geschrieben von Marion Engel am 20. Oktober 2008 um 10:14 Uhr
Die meisten Vereine präsentieren sich heutzutage im Web. Die Bandbreite des Angebots ist naturgemäß groß. Frame-Seiten, Besucherzähler, blinkende Schriften und animierte Icons sind noch immer nicht komplett verschwunden. Aber es gibt auch sehr professionelle Seiten in ansprechendem Layout, und einige Webmaster zeigen sogar mit dem W3C-Logos, dass sie fehlerfrei programmiert haben. Auch auf Vereinsebene werden zum Teil schon Content Management Systeme verwendet. Allerdings muss einschränkend gesagt werden, dass ein CMS alleine noch keine perfekte Website macht.
Und um Layout und Technik soll es hier auch gar nicht gehen, sondern viel mehr um die Personen, die hinter einer Website stehen und die Regeln und Vorgehensweisen, nach denen sie in Bezug auf die Website handeln.
Aber wie handeln sie? Das ist nämlich schon die erste entscheidende Frage. Für uns Web-Insider ist selbstverständlich, dass eine Website aktuell sein soll und als Drehscheibe für die schnelle Verteilung von Nachrichten bestens geeignet ist. Aber diese Erkenntnis ist leider nicht überall verbreitet.
Und so gibt es Vereine, in denen der Webmaster allein auf weiter Flur steht. Nur was ihm zu Ohren kommt, nur was er sich einfallen lässt, nur was er fotografiert, erscheint im Web. Das ist natürlich suboptimal, denn auch ein Webmaster ist nicht bei allen Vereinstreffen und -veranstaltungen anwesend. Wichtige Informationen wie z.B. kurzfristige Terminänderungen müssten auf kurzem Weg vom Vorstand an den Webmaster weitergegeben werden, damit dieser sie als Multiplikator im Web zur Verfügung stellen kann.
Und auch Berichte und Fotos von Veranstaltungen dürften durchaus von mehreren Personen kommen. Schließlich stellt das Web doch den ganzen Verein dar, und jeder sollte sich zumindest ein Stück weit damit identifizieren und daran interessiert sein, dass sich sein Verein gut darstelle. Das gilt natürlich für kleinere Vereine noch viel mehr als für große Vereine.
Es gibt allerdings auch Vereine, in denen der Webmaster diese Einzelkämper-Rolle bewusst herbeiführt. Vorstandsmitglieder, die gerne selber Beiträge einstellen würden, erhalten nicht die Erlaubnis, weil die Bedienung des CMS (angeblich) zu schwierig sei. Die Leidtragenden sind in diesem Fall die Mitglieder, die nicht am Ort des Vereins wohnen und für die das Internet somit die einzige regelmäßige Informationsquelle ist. Und diese Mitglieder sind sich durchaus der Tatsache bewusst, dass das Internet ein Pull-Medium ist, d.h. dass sie sich die Informationen selber holen müssen. Sie schauen im Web, finden keine Information über die aktuelle Änderung des Programms, halten sich an das dort befindliche (überholte) Programm und sind dann natürlich enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass die Veranstaltung schon lange abgesagt worden ist. Entweder fragen sie beim nächsten Mal vorher in der Geschäftsstelle nach und erhöhen die Arbeitslast der dortigen Mitarbeiter. Oder sie bleiben gleich zu Hause, was der Veranstaltung auch nicht gut tut.
Und dann gibt es offenbar auch verwaiste Websites. An den Inhalten ist schon erkennbar, dass hier länger keine Pflege mehr stattgefunden hat. Wenn dann auf eine Anfrage an die auf der Kontakt-Seite angegebene Mailadresse keine Reaktion erfolgt, hat der Verein ein potenzielles Mitglied vergrault – und auch die Chance auf einen neuen Webmaster vertan.
Meine Empfehlungen
Jeder Verein, der grundsätzlich neue Mitglieder aufnimmt oder bei Veranstaltungen an die Öffentlichkeit tritt, sollte sich im Internet präsentieren. Das absolute Minimum ist die vollständige Angabe eines Vereinsvertreters mit Telefonnummer und Mailadresse in der Vereinsliste des jeweiligen Orts.
Besser ist allerdings ein eigenständiger Internet-Auftritt – auf den von der örtlichen Seite verlinkt wird. Dort kann das Angebot detaillierter dargestellt werden. Wer sich grundsätzlich für den Verein interessiert, kann dann viel besser entscheiden, ob dieser Verein genau das ist, was er sucht, welche Fragen eventuell noch zu klären sind oder warum der Verein für ihn nicht in Frage kommt. In ersterem Fall gewinnt der Verein schnell ein gutes neues Mitglied. Im zweiten Fall kann die Nachfrage gezielt erfolgen und zu einer klaren Entscheidung führen. Und im letzten Fall entsteht auf Seiten des Vereins kein Aufwand für Anfragen, die sowieso nicht zum Erfolg führen.
Vorstand und Webmaster sollten ein Team bilden, das sich gemeinsam für einen aktuelles und nutzbringenden Internet-Auftritt einsetzt. Auch Mitgliedern sollte es möglich sein, Beiträge zu leisten, wenn sie dazu in der Lage sind.
Im Grunde unterscheiden sich Vereins-Websites also gar nicht so sehr von Firmen-Websites. Die Ziele, Möglichkeiten und Anforderungen sind die gleichen. Nur bei den finanziellen Möglichkeiten gibt es meist Unterschiede, so dass positive Rückmeldungen und Erfolge mit dem Internet-Auftritt das Ehrenamt stützen müssen. Aber dafür kann sich ein Verein mit einer guten Website auch viel leichter von anderen Vereinen differenzieren.
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