplanten Erfolg, denn die Umsätze lassen auf sich warten.
Meiner Meinung nach auch kein Wunder, schließlich ist – um bei Media Markt zu bleiben – das Online Angebot nicht anders als das stationäre Offer.