Doppelte Inhalte durch Beiträge der Nutzer

geschrieben von Marion Engel am 10. November 2008 um 14:14 Uhr

Gleiche Inhalte auf verschiedenen Webseiten sind schlecht, weil die Suchmaschinen diese gleichen Seiten nicht alle in den Index aufnehmen. Sofern es sich um verschiedene Versionen innerhalb einer Site handelt, z.B. die Seite zur Anzeige am Bildschirm und die Druckversion, lässt sich das Problem mit einer robots.txt leicht lösen. Wenn diese doppelten Inhalte aber site-übergreifend auftreten, ist das nicht mehr möglilch.

Ganz düster sieht es aus, wenn die Inhalte von den Nutzern erstellt werden. Rand Fishkin von SEOmoz hat sich kürzlich mit diesem Thema beschäftigt. Zu vielen Themen gibt es inzwischen mehr als ein Portal, und viele Nutzer nutzen diese Vielfalt, um ihre Immobilien, Jobs, Produkte usw. bekannt zu machen. Dabei wählen sie aber den einfachsten Weg und verwenden die gleichen Texte für alle Portale. Fishkin rät den Anbietern der Portale, hier gegenzusteuern, und individuelle Eingabefelder zu wählen, die sich von denen der anderen Anbieter unterscheiden. Das mag zwar für die Nutzer einen höheren Aufwand darstellen und zunächst zu weniger Einträgen führen. Aber mit sinkender Quantität steigt die Qualität. Und qualitativ hochwertige Inhalte werden von den Suchmaschinen belohnt. Auch die Benutzer werden dann die Portale vorziehen, auf denen sie detailliertere Informationen finden.

Da ist (natürlich) viel Wahres dran – theoretisch. Aber wie sieht es praktisch aus?

Standardwerte

Bei vielen Angeboten gibt es einfach Standardwerte, die angegeben werden müssen. Das gilt für eine Stellenanzeige ebenso wie für ein Immobilienangebot. Wer eher irrelevante Informationen abfragt, um dadurch einzigartig zu werden, bringt weder seinem Portal noch seinen Benutzern einen Vorteil. Und Kreativität bei den Bezeichnungen kann auch leicht zu Verwirrung führen.

Exportschnittstellen

Viele Portale bieten Schnittstellen an, über die Daten automatisiert übertragen werden können. Diese Möglichkeit wird überwiegend von Firmen genutzt, die ihre Daten nur einmal pflegen und bequem vervielfältigen wollen. Die Daten werden für die eigene Webseite eingegeben und dann an externe Portale vervielfältigt. Das ist z.B. der gängige Weg bei Immobilien-Maklern, die froh sind, wenn sie ihre Objekte per Knopfdruck aus einer speziellen Anwendung oder von ihrer Webseite exportieren können.

Schwieriges TextenVielen fällt es schwer, gut lesbare Texte zu formulieren, die zudem alle notwendigen Informationen enthalten. Und so ist man froh, wenn man einen passablen Textbaustein erstellt hat und diesen mehrfach verwenden kann.  Denn man nimmt ja an, dass sich die Interessenten auf die verschiedenen Portale verteilen. Und jemand, der in Portal A unterwegs ist, soll doch den gleichen Text lesen, den ein anderer im Portal B findet, oder? Es handelt sich doch schließlich um das gleiche Angebot. Und wer in mehreren Portalen suchen sollte, darf gerne merken, dass der Anbieter fleißig war und mehrere Portale bedient hat.

Fazit

Sicher ist der Grundgedanke von Rand Fishkin nicht verkehrt. Die Hauptaufgabe liegt meines Erachtens aber bei den Betreibern der Portale. Und sie liegt nicht darin, andere Daten abzufragen. Das Umdenken muss bereits viel früher anfangen: bei der Positionierung des Portals. Denn wozu braucht man mehrere Portale, die die gleichen Produkte anbieten? Das erhöht nur die Arbeit für alle, die hier Inhalte einstellen und herausholen möchten, weil sie es mehrfach tun müssen. Und es schmälert die Gewinne der einzelnen Portale, weil sie den Kuchen untereinander aufteilen müssen.

Viel günstiger wäre es, wenn sich jedes Portal eine eigene Nische suchen und ein spezielles Angebot machen würde. Dann könnten sich Anbieter und Nachfragende für genau ein Portal entscheiden. Der Portalbetreiber kämpft um einen wesentlich kleineren Kuchen (um bei dem Bild zu bleiben), hat aber eine viel größere Chance, den größten Teil dieses Kuchens für sich zu bekommen. Denn wo sich die zueinander passenden Anbieter und Nachfragen treffen, sind die Streuverluste weit geringer.

Möglicherweise wird die Finanzkrise  ja wirklich dazu beitragen, die Angebote im Web 2.0 etwas auszudünnen und nur den wirklich erfolgversprechenden Angeboten den Weg in die Zukunft zu ermöglichen. Denn damit würde zumindest ein Teil der doppelten Inhalte verschwinden.

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