Buchtipp: "Nur Tote bleiben liegen" – das Web eröffnet neue Wege

Josef Willkommer, 30. September 2010 1 Kommentar

 

Die Welt bewegt sich, und das Internet wird die Welt verändern. Konsumenten bekommen mehr Macht durch verschiedene Möglichkeiten, Unternehmen und Produkte zu beurteilen – positiv wie negativ. Unternehmen können sich davor nicht verschließen, sondern sollten mitmachen und diese neuen Möglichkeiten nutzen. Denn es eröffnen sich viele neue Chancen, während die Dinosaurier ausgestorben sind.

Geht nicht? Viel zu ungenau beschrieben? Doch, geht, und lässt sich auf 233 Seiten nachlesen. “Nur Tote bleiben liegen” ist das neue Buch der Business-Querdenker Anja Förster und Peter Kreuz – äußerst empfehlenswert, um es kurz vorauszuschicken.

Förster und Kreuz haben bereits mehrere Bücher geschrieben, die mit Titeln wie “Spuren statt Staub” und “Alles außer gewöhnlich” aufrütteln und zum Querdenken anregen. Es ist allerdings in der heutigen Welt schwer, eingefahrene Strukturen aufzubrechen. “Das haben wir schon immer so gemacht, warum sollten wir das jetzt plötzlich ändern?” – Aussagen dieser Art kann man immer wieder hören (oder fühlen), wenn man sich selbst querdenkerisch betätigt und neue Wege vorschlagen will. Das “störende” Element wird dann lieber kalt gestellt, als dass die Ideen mal angehört würden. Und das passiert nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der Freizeit in Vereinen aller Art.

Vielleicht haben Förster und Kreuz aus ähnlichen Erfahrungen den doch recht provokanten Titel “Nur Tote bleiben liegen” für das neue Buch gewählt?
Wahrscheinlich wird allein der Titel für einige abschreckend sein, wahrscheinlich werden auch einige das Buch nach einigen Seiten oder Kapiteln erzürnt zur Seite legen mit Gedanken “Was die sich wohl einbilden…” oder “Papier ist geduldig”.
Das macht nichts, man kann nicht alle gleichermaßen glücklich machen, und viele wollen auch einfach nur im Strom mitschwimmen. Das Buch zeigt allerdings, dass genau das in Zukunft nicht mehr so einfach möglich sein wird.

Aber wer sich selber schon als Querdenker bezeichnet oder zumindest bereit ist, seine aktuellen Ansichten zu hinterfragen, der wird das Buch “verschlingen” – genauso wie ich es getan habe. Es gibt Bücher, die tatsächlich dazu beitragen können, dass man seine Lebenseinstellung ändert. “Nur Tote bleiben liegen” ist eines aus dieser Gruppe.

Das Buch ist auch von der Gestaltung her das Gegenteil von tot. Schwarze Lettern werden durch grüne Überschriften, Hervorhebungen und Zwischenüberschriften aufgelockert. Auch die Seitenzahlen stehen innovativ am Seitenrand – weiß im grünen Kreis. Die Kapitelüberschrift wird rechts oben in einer geschwungenen Linie gezeigt, schwarze Kreise enthalten wichtige Aussagen des Texts und Bilder verdeutlichen das Geschriebene. Alles außer gewöhnlich, oder? Ja, und dadurch macht das Lesen noch viel mehr Spaß als es sowieso schon macht.

Jedes Kapitel beginnt mit einem persönlichen Erlebnis der Autoren, aus dem sich die Quintessenzen des Kapitels ergeben und das sicher als Anker zum Erinnern verwendet werden kann. Dazu kommt ein flüssiger Schreibstil mit Fragen und Ausrufen. Querdenker müssen kein Blatt vor den Mund nehmen, und Gleichgesinnte verzeihen ihnen das nicht nur, sondern freuen sich über die Offenheit, da es nur so gelingen kann, neuen Denkweisen den Weg zu ebnen und “die humpelnde Herde altersschwacher heiliger Kühe” tatsächlich zu schlachten. Die Änderungen, die sich vollziehen müssen, sind groß – aber genau so groß sind auch die neuen Möglichkeiten, die damit verbunden sind. Und mit der Einstellung “Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht naß” kommt man da sicher nicht weiter. Klare Worte und die Bereitschaft, auch gegen den Wind zu laufen, sind Voraussetzung für das Erschließen der neuen Potenziale.

Die Anregungen aus dem Buch sind gerade für alle, die sich mit dem Web beschäftigen und damit etwas erreichen wollen, von größter Bedeutung. Aber nicht nur für sie, denn dem Web und seinen Regeln kann sich inzwischend niemand mehr entziehen. Gerade die junge Generation, die mit dem Web aufgewachsen ist, verlangt die Regeln, die sie aus dem Web kennen, auch in der Offline-Welt. Hierarchien und Befehle sind out.

