Enttäuschte Erwartungen im Internet

admin, 22. September 2008 kein Kommentar RSS

Wenn ich privat im Internet unterwegs bin, schaut mein “drittes Auge” immer auch ein wenig unter beruflichen Aspekten auf das, was ich da so vorfinde. Denn lernen kann man meistens etwas, sowohl von guten als auch von schlechten Beispielen.

Kooperationen im Web

Es gibt Seiten, für die mehrere Parteien verantwortlich zeichnen. Die Informationen kommen aus mehreren Quellen. Und nur wenn alles aufeinander abgestimmt und aktuell ist, hat der Benutzer einen Vorteil. Und wenn der Benutzer diesen Vorteil nutzt, profitieren die Anbieter. Kompliziert? Mit einem Beispiel sicher nicht: Ich spreche nämlich von den Quartieranfragen, die Städte oder Tourismusregionen im Web anbieten. Mir ist es nämlich jüngst so gegangen, dass ein Hotel, das laut der Liste auf der Tourismus-Seite der Stadt sogar mehrere Zimmer hätte frei haben sollen, überhaupt kein Interesse an Gästen hatte. Warum kommt es hier zur Enttäuschung?

Dem Benutzer wird eine komfortable und einfache Möglichkeit suggeriert, seine bevorzugte Unterkunft zu finden. Es herrscht scheinbar volle Transparenz: Alle Quartiere sind zum gewünschten Zeitraum frei, und ich kann in aller Ruhe an Hand von Preis, Ausstattung und Lage für mich die Spreu vom Weizen trennen. Sobald ich meine Nummer 1 gefunden habe, buche ich – am besten online, weil ich ja sowieso gerade vor dem Rechner sitze.

In Wahrheit ist die Transparenz aber nur eingeschränkt. Am besten fahre ich in der Praxis mit einer Kombination aus Moderne und Tradition. Ich stelle aus dem Web zumindest eine Top 5-Liste der Quartiere aufstelle und telefoniere dann so lange, bis ich eine Zusage erhalten habe. Denn auch Anfrageformularen kann man nur bedingt trauen…

Reaktionen auf Anfragen

Kontaktformulare suggerieren eine einfache Möglichkeit, schnell Antwort auf eine Anfrage zu erhalten. Bei manchen Tourismusverbänden funktioniert das auch, nicht aber bei den Anfragen, die ich jüngst verschickt habe. Das besagte Hotel hatte nämlich nicht die Güte, meine Anfrage zu beantworten. Dummerweise enthielt das Reservierungsformular nur die Eingabefelder und keinerlei Hinweise auf die weiteren Schritte. Und so war ich also bis zu einem Anruf unsicher, ob meine Anfrage gleich als Reservierung betrachtet wurde – weil ja eigentlich ein Zimmer hätte frei sein sollen.

Hier hätte etwas mehr Transparenz geholfen, die andere Hotels in Form einer maximalen Reaktionszeit oder der Angabe, dass diese Anfrage erst mit einer Bestätigung verbindlich wird, liefern. Auch eine Information über die Stornomöglichkeiten im Anfrageformular schafft Vertrauen beim potenziellen Kunden.

Wanted: Transparenz

Was hier an verschiedenen Stellen fehlt, ist Transparenz. Tourismusverbände, die Abfragen auf freie Quartiere anbieten, sollten den Benutzern zumindest offen sagen, wie sicher die Ergebnisse sind. Noch besser wäre es natürlich, wenn konzeptionell und technisch sichergestellt wird, dass die Daten immer korrekt sind. Dass hier Hotels andere Möglichkeiten als Privatvermieter haben, ist zwar klar. Deshalb wären zwei Listen fair: Wer aktuelle Belegungsdaten liefern kann, wird in der Suche nach Termin gelistet. Wer das nicht kann, erscheint in einer Quartierliste ohne Termin. Möglicherweise gibt es einen Link auf die Website des Anbieter, auf der er individuell die Verfügbarkeit pflegt. Die Zeit, die für die Pflege dieser Angaben benötigt wird, spart man für elektronische und telefonische Absagen wieder ein. Und vielleicht ist ja ein Reisender auch bereit, sich a die Verfügbarkeit des gewünschten Quartiers anzupassen – wenn er es denn wüsste.

Wanted: schnelle Reaktionen

Das Internet  gilt als schnell. Und so bin ich natürlich enttäuscht, wenn ich Freitag abend eine Bahnreise mit Hotel buchen möchte und dann auf einer der hinteren Seite im Buchungsprozess die Information erhalte, dass die Verfügbarkeit erst mit dem Kooperationspartner (dem Hotel) geprüft werden muss. Das dauert 2 Tage und funktioniert natürlich nur von Montag bis Freitag. Das Risiko, hier am Mittwoch eine Absage zu erhalten, war mir zu groß – ein Auftrag weniger für die Kooperationspartner. Offensichtlich spricht dieser Anbieter nur begrenzte Kundensegmente an: 1.) Online-Kunden von überall, die ihre Reise lange im voraus buchen 2.) Kunden, die in den Städten wohnen, in denen es Reisebüros des Anbieters gibt, und die von Montag bis Freitag Zeit haben, dorthin zu gehen.

Fazit

Auch wenn es schon (fast) alles im Internet gibt, gibt es immer die Möglichkeit, es besser zu machen und sich damit aus der Masse hervorzuheben.

Wer seinen Internet-Auftritt oder seine Web-Anwendung aber so schnell wie möglich online sehen möchte, nachdem er sich entschlossen hat, es nun anzugehen, wer meint, dass lange Vorüberlegungen oder gar Konzepte überflüssig sind, weil ja sowieso alles klar ist, befindet sich auf dem direkten Weg in die Masse der Mittelmäßigkeit.

Gerade zu Beginn eines Internet-Projekts zahlt es sich aus, ein schlüssiges Konzept zu entwickeln, bei dem alle Aktionen und Anforderungen der potenziellen Kunden berücksichtigt werden. Das mag zwar etwas länger dauern und vielleicht auch ein bisschen mehr kosten, rechnet sich aber langfristig aber auf jeden Fall.


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