Gelungene Offline-Idee zur Kundenbindung

Josef Willkommer, 23. September 2010 5 Kommentare

 

Wie macht man bei der Neueröffnung eines Geschäfts auf sich aufmerksam und lockt neue Kunden an? Es gibt sicher verschiedene Möglichkeiten. Eine Idee habe ich gestern kennengelernt. Da ich sich sie sehr gelungen finde, möchte ich sie hier vorstellen und ein wenig analysieren.

Es handelt sich um eine Idee aus dem Offline-Bereich, denn die Sache begann am Briefkasten...

Schon durch die gläserne Haustür war beim Blick auf die Briefkästen erkennbar, dass eine der kostenlosen Wochenzeitungen in jedem Briefkasten steckte. Zusätzlich fiel auf, dass da irgendwie ein Griff einer Papiertüte herausragte. Hmm, wer schickt uns denn eine Papiertüte? Wozu wird die wohl gut sein?
Erster Pluspunkt für den Absender. Die Aufmerksamkeit hatte er schon mal erfolgreich geweckt und dafür gesorgt, dass ich die Zeitung nicht einfach erstmal über der Altpapiertonne geschüttelt habe, damit die ganze eingelegte Werbung herausfällt.

Die weitere Betrachtung zeigte folgende Papiertüte:

Alles, was man bis 30.10. in der neuen Filiale kauft und was in diese Tüte passt, ist 10% billiger als normal.

Diese Tüte enthält also eine klare Handlungsaufforderung. Sie enthält die Adresse des neuen Ladens, zeigt die Gültigkeit des Rabatts (zeitlich und örtlich) und regt auch gleich die Phantasie an. Was kann man wohl alles in die Tüte hineinpacken? Sicher nicht die große Packung Streu, weil damit die Tüte gleich voll ist und sich der Rabatt nicht so richtig lohnt. Ganz viel kleine Packungen mit Tiernahrung dann eher? Wie wäre es mit ein paar Tüten mit Zierfischen? Die passen doch leicht rein. Oder 5 Meerschweinchen auf ein Mal?
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, und wahrscheinlich steckt hier die Absicht dahinter, dass sich der Kunde intensiv mit dem Sortiment im Laden beschäftigt. Nach dem Motto: "Was könnte ich alles brauchen? Es darf ruhig ein bisschen mehr sein, schließlich gibt es ja 10% Rabatt!"

Die Tüte ist zwar für den Händler eine gewisse Sicherheit, dass die Rabatte nicht in den Himmel wachsen. Für den Kunden könnte sie aber zur Herausforderung werden, dass er so viel kauft, dass die Tüte randvoll wird, d.h. dass er eigentlich mehr kauft, als er aktuell braucht.

Vielleicht gibt es ja sogar einen gewissen Run auf die Tüten. Bei uns im Haus lagen heute früh etliche Tüten auf unserer Papiertonne. Vielleicht zur Freude der Hunde- und Katzenbesitzer im Haus? Vielleicht sind ja auch die Altpapier-Container in den nächsten Tagen ein Treffpunkt der Schnäppchenjäger? Oder darf man mit der selben Tüte mehrmals einkaufen gehen?

Natürlich hat der Händler mit der Aktion Streuverluste, weil nicht jeder Haushalt, der die Zeitung mit Tüte erhalten hat, auch tatsächlich Zooartikel braucht. Aber zumindest kann die Zielgruppe regional gut eingegrenzt werden. Es scheint nämlich so, dass sie nur an Haushalte in engster Nachbarschaft zum neuen Laden verteilt wurde.

An die Erfolgskontrolle wurde auch gedacht. Denn ich nehme an, dass der Barcode oben rechts an der Kasse gescannt wird und Auskunft darüber gibt, über welchen Weg der Kunde an die Tüte gekommen ist.

Und ein viraler Effekt ist auch vorhanden. Ich selber habe zwar keinen Zoo-Bedarf, aber es spricht ja nichts dagegen, dass ich in meiner Begeisterung über die Aktion meine Tüte an einen Tierfreund weitergebe, der außerhalb des Verteilsbereichs wohnt, aber den neuen Laden trotzdem gerne kennenlernen möchte. Und wenn dieser ein gutes Sortiment und vielleicht auch noch etwas mehr vorfindet, ist nicht auszuschließen, dass er einen neuen Lieblingsladen gefunden hat.
Dieses "mehr" ist allerdings wichtig. Denn ich habe kürzlich verschiedene Rabattgutscheine in einem Laden eingelöst und hatte den Eindruck, dass es überhaupt nicht gut ankam, dass ich auschließlich Artikel aus dem Rabattheftchen gekauft hatte. Wären die Verkäufer freundlicher gewesen, hätte ich die jeweiligen Artikel vielleicht später erneut zum regulären Preis gekauft. Aber so - danke und nie wieder! Rabattaktionen können also auch nach hinten losgehen, wenn sie halbherzig durchgeführt werden. Neja, Kundenservice... aber das ist ein anderes Thema.

Was das Marketing angeht, sind gute und neue Ideen gefragt, wenn man sich aus der Masse hervorheben will. Das zeigt diese Aktion ein Mal mehr. Ich halte Augen und Ohren offen, um die nächste gelungene Aktion zu finden.

 

5 Kommentare zu “Gelungene Offline-Idee zur Kundenbindung”

  1. Marco von SEO Küche schrieb:

    Werbung 1A! leider war bei uns in Bruckmühl keine derartige Tüte im Briefkasten sonst hätte ich doch glatt noch zugeschlagen ;)

  2. Kundengewinnung schrieb:

    Eine wirklich gelungene Idee. Man sollte jedoch sein Sortiment im Auge behalten, damit das Risiko gering bleibt.

  3. Werbepylon schrieb:

    Also ich finde die Idee auch genial. Allerdings ist es natürlich problematisch wenn die Kunden dann am Auto die Tüte ausleeren und noch mal kommen. Mich würde mal interessieren, wie das mit dem Barcode laufen soll und welche Daten darüber getrackt werden können.

  4. Marion Engel schrieb:

    Kleiner Nachtrag nach nochmaligem Betrachten der Tüte: Für Tiere gilt sie leider doch nicht - geht also nicht mit den Fischen oder Meerschweinschen...

  5. Paul schrieb:

    Es ist schön mal neue Varianten zu sehen, anstelle der 0815 Werbemöglichkeiten. Sicher muss man schauen wie hoch die Erfolgsquote für solche "außergewöhnlichen" Werbemaßnahmen ist.

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