Länderspezifische Suche und die nationalen Googles

admin, 2. März 2010 kein Kommentar RSS

Wenn man bei Google.de gefunden werden will, hat man mit einer *.de-Domain und einem deutschen Hoster die größten Chancen. Man wird sicher vor einer inhaltlich vergleichbaren Seite mit einer *.at-Domain gerankt, die auf einem Server in Österreich liegt.
Dieses Beispiel ist ja noch einfach, da in beiden Ländern Deutsch die einzige offizielle Sprache ist. Und es bleibt auch einfach, solange man sich weit weg von den Ländergrenzen aufhält. Aber wehe, wenn nicht….dann schlagen die grauen Zellen Purzelbaum….

Die Überlegungen ins Rollen brachte ein Projekt, in dem ich Webseiten für einen Südtiroler Trompeter erstellt habe. Als es dann um die Domain ging, bin ich mal ganz vorsichtig mit *.it ins Rennen gegangen – wohl wissend, dass die Südtiroler ja eigentlich keine Italiener sind. Das hat sich bestätigt, und so kamen *.de oder *.ch ins Spiel, vielleicht auch noch *.at. Da die Seiten in deutsch sind, war *.de die naheliegendste Alternative, die dann auch bei Betrachtung der Preise schnell den Zuschlag bekommen hat – warum auch immer die Domains in unseren Nachbarländern um einiges teurer sind.
Die Seiten haben ihre zu Hause nun auch auf einem deutschen Server in guter Nachbarschaft gefunden, so dass das Thema praktisch erstmal abgeschlossen ist.

Aber die Überlegungen gehen trotzdem weiter, denn mein Musiker ist mehr als überregional tätig, sowohl in Südtirol als auch im südlicheren Italien, ebenso in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Und so sollten seine Seiten auch in allen diesen Ländern gefunden werden. Natürlich hätten wir mehrere Länderdomains reservieren können, aber mit Umleitungen hätten wir dann ja doch eine Domain zur Hauptdomain machen müssen. Ganz abgesehen davon, dass wir damit für eine private Seite mit Kanonen auf Spatzen geschossen hätten.

Was würde man größeren Firmen in einer solchen Situation raten? Und wie verhält es sich mit regional tätigen Unternehmen, die sich eben genau im Grenzgebiet, einem Drei- oder Vierländereck befinden, und denen der Kunde knapp hinter der Grenze weit wichtiger ist als ein nur potenzieller Kunde am anderen Ende des eigenen Landes?

Da kann man sich erstmal nur wünschen, dass dies- und jenseits der Grenze unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Dann könnte man beispielsweise die deutsche Version unter einer *.de-Domain laufen lassen und eine französische Version unter einer *.fr-Domain. Dabei könnte man sogar noch auf die Idee kommen, beide getrennt national zu hosten. Das bietet sich allerdings nur dann an, wenn sich die Seiten von Inhalt und Struktur her unterscheiden. Denn wenn beide in einer gemeinsamen TYPO3-Instanz geführt werden, ist keine Trennung mehr möglich.

Deutschland – deutsch, Frankreich – französisch – auch das ist noch einfach, aber da gibt es ja noch die Länder mit mehreren offiziellen Sprachen, wie z.B. die Schweiz. Und so bietet Google.ch auch eine Zeile, die es bei Google.de nicht gibt:

Google Schweiz

Die Auswahl der Sprache unter “Google.ch angeboten in:” steuert nämlich nicht nur das Aussehen der Google-Seite, sondern auch die Suchergebnisse. Wählt man die französische Version von Google.ch, werden natürlich auch französische oder französisch-schweizer Seiten bevorzugt.

Ähnlich sollte es eigentlich auch bei Google.it sein, das sowohl in Italienisch als auch in Deutsch angeboten werden müsste. Aber komischerweise ist das nicht immer der Fall, und meist dominiert einfach das Italienische und gibt deutschsprachigen Seiten keine Chance. Das ist merkwürdig, denn Google müsste sowohl über meine IP-Adresse als auch über meine Spracheinstellung erkennen, dass mir das Deutsche näher liegt als das Italienische.

Google.ch verhält sich da in seiner italienischen Variante deutlich anders und zeigt bereits auf der zweiten Seite deutsche Treffer aus Deutschland. Das passiert allerdings nur, wenn man mit einem speziellen Begriff oder einem Eigennamen sucht. Denn bei generischen Begriffen wird es immer ausreichend inländische Treffer geben.

Viele Fragen und erstaunliche Ergebnisse, aus denen sich aber nicht so leicht Regeln ableiten lassen.
Der Fall Südtirol ist in der Tat speziell, so dass sich hier die nicht länderspezifischen Domains wie *.com usw. großer Beliebtheit erfreuen. Unter einem solchen Dach kann man dann auch eine deutsche und eine italienische Version führen. Für rein deutsche Seiten ist eine *.it-Domain eher ungeeignet, sofern nicht mit Google.de gesucht wird.

Auch für andere grenzüberschreitende Fälle sind länderneutrale Domains wie *.com oder *.net durchaus eine gute Alternative, wenn die Kombination aus Heimatland und Sprache keine eindeutige Entscheidung bringt. In die gleiche Richtung zielen ja auch *.eu-Domains, die sich aber wohl noch immer nicht so ganz durchgesetzt haben.
Und wenn es auf ein paar Euro pro Jahr nicht ankommt, sollte man sich lieber eine Domain mehr reservieren und diese zur Umleitung benutzen. Das hilft dann zwar nicht für die Suchmaschinenoptimierung, kann aber einen nationalen Anstrich geben und verhindert auch, dass möglicherweise ein Mitbewerber die Domain so verwendet, wie man das vielleicht nicht möchte.


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