Bounce-Rate als Ranking-Faktor?

geschrieben von Marion Engel am 10. Dezember 2008 um 9:06 Uhr

Das Search Engine Land berichtet davon, dass die Bounce-Rate für das Ranking verwendet wird. Bounces? Das kennt man vom Newsletter. Dort sind Bounces die Mails, die nicht zugestellt werden können, weil die Mailadresse nicht mehr existiert oder weil die Mailbox voll ist. Aber darum kann es beim Web ja nicht gehen. Dort spricht man vom Bounce, wenn ein Besucher nur eine Seite einer Web-Site besucht und dann auf eine andere Site wechselt.

Das ist natürlich ein sensibles Thema mit vielen Pro- und Contra-Argumenten. Sicher, eine schlechte Seite wird eine hohe Bounce-Rate haben. Aber was ist schlecht?

  • Ein optisch abstoßendes Layout, das irgendwie überhaupt nicht zum Verweilen einlädt?
  • Eine Seite, bei der auf den ersten Blick erkennbar ist, dass sie inhaltlich nicht das bietet, was das Suchergebnis versprochen hat?
  • Eine Seite, die man bereits über ein anderes Suchergebnis besucht hat?
  • Eine Seite, die den Suchbegriff nicht mal enthält?
  • Eine Seite, die offensichtlich umgeleitet wurde und nun ein anderes Thema behandelt als erwartet?
  • Eine Seite, deren Links kaputt sind oder deren Navigation so versteckt ist, dass es gar nicht weiter gehen kann? Vielleicht eine allein auftretende Hauptspalte einer Frames-Seite?

Wenn solche Seiten abgestuft werden, ist sicherlich nichts daran auszusetzen. Aber es kann ja auch sein, dass man genau eine Seite einer Web-Site aufruft, dort die gewünschte Information findet und die Seite dann wieder zufrieden verlässt. Wenn die Seite dafür bestraft würde, wäre das sicher nicht in Ordnung. Das widerspricht auch dem Prinzip der Deep Links, nach dem ja auch Unterseiten in den Ergebnissen der Suchmachinen zu finden sein sollen. Gelangt der Benutzer dort also benutzerfreundlich schnell und direkt hin, wird die Seite bestraft. Muss er den Umweg über die Startseite gehen, entfällt die Strafe mit gleichzeitig sinkender Wahrscheinlichkeit, dass die Benutzer die gesuchte Information überhaupt finden.

Und eine Seite muss ja auch nicht absolut schlecht sein. Vielleicht enthält sie nicht die Informationen, die ich in diesem Augenblick suche. Vielleicht suche ich ja etwas ganz Spezielles, das nur sehr schwer zu finden ist. Dann ist ja auch klar, dass ich viele Seiten anschauen muss, bis ich die richtige finde. Denn bekanntlich muss man ja auch viele Frösche küssen, um den Prinzen zu finden…  ;-)

Was ist mit News-Tickern – wenn Seiten immer wieder mal besucht werden, um zu schauen, ob es etwas Neues gibt? Wenn es etwas Neues gibt, das auf einer eigenen Seite behandelt wird, handelt es sich nicht um einen Bounce. Wird die Neuigkeit aber direkt auf der Startseite dargestellt, wird gestraft? Denn die Neuigkeit muss ja nicht immer mit einem riesigen Text einhergehen. Oft reichen ja ein paar Zahlen oder eine Grafik, um eine gewisse Entwicklung darzustellen. Und in diesem Fall wird der gewissenhafte Webmaster nach jeder Aktualisierung selbst kurz online auf die Seite schauen, um sicherzustellen, dass alles passt. Ein Blick, kein weiterer Klick auf Unterseiten –> Strafe?

Eine offene Frage ist auch noch, wieviel Zeit zwischen dem Besuch der 1. Seite und der Folgeseite einer Website vergehen darf. Geht man vor der Mittagspause auf die Startseite und erst danach auf Unterseiten, kann das auch zu Minuspunkten führen, weil die Besuche als unabhängig voneinander gewertet werden.

Was ist mit den Seiten eines Blogs, die man aus dem RSS-Reader öffnet? Das sind doch dann auch alles Bounces, oder? Denn technisch ist es offensichtlich nicht möglich, zu unterscheiden, ob ein Besucher sich nach nur wenigen Sekunden von der Seite verabschiedet, oder ob er alles liest und voll informiert wieder verschwindet.

Eigentlich spricht das alles ja für Seiten mit vielen Teaser-Texten und vielen weiterlesen-Links, damit mindestens ein Klick zustande kommt. Aber das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein, wenn jeder unnötige Klick vermieden werden soll und die Verteilung zusammengehörender Inhalte auf mehrere Seiten die Barrierefreiheit einschränkt.

Mit welchem Zustand könnten alle White-Hat-SEOs zufrieden sein?

  • Die Suchmaschinen haben einen ausgereiften  Algorithmus, der echte und unechte Bounces voneinander unterscheiden kann. Sie halten ihn aber (noch?)  geheim, um so unglückliche Gegenmaßnahmen wie im letzten Abschnitt beschrieben, zu verhindern. Wie so oft ist aber doch etwas an die Öffentlichkeit gelangt, was nun für Verwirrung sorgt.
  • Das ist alles nur ein Gerücht, das der Abschreckung dienen soll. Vielleicht lassen sich so ein paar Bounce-gefährdete Seiten aus dem Verkehr ziehen. Oder die SEO-Welt soll mit der Diskussion über die Bounces beschäftigt werden, damit die Suchmaschinen derweil irgendwas ganz anderes vorbereiten und einführen können.

Alles Spekulation und nix genaues weiß man nicht. Ziehen wir also die positive Essenz aus dem Ganzen: Jede Einstiegsseite sollte so funktionell und attraktiv sein, dass sie den Benutzer zum Verweilen und Klicken einlädt. Alles andere lässt sich dann sowieso nicht mehr beeinflussen.

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1 Kommentar

Ein Kommentar zu “Bounce-Rate als Ranking-Faktor?”

  1. Marcel Schreyer schrieb:

    Bei meinem Marktschreyer-Blog ist die Rate der “Bounces” relativ hoch. Gerade Besucher über Suchmaschinen oder RSS-Feeds klicken den Blog wegen bestimmter Themen an, die sie speziell interessieren. Sie lesen einen Artikel und sind dann wieder weg. Oder sie sind so begeistert, dass sie gleich weiter auf meine Agenturseite wechseln und mich beauftragen. :-) )

    Jedenfalls sollten solche Verhaltensmuster nicht negativ gewertet werden. Es gibt halt nicht nur den Surfer, der querbeet durchs Web surft und sich von Link zu Link hangelt…

    Grüße
    Marcel

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