Interessante Internet World 2011 in München

Josef Willkommer, 14. April 2011 kein Kommentar

 

Die Internet World Messe 2011 in München ist Geschichte. Aber in der Erinnerung lebt sie weiter, und bei mir nicht nur dort.  In einer Zeit, wo jeder sein Smartphone ständig zur Hand hat, hat es zwar schon fast etwas dinosaurierhaftes, mit einem Buch und einem Füller dazusitzen und fleißig mitzuschreiben…aber dafür habe ich die wichtigen Aussagen der Referenten konserviert.
Wer befürchtet hat, dass die kostenlosen Vorträge nichts taugen, kann eines besseren belehrt werden. Ich habe an beiden Messetagen von der ersten bis zur letzten Möglichkeit Vorträge angehört. Und es war nur ein einziger dabei, der abgelesen und übermäßig werbend für das eigene Unternehmen war. Aber eine kleine Erkenntnis kann selbst aus diesem Vortrag mitgenommen werden.

Natürlich endete jeder Vortrag mit der Einladung auf den Messestand des präsentierenden Unternehmens. Aber das ist ja durchaus legitim und sichert die Qualität der Vorträge. Denn wer will schon mit einer schlechten Präsentation riskieren, dass niemand oder nur erboste Besucher auf den Stand kommen? Und schließlich geht es ja auf einer Messe auch darum, neue Produkte oder Dienstleistungsangebote kennenzulernen.

Geld scheint in der Branche keine Rolle zu spielen. Kaum drin im Messebereich hatte man auch schon jede Menge Flyer in die Hand gedrückt bekommen, was den ganzen Tag so weiter ging. Hier die Teilnahmekarte für ein Gewinnspiel, dort der Griff in die Lostrommel und dann noch die Dame mit dem Elektroroller, die lautlos ihre Runden durch die Hallen drehte und den Namen ihrer Firma ins Gedächtnis eingrub. Auch bei den Giveaways übertrumpften sich die Aussteller hinsichtlich der Größe der Taschen gegenseitig…
Das aber nur so als Betrachtung. Denn das eindeutig Schöne war die Tatsache, dass die Messe und die Fachvorträge nach Voranmeldung kostenlos besucht werden konnten, während der angeschlossene Kongress natürlich nicht für jeden Interessierten erschwinglich war.

Die Vorträge dauerten jeweils 30 Minuten. Meist wurden 3 Vorträge zu einem Themenblock zusammengefasst. Drei Infoarenen unterschiedlicher Größe standen dafür zur Verfügung – bestens ausgestattet mit Bühne, Beamer, Lautsprecher und natürlich Bestuhlung. Wer zwischen den Vorträgen etwas Bewegung wollte, konnte sich einer der vielen Guided Tours anschließen, in der die Messestände eines bestimmten Themas aufgesucht wurden.

Die Vorträge – oder die, die ich mir ausgesucht hatte – zeigten, wie breit das Feld des Online Marketing ist. Immer wieder wurde aber auch klar, dass die verschiedenen Maßnahmen nicht isoliert gesehen werden dürfen. Wer nach dem Prinzip “Last Cookie wins” nur der letzten Maßnahme vor der Konversion Beachtung schenkt, lässt außer Acht, dass die Aufmerksamkeit für die Marke oder das Produkt schrittweise durch andere Aktivitäten oder Werbemittel aufgebaut wurde.
Andererseits können natürlich Maßnahmen in einem Bereich auch Maßnahmen in einem anderen Bereich beeinflussen. SEO und SEM sind da ein gutes Beispiel.

Die Elemente des Marketing-Mix sind durch die vielen Online-Möglichkeiten deutlich umfangreicher geworden. Wer sich dort auskennt und auch stets auf dem Laufenden hält, kann seinen Kunden viele interessante Dinge anbieten. Es sind spannende Aufgabengebiete, in denen Wissen, Kreativität, Handarbeit und viel Einfühlungsvermögen in die Welt des Kunden nötig sind. Die Beispiele in den Vorträgen bezogen sich zwar meist auf große, namhafte Kunden. Die spannende Frage ist, wie auch kleinere Kunden mit bescheideneren Budgets, also z.B. Online-Shops in Nischen, zumindest von einigen dieser Maßnahmen profitieren können.

Beim Web und beim Marketing meinen zwar viele, mitreden zu können. Selbst im BWL-Studium wurden die Marketingthemen ja gerne als “Laberfächer” abgetan. Das stimmt aber keinesfalls. Wirklich seriöses, erfolgsorientiertes Online-Marketing ist weit mehr als nur “labern”. Dass es für Shop- und Seitenbetreiber nicht einfach ist, hier die richtige Wahl zu treffen, ist auch klar. Für sie bleibt vielleicht nur die Hoffnung, dass ähnlich wie bei Produkten auch bei der Dienstleisterauswahl Empfehlungen von Freunden, Bekannten und aus der Community helfen werden, die Spreu vom Weizen zu trennen.

 

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