Artikeltausch oder Content Swap

geschrieben von Marion Engel am 2. Oktober 2008 um 7:00 Uhr

Am Anfang waren die Web-Verzeichnisse. Als die nicht mehr den gewünschten Effekt bei den Suchmaschinen brachten, gingen manche Webmaster und Suchmaschinen-Optimierer dazu über, Links aus Artikeln zu generieren, die sie in Artikelverzeichnissen platzierten. Das war zwar etwas aufwändiger als der einfache Eintrag in ein Verzeichnis, wurde aber auch als professioneller angesehen. Als weitere Variante ist zwischenzeitlich auch der Artikeltausch entstanden. Die einfache Idee dahinter lautet: Der Betreiber der Artikeltauschbörse schreibt einen Artikel mit einem Link auf eine seiner Seiten, der auf Website B veröffentlicht wird. Ebenso schreibt der Betreiber der Website B einen Artikel mit einem Link auf eine seiner Seiten, der in der Artikeltauschbörse veröffentlicht wird. Beide haben den gleichen Aufwand, nämlich das Schreiben des Artikels, und beide haben den gleichen Nutzen, nämlich einen externen Link auf die eigene Seite und frischen Content auf der eigenen Site. Alles ist rechtmäßig erarbeitet, nichts ist bezahlt, also sollten die Suchmaschinen diese Bemühungen honorieren. Soweit die Theorie. Aber lässt sich das in der Praxis auch so halten? Überlegen wir mal im Detail:

Wie tickt die Artikeltauschbörse?

Dass man bei den Artikelverzeichnissen und -tauschbörsen die Spreu vom Weizen trennen muss, sollte klar sein. Viel “Selbstgestricktes” ist da natürlich dabei, Layouts zum Davonlaufen, Überfrachtung mit Werbung und eine Häufung von Links oder Artikeln aus bestimmten Bereichen (Versicherungen, Kredite…).

Aber konzentrieren wir uns mal auf den Weizen und analysieren neutral. Hinter jeder Artikeltauschbörse steht eine Person. Diese Person möchte über Werbung Geld mit ihrer Site verdienen. Das funktioniert nur, wenn die Seite viele Besucher hat. Ein probates Mittel zum Anlocken von Besuchern sind Links von vielen anderen Seiten,  sowohl für die Position in den Suchmaschinen als auch für Menschen, die den Link anklicken.
Außerdem sind gute Inhalte wichtig für die Popularität einer Site. Gibt es gute Beiträge zu einem bestimmten Thema, wird sich dies in Fachkreisen rumsprechen. Und je mehr fachlich interessierte Besucher, desto interessanter werden die Seiten für fachbezogene Werbung. Der Betreiber hat also gute Chancen, sein Ziel zu erreichen – vorausgesetzt, er macht auch seine anderen “Hausaufgaben”, um seine Site bekannt und beliebt zu machen.

Er braucht also gute Artikel. Und die bezahlt er nicht in barer Münze, sondern mit eigenen Artikeln. Und hier sehe ich den Hasen im Pfeffer liegen: Wird eine Person in der Lage sein, zu vielen verschiedenen Themen hochwertige Artikel zu schreiben? Natürlich gibt es auch Ghostwriter, aber die arbeiten ja auch nicht umsonst. Und wer wirklich Spezialistenfachwissen hat, wird dieses nicht für eine fremde Website und einen Link hergeben, sondern direkt für eigene Zwecke verwenden.

Wie tickt der Artikeltauschpartner?

Er erhofft sich von den Informationen und dem Link aus dem Artikel neue Besucher und eine Verbesserung der Position in den Suchergebnissen. Durch den Artikel des Tauschpartners hofft er, seine Seite attraktiver zu machen, bei seinen Besuchern glaubwürdiger zu erscheinen und sie letztendlich zu Kunden zu machen. Schön, aber….

  • Wird der Artikel aus der Artikeltauschbörse ausreichend attraktiv und spezialisiert sein, um der Partnersite das Sahnehäubchen aufzusetzen? Denn wer auf seiner Website beispielsweise Rasenmäher verkauft, wird mit einem noch so tollen Artikel über Wintermäntel nichts anfangen können.
  • Werden die Benutzer die Taktik nicht durchschauen, wenn der Backlink auf die Artikeltauschbörse geht und dadurch erkennbar wird, wie alles zustande gekommen ist?
  • Ist die Seite mit dem Artikel in der Tauschbörse ausreichend suchmaschinenoptimiert, dass er auch wirklich gefunden wird?
  • Warum gibt der Tauschpartner sein Spezialwissen in eine Gemischtwarenbörse anstatt einen eigenen Blog aufzubauen, in dem er sozusagen sortenrein zu seinem Thema schreibt?

Wie geht es besser?

Der Austausch von Content ist sicher eine gute Sache. Aber so einfach über unspezifische Tauschbörsen wird das Ganze wohl nicht den erhofften Erfolg bringen. Die Tauschpartner müssten sich aufgrund ihrer Fachgebiete auswählen und eine Kooperation eingehen. Beide Partner sollten auf ein Fachgebiet spezialisiert sein und dort zumindest semi-professionell Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Und diese Produkte oder Dienstleistungen müssen in einem bestimmten Zusammenhang stehen, ohne dass die Anbieter Konkurrenten sind. Wenn sich also der Nudelhersteller mit dem Tomatensoßenhersteller zusammentut, wäre das eine feine Sache, die beiden und beider Kunden nutzt. So könnte der Nudelhersteller bei der Tomatensoße passende Nudeln vorstellen und Kochtipps für Nudeln bieten, während der Soßenhersteller seine Produkte umgekehrt bei den Nudeln platziert und zeigt, wie einfach mit beiden Produkten eine schmackhafte Mahlzeit bereitet werden kann.

Fazit

Es bewahrheitet sich mal wieder, dass die seriöse Suchmaschinen-Optimierung gute Ideen und viel Handarbeit erfordert. Es ist und bleibt unmöglich, einfach, schnell und mit dem Gießkannenprinzip Erfolge zu verbuchen. Und auch das große Geld wartet nicht so einfach an jeder Ecke im Internet. Das bedeutet aber auch, dass die Kreativen und Fleissigen eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit haben.

Bookmark and Share

Verpassen Sie keinen Beitrag und abonnieren Sie unseren RSS-Feed.

1 Kommentar

Ein Kommentar zu “Artikeltausch oder Content Swap”

  1. Pro und Contra schrieb:

    Schöner Artikel. Aber ich finde man sollte es sich nicht komplizierter machen als es ist. Ein Artikeltausch findet meiner Meinung nach eher statt um von anderen (gleichstarken) Seiten Trust zu bekommen. Es geht doch beim Artikeltausch meist gar nicht um die paar Besucher die dann wirklich über den Link auf die eigene Webseite kommen.

    Möchte man also Artikel auf anderen Seiten veröffentlichen sollte man vor allem auf folgende Punkte achten:
    -Ist die Domain im Index?
    -Wie ranken die einzelnen Seiten in den SERPS?
    -Macht die Seite insgesamt einen vernünftigen Eindruck?
    -Hat die Seite selbst viele Backlinks
    -evtl. auch noch die Themenrelevanz

    Links von solchen Seiten stärken die eigene Webseite. Und darum macht ein Artikeltausch mit solchen Seiten meiner Meinung nach auch Sinn.

Kommentar abgeben