Ein Ablaufdatum klebt aber an der Arbeitsplatzsicherheit und gradlinigen Karrierewegen, die möglichst noch im gleichen Unternehmen beschritten werden. Dabei stehen Förster und Kreuz mit ihren Ansichten nicht alleine. Im Buch trifft man auf “alte Bekannte” – auf Jeff Jarvis (“Was würde Google tun?”), Mihaly Csikszentmihalyi mit seinen Erkenntnissen zum Flow, Reinhardt Sprenger mit der Motivation und Bertrand Piccard, dem Weltumsegler mit dem Ballon. Alter Wein in neuen Schläuchen also nur? Nein, auf keinen Fall. Das ganze Themengebiet ist einfach zu wichtig, als dass es sich auf ein Buch oder einen Experten konzentrieren dürfte. Verkrustete Strukturen und Denkblockaden müssen einfach von vielen Seiten und mit verschiedenen Methoden wiederholt angegriffen werden, damit eine Veränderung zum Positiven möglich ist.

Dass es anders geht, beweisen bereits einige Unternehmen erfolgreich. 484 einzelne Querdenker sind auf der Innenseite des Covers abgebildet und sollen anderen Mut machen, zu neuen Ufern aufzubrechen. Denn jeder muss bei sich selber beginnen und Eigeninitiative, Engagement und Kreativität an den Tag legen. Das ist sicher nicht immer einfach, aber mit der richtigen Einstellung wird scheinbar Unmögliches spielend möglich. Und es macht auch noch Spaß, weil die Erfolgserlebnisse neue Energien freisetzen.
Wenn die Strukturen in den Unternehmen dieses ermöglichen, dann geht es eben nicht mehr so, wie R. Sprenger schreibt: “Das Interessante findet nach Feierabend statt.” Unternehmen und Mitarbeiter können gemeinsam wachsen, wenn sie es nur wollen und zulassen.

“Was allein zählt, ist die Veränderung. Nur Tote bleiben liegen. Leben hingegen bedeutet Wandel, Dynamik, Wachstum, Überraschung, Enttäuschung, Hoffnung – und in alledem dann auch: Erfüllung.” In dieser Aussage auf der vorletzten Seite des Buchs steckt eigentlich alles drin, was man für den Lebensweg braucht. Wie man diesen Rahmen nun konkret ausgestalten kann, das wird im Buch an vielen Beispielen gezeigt, bei denen jedem sicher noch ein paar andere Episoden aus dem eigenen Leben einfallen.

Wenn es eine Liste mit Büchern gäbe, die jeder gelesen haben sollte, dann gehört “Nur Tote bleiben liegen” einfach dazu. Und mit der folgenden Liste meiner Lieblingszitate aus dem Buch möchte ich nochmal Lust machen, das Buch ganz zu lesen. Denn es betrifft jeden: Arbeitnehmer, Führungskräfte, Konsumenten, Kunden, Produzenten, Dienstleister, ganz gleich in welcher Lebenslage und ganz gleich, ob online oder offline.

  • “Die Chefs der Zukunft stellen sich in den Dienst der Gemeinschaft. Sie haben eine Vision, von der sie zutiefst überzeugt sind und mit der sie andere begeistern und mitreißen.”
  • “Unternehmen müssen Freiraum für die Initiative, Kreativität und Leidenschaft ihrer Mitarbeiter schaffen.”
  • “Wer nur einen Job abarbeiten will, wird auch weiterhin das tun müssen, was der Chef ihm aufträgt. Und wird austauschbar.”
  • “Aufgrund dieser Denkblockaden nutzen Unternehmen heute nur einen Bruchteil des Erfindungsreichtums ihrer Mitarbeiter und sind deshalb weit davon entfernt, ihr lebendiges Potenzial zu entfalten.”
  • “Was den Unterschied ausmacht, sind drei Eigenschaften: Eigeninitiative, Kreativität, Leidenschaft. [...] Hände, Herz und Hirn bilden hier eine Einheit: Wir arbeiten, weil das Arbeiten selbst etwas Befriedigendes ist und weil das, was dabei herauskommt, für uns sinnvoll ist.”
  • Unternehmen brauchen “die schöpferischen Zerstörer, die Querdenker und unruhigen Geister, die das Althergebrachte klug infrage stellen und Neues entdecken. [...] Denn dort, wo alle gleich denken, denkt keiner sehr viel. “
  • “Sie müssen den Kunden die Kontrolle übertragen, um ihr Vertrauen zu gewinnen. [...] Nutze die Kreativität der unzufriedenen Kunden! Jeder kreative Protest ist auch eine ausgestreckte Hand.”
  • “Kunden, die vertrauen, kaufen. Partner, die vertrauen, sind verlässlich. Mitarbeiter, die vertrauen, bringen Engagement, Kreativität und Leidenschaft mit zur Arbeit.”
  • “Außenseiter, Kritiker, ja Gegner können die Augen für Dinge öffnen, für die das Unternehmen völlig blind ist.”
  • “Das leidenschaftliche Bemühen um die Lösung außergewöhnlicher Probleme schafft das Potenzial für außergewöhnliche Leistungen.”
 

Ein Kommentar zu “Buchtipp: "Nur Tote bleiben liegen" – das Web eröffnet neue Wege”

  1. 93% der Jugendlichen täglich online. Internet als Reality-Check für fundamental andere Unternehmen | YOUNECT Blog schrieb:

    [...] jedes Zukunftsszenario.” (S.17) Entsprechend taucht das Wort “Internet” in “Nur Tote bleiben liegen” laut Register auf über 40 Seiten auf und ist damit das meist genannte einzelne Wort [...]

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