geschrieben von Marion Engel am 28. November 2008 um 10:56 Uhr
Dieses Thema hat zwar kein fachlich-technisches Kernthema aus dem Bereich SEO und Internet, aber es betrifft natürlich auch alle Unternehmen im Web-Bereich mit ihren Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern. Und gerade in der aktuellen Situation mit Finanzkrise und Vertrauensverlust aller Orten hat die ethische Unternehmensführung gute Chancen, einen Weg aus der Krise aufzuzeigen.
Was allerdings ethisch ist, darüber lässt sich heiß diskutieren. Und so war es denn auch gestern bei einem Vortrag mit Diskussion, zu der der Verband für Unternehmensführung “ethiks” in Zusammenarbeit mit dem katholischen Bildungswerk Rosenheim eingeladen hatte.
möchte den Aufbruch in eine bessere Welt schaffen und ein Netzwerk aus Unternehmen knüpfen, die den “Wunsch nach mehr Menschlichkeit und fairer Behandlung in Geschäftsangelegenheiten” hegen und umsetzen möchten. Die Mitglieder von ethiks können ihre Einstellung mit dem Logo des Verbandes darstellen und damit darauf hoffen, als Auftraggeber und -nehmer, Arbeitgeber und Kreditnehmer begehrter zu werden.
ethiks hat seine Grundsätze natürlich noch detaillierter formuliert. Und diese wurde dann gestern auch heftig diskutiert. Eigentlich gehört es ja schon zu den käufmännischen Grundregeln, Rechnungen pünktlich zu zahlen, nicht mehr Skonto abzuziehen als zulässig ist oder nur solche Aufträge zu vergeben, die man auch tatsächlich bezahlen kann – um nur einige Beispiele zu nennen. Und seinem reinen Gewissen gegenüber sollte man nur das zusagen, was man auch wirklich halten kann und weder Mitarbeiter noch Geschäftspartner absichtlich für eigene Zwecke ausnutzen.
Eigentlich…. Die rauhe Wirklichkeit lehrt uns aber leider etwas anderes. Und so passiert es denn vor dem Hintergrund von Korruption, Mobbing und “Geiz ist geil”, dass das eigentlich normale, gute Verhalten als besonders ethisch herausgehoben werden muss.
Dabei ist doch das Gegenbeispiel im Grunde genommen so einfach und eingängig: In einem Unternehmen herrscht ein schlechtes Betriebsklima. Den Mitarbeitern macht die Arbeit keinen Spaß, und sie tun schließlich nur noch das Nötigste, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Auf Lieferantenseite wird streng nach dem Preis ausgewählt. In dieser Mischung entstehen Produkte von schlechterer Qualität, die zu mehr Reklamationen führen. Die demotivierten Mitarbeiter werden die reklamierenden Kunden sicher nicht entsprechend zuvorkommend bedienen, so dass die Zufriedenheit auf Kundenseite sinkt. Gleichzeitig wird die Fluktuation steigen, d.h. erfahrene Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, und die neuen Mitarbeiter können den Verlust Teil des Know-Hows nicht vollständig ersetzen. Mit stagnierenden Auftragseingängen wird dann schließlich auch die finanzielle Lage immer prekärer. Und das Ende vom Lied ist oft die Insolvenz.
Viel rosiger schaut es in Unternehmen aus, in denen ein angenehmes Betriebsklima herrscht, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Denn das ist die erste Voraussetzung dafür, dass sie sich mit dem Unternehmen identifizieren, gerne dort arbeiten und sich voll einbringen können. Denn erst wenn die Arbeit nicht als lästiges Übel betrachtet wird, das man auf sich nehmen muss, weil man ja Geld braucht, sind Spitzenleistungen möglich. Und davon profitieren alle: Der Mitarbeiter hat Spaß an seiner Arbeit und wird durch Erfolgserlebnisse weiter motiviert, dem Unternehmen geht es gut, und die Kunden sind zufrieden und werden zu Stammkunden.
Eigentlich banal und einleuchtend, oder? Im Grunde schon, aber die Guten haben es natürlich in der “bösen Welt” nicht leicht. Und es wird immer schwarze Schafe geben, die andere Wege beschreiten, ob nun bei der Suchmaschinen-Optimierung, im Spitzensport oder wo auch immer.
Aber Jammern hilft nichts, und darum zählen nur Taten. Und deshalb ist der Weg, auf den sich ethiks begeben hat, der richtige Weg. Auch wenn das Pflänzchen noch sehr zart ist, und wenn die ersten Schritte vielleicht hier und da noch ein wenig unbeholfen erscheinen mögen: es ist der richtige Weg. Und es ist wichtig, dass immer mehr Unternehmer und Personen in Führungsrollen diesen Weg einschlagen. Denn je mehr Menschen diesen Weg gehen, desto deutlicher wird er auch für andere erkennbar, die ihn momentan noch nicht sehen.
Zur Frage, was denn nun ethisches Verhalten ist, ob Falschparken beispielsweise ethisch oder unethisch ist, ob das Parken auf einem Behindertenparkplatz nicht unethisch ist, solange während der Parkdauer gar kein Behinderter den Parkplatz hätte in Anspruch nehmen wollen, konnte in der gestrigen Diskussion kein Konsens gefunden werden. Ein Gedanke als Meßlatte hat mir jedoch sehr gut gefallen: Bevor man etwas tut, sollte man überlegen, was passieren würde, wenn es alle täten.
Lamentieren und Schimpfen ist einfach. Wirkungsvoller ist es jedoch, einmal ehrlich in den Spiegel zu schauen und bei sich selber mit kleinen Veränderungen zu beginnen. Und dann kann man auch bald die uralte Regel des Marketing anwenden: “Tue Gutes und rede darüber.”Und auf dieser Basis wird sich sicher auch der unternehmerische Erfolg einstellen. Vielleicht ist ja das bevorstehende erste Adventswochenende eine gute Gelegenheit zum Innehalten und Nachdenken.
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