Magento Stores auf dem Prüfstand

Josef Willkommer, 12. April 2010 1 Kommentar

 

Wenn wir “Webber” eine gute Website finden, wandert der Blick oft mal kurz auf den Quellcode. “Ah, TYPO3″ ist eine Erkenntnis, die leicht über die Lippen kommt, weil die Angabe standardmäßig im Code zu finden ist.

Bei Magento ist das so nicht der Fall. Dennoch findet das geschulte Magento-Auge oft und leicht Elemente im Shop, an Hand derer die Herkunft unzweifelhaft klar wird.

Das ist nicht per se schlecht, zumal der “normale” Benutzer selten über diese Kenntnisse verfügt und es ihm wahrscheinlich auch egal ist, Hauptsache er findet die gesuchten Produkte zu angemessenen Konditionen. Aber sobald es mehrere Anbieter für ein Produkt oder eine Produktgruppe gibt, kann die Aufmachung des Shops über Kauf oder Nicht-Kauf entscheiden.

Aber für uns, die wir täglich mit Magento zu tun haben, vermittelt ein Shop, der nahe am Standard angelehnt ist, doch leicht folgende Assoziationen:

  • Der Shopbetreiber hat nur ein kleines Budget zur Verfügung gestellt, bei dem kein Platz für ein individuelles Layout war.
  • Der Shopbetreiber hat sich selber an Magento versucht und dabei nur das geändert, was dringend zu ändern war.
  • Es handelt sich um einen Nebenerwerb und nicht um ein etabliertes Geschäft, das über ein CI verfügt, das auch im Shop zu erkennen sein muss.

Diese Meinung wird auch durch die telefonischen Anfragen verstärkt, in denen oft nur gefragt wird “Was kostet ein Magento-Shop?” Wer auf diese Frage eine konkrete Zahl als Antwort erwartet, darf aber nicht auch noch Individualität haben wollen. Eine solche Preisaussage könnte sich höchstens auf eine Standard-Installation mit Standard-Layout beziehen, bei dem der Kunde vielleicht noch Farbe A gegen Farbe B austauschen lassen kann, mehr aber nicht.

Man stelle sich vor, es geht jemand in ein Autohaus und fragt “Was kostet ein Auto?”. Dann wird der Verkäufer sicher antworten “Es kommt drauf an. Unter x EUR gibt es keinen Neuwagen, und das obere Preissegment liegt im Bereich von y Euro.” Und dann müsste er fragen, was der Kunde denn mit dem Auto machen möchte, um ihn in die Nähe eines passenden Modells zu bringen, an Hand dessen die Preisfrage dann detaillierter erörtert werden kann.

Aber nun zurück zu Magento. Welche Elemente aus dem Standard findet man immer wieder in laufenden Shops:

Produktdarstellung mit orangefarbenen Buttons

Das ist natürlich kein Beinbruch, aber man muss berücksichtigen, dass orange eine ziemlich auffallende Farbe ist, die sich zudem mit einigen anderen Farben beißt. So erweist sich ein Shop, der trotz rosafarbenem Hintergrund bei den orangefarbenen Buttons bleibt, einen Bärendienst.

Randspaltenelemente aus Standard-Layout

Die Schiefertafel und den Hund vor dem Rechner kennen wir aus dem Standard. Wenn diese nun unverändert in einem neuen Shop erscheinen, kommen durchaus Zweifel auf, ob der Shop wirklich schon online sein soll oder man auf eine nicht versteckte Testumgebung geraten ist. Und selbst wenn die Texte in diesen Bildern an den aktuellen Shop angepasst wurden, zeugt das nicht von einem besonders großen Engagement.

Fonts, Farben und Gestaltungselemente wie im Demo-Store

Wie schon oben gesagt, muss das nicht in allen Fällen schlecht sein. Aber den Innovationspreis gewinnt man damit nicht. Als einzige Erklärung könnte noch dienen, dass es sich um einen Shop der ersten Stunde handelt, bei dem die Erfahrung mit Magento noch begrenzt war. Ansonsten riecht es eben leicht nach “mal eben schnell diesen kostenlosen Shop aufsetzen und noch viel schneller ganz viel Geld verdienen.”

Icons und Bilder aus dem Standard-Shop

Es spricht nicht wirklich für den Shopbetreiber, wenn er nicht von jedem Produkt ein Foto anbieten kann. Denn beim Online-Kauf sind Bilder besonders wichtig, um einen Eindruck vom Produkt zu bekommen. Wenn dann aber an Stelle des Bildes das Magento-Default-Bild erscheint, hat der Betreiber (oder sein Dienstleister) entweder vergessen, hier ein eigenes Default-Bild einzupflegen oder er hat die Stelle, an der das zu tun ist, nicht gefunden.
Das gleiche gilt für das Favicon. Es soll ja eigentlich auf einen Blick in die Bookmarks oder auf die offenen Tabs zeigen, welche Seite sich dahinter verbirgt. Aber wenn man überall nur das Magento-Favicon findet, wird es schwierig mit der Orientierung.

Link zum Magento-Bugtracking

Was soll man in einem “echten” Shop vom Hinweis und Link in der Fußzeile “Hilf uns, Magento funktionsfähig zu halten” halten? Soll der Benutzer Angst bekommen, dass der Shop sehr wahrscheinlich irgendwann den Dienst quittiert? Denn der “normale” Shop-Kunde wird wohl kaum eine Fehlermeldung an Varien senden… Hier gilt also vermutlich das gleiche wie für das Default-Produktbild.

Lange Ladezeiten

Ein Shop, der nach eine Klick lange braucht, bis die nächste Seite erscheint, bietet kein gesteigertes Einkaufsvergnügen. Wenn der Kunde alternative Einkaufsmöglichkeiten hat, wird er diese sehr wahrscheinlich auch nutzen. Denn die Möglichkeiten zur Performance-Optimierung sind längst kein Geheimnis mehr. Vielleicht wurde ja auch ein suboptimales Hosting-Paket gewählt. Jedenfalls wird sich mit einem derartigen Shop oder auch einem Shop, der beim Öffnen eine Fehlermeldungen anzeigt, wohl kaum viel Geld verdienen lassen.

Produktstruktur

Wenn ein Shop so viele Kategorien hat, dass die horizontale Navigation aus zwei Zeilen besteht, stimmt auch etwas nicht. Entweder hat der Betreiber keine sinnvolle Kategoriestruktur finden können, oder es ist ihm nicht gelungen, auf eine vertikale Navigation umzustellen.

Und wenn man auf den Produktübersichtsseiten feststellt, dass der Shopbetreiber das Prinzip der Configurable Products nicht verstanden und für jede Farbe ein eigenes Simple Product angelegt hat, hält sich das Einkaufsvergnügen stark in Grenzen.

Fazit

Den mal eben schnell und günstig gebauten Shop, der viel Geld bringt, gibt es nicht. Diese Feststellung erhärtet sich immer wieder – ob man will oder nicht. Wer dauerhaft mit einem Webshop erfolgreich sein möchte, muss das Ganze mit dem notwendigen Ernst betreiben und darf die Anfangsinvestitionen nicht scheuen.

 

Ein Kommentar zu “Magento Stores auf dem Prüfstand”

  1. Was kostet ein Onlineshop » Shop, Agentur, Magento, Dienstleister, Ihre, Shops » ShopTrainer schrieb:

    [...] dafür holen wir uns wieder einmal von den Magento Profis aus Rosenheim, der Firma Techdivison. Am 12.04.2010 haben Sie auf dem Firmen-Blog einen Artikel [...]

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