admin, 23. April 2010 1 Kommentar RSS
Das IT-Cluster der Tiroler Zukunftsstiftung hatte gestern zu einem interessanten Vortrag mit dem Titel “Internet Communities, Chancen und Risiken für Unternehmen” eingeladen. Und im Rahmen von netiT, dem grenzüberschreitenden Netzwerk, an dem auch die Stadt und FH Rosenheim beteiligt sind, haben auch wir den Weg nach Innsbruck gefunden. Über die Erkenntnisse und Denkanstöße des Abends will ich nun berichten.
Zur Einstimmung jedoch vorab noch ein recht interessantes Video….
Web 2.0
Seit 2005 wird dieser Begriff nun schon verwendet. Welche Eigenschaften gelten dafür:
Die Zusammenarbeit in virtuellen Welten begann zwar bereits im Web 1.5 in Foren. Communities wie Facebook, Twitter usw. haben inzwischen eine große Macht erlangt und beeinflussen u.a. Kaufentscheidungen durch die abgegebenen Empfehlungen und Produktbewertungen, die einen hohen Vertrauensfaktor genießen.Und wenn es um Kaufentscheidungen geht, kommen ganz klar Unternehmen ins Spiel – und zu Web 2.0 entsteht ein neuer Begriff:
Enterprise 2.0
Die Communities, die teilweise als “Spielwiese” betrachtet werden, reichen also definitiv in die Unternehmen hinein. Kein Unternehmen kann das verhindern oder gar verbieten. Es bleibt nur die Entscheidung, ob das Unternehmen aktiv dabei sein will oder nicht. Allerdings gibt es hierzu leider keine Checklisten oder vorgefertigte Rezepte, die man ganz einfach abarbeiten muss, um garantiert zum Erfolg mit Facebook und Co. zu kommen. Das Gegenteil trifft sogar zu. Das ganze Themengebiet ist nämlich noch so jung, dass es allenfalls erste Erkenntnisse und Erfahrungen gibt, die aber nicht unbedingt repräsentativ sein müssen. Dazu kommt eine enorme Dynamik, denn Facebook hat weniger als 9 Monate gebraucht, um über 50 Mio Nutzer zu erreichen. Das gesamte Internet hat dazu 4 Jahre benötigt, und beim Radio sollen es stolze 38 Jahre gewesen sein.
Wir befinden uns also auch in einem gesellschaftlichen Wandel, der z.B. dazu führt, dass nicht nur eBooks immer beliebter werden, sondern auch mobile Applikationen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dadurch ergeben sich natürlich auch neue Märkte und neue Wege, potenzielle Kunden zu finden. Aber es reicht nicht aus, wenn ein Unternehmen beschließt, Enterprise 2.0 zu machen. Der Erfolg wird sich nicht von alleine einstellen. Es muss an drei Stellschrauben gedreht werden:
Die Änderungen bei der Kultur enthalten weiters folgende Aspekte:
Communities
Wer steckt in einer Community? Das ist ebenfalls eine interessante Frage für Enterprise 2.0, da hohe Streuverluste auch hier nicht sinnvoll sind. Unter dem fachlichen Aspekt lassen sich die Communities in 4 Gruppen unterteilen:
Zu den Zielgruppen des Web 2.0 hat das IM Marketing Forum in einer Studie 4 Gruppen ermittelt, zu denen schätzungsweise 30 bis 50% der Internet-User zählen.
Fasst man diese Personengruppen zusammen, kommt man zu den LOHAS, die sich durch den “Lifestyle of Health and Sustainability” auszeichnen. Sie verfügen über ein ausreichendes Einkommen, gute Bildung und soziale Stellung. Sie führen ein bewusstes Leben, achten auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung und können “Geiz ist geil” nichts abgewinnen. Sie betrachten jeden Einkauf als politischen Akt, mit dem sie die Unternehmensentwicklung bestimmen. Und sie nutzen die Dienste des Web 2.0 gezielt für den Aufbau ihres sozialen Netzwerks.
Herausforderungen
Die gibt es natürlich auch in der dynamischen Welt der Communities. An erster Stelle steht die Sicherheit mit der Frage, wem denn die eingestellten Inhalte gehören. Besonders die junge Generation, die zum Teil recht sorglos persönliche Informationen im Web veröffentlicht, leidet unter Umständen erst Jahre später unter diversen Jugendsünden, die das Web nicht vergessen hat.
Eine andere Herausforderung liegt aber auch bei den Plattform-Betreibern selber. Ihre Aufgabe ist es nämlich, ihre Plattform durch tragfähige Businessmodelle langfristig lebensfähig zu machen. Google hat es geschafft, während es bei Second Life nicht funktioniert hat. Wie man in 1-2 Jahren über Twitter und Facebook urteilen kann, muss sich erst noch zeigen.
Eine weitere wichtige Herausforderung für alle Beteiligten liegt sicher auch in der Messbarkeit des Erfolgs. Google AdWords beispielsweise bietet einfache Möglichkeiten zur Auswertung, die nicht nur die Möglichkeit schaffen, den Kurs bei Bedarf anzupassen, sondern einfach auch ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle vermitteln. In den Communities hingegen lassen sich (noch?) keine konkreten Zahlen über Aufwand und Wirkung ermitteln.
Was tun?
Mit dieser Frage kamen einige der Teilnehmer zum Vortrag und waren anschließend eher enttäuscht, weil sie nicht mit fertigen Antworten nach Hause gehen konnten. Patentrezepte gibt es nicht, und selbst wenn ein Unternehmen mit seiner Strategie schon gute Erfolge erzielt hat, muss das noch lange nicht auf jedes andere Unternehmen übertragbar sein. Was also tun, wenn man nicht gleich resigniert und sich für Abstinenz enschließt – was sicher in vielen Fällen nicht die beste Entscheidung ist?
Es braucht auf jeden Fall eine gute Portion Kreativität und Hirnschmalz, um die Communities erfolgreich zu nutzen. Denn nur wenn der Endverbraucher aus der jeweiligen Zielgruppe einen Nutzen aus dem Angebot im Web 2.0 hat, können die Anstrengungen Früchte tragen. Es reicht nicht aus, “einfach” eine Seite bei Facebook einzustellen und darauf zu hoffen, dass sie einfach so jede Menge Fans bekommt. Es braucht Anreize und Aktionen, die der Community einen Mehrwert bringen und es lohnenswert machen, Fan zu werden.
Teile der klassischen PR-Arbeit können sicher in die Communities übertragen werden. Aber man wird kaum Erfolg haben, wenn man nicht zuerst ein gutes Konzept erarbeitet und natürlich auch darauf achtet, die notwendigen Ressourcen zur nachfolgenden Umsetzung des Konzepts zur Verfügung zu stellen.
Der ein oder andere mag zum Abwarten tendieren und hoffen, dass er später einsteigen kann, wenn es mehr Informationen gibt. Wer es allerdings jetzt schon wagt, das kalte Wasser auszuprobieren, hat die Chance, seine Position zu stärken, sich ein neues Image zu verpassen und die Nase vor die Konkurrenz zu strecken.
Die Konsumenten wollen verstärkt mitbestimmen und Marken prägen. Und in dieser Stimmungen können es sich Unternehmen immer weniger leisten, von oben die Regeln bestimmen zu wollen. Ein Umdenken und neue Wege sind also auf jeden Fall notwendig. Welche Tools man dabei verwendet, muss man behutsam und individuell ermitteln.
12. Mai 2010 um 2:08
ganz interessanter beitrag von dir mit facebook das fand ich interessant wußte ich auch so nicht^^ gruß werner