geschrieben von Marion Engel am 26. September 2008 um 7:36 Uhr
Die Hoch-Zeit von Web-Verzeichnissen ist eigentlich vorbei, und wenn man Webseiten in Verzeichnisse eintragen will, dann sollte eindeutig Qualität vor Quantität gehen. Die Suchmaschinen geben den Links aus thematisch bunt gemischten Verzeichnissen wenig Bedeutung, und kein Mensch wird sich je durch die langen Listen mehr oder weniger hochwertiger Links wühlen.
Was ist aber mit Newsletter-Verzeichnissen? Da ein Newsletter ja in der Mailbox des Empfängers landet, kann man auf diesen ja gar nicht verlinken. Bedeutet das, dass Newsletter-Verzeichnisse hauptsächlich für Menschen gemacht sind, die sich dort Newsletter zu ihren Lieblingsthemen an Hand einer Beschreibung suchen und über einen Link zur Anmeldemaske gelangen? Ich habe die Probe auf’s Exempel gemacht und ein paar Newsletter-Verzeichnisse mal etwas näher angeschaut:
Die Site, die nach eigenen Angabe seit 2001 besteht und zu den 6.000 wichtigsten Web-Adressen zählt, enthält 2260 Einträge in 144 Kategorien. Es gibt ein Impressum und ein paar Tipps & Tricks zum Erstellen eines Newsletters. Das macht also erstmal einen recht professionellen Eindruck. Ich habe mich nun in der Kategorie “Internet & www – Webmaster” umgesehen und 30 der 45 Einträge geprüft. Das Ergebnis war ernüchternd: Auf nur 23 % (=7) der verlinkten Seiten kann man wirklich einen Newsletter abonnieren. 23% der Links sind defekt, und auf den restlichen 53% der Seiten (= 16) gibt es alles mögliche, aber keinen Newsletter. Eine weitere Prüfung in den Kategorien “Radsport”, “Forschung” und “Natur & Umwelt” ergab eine Trefferquote von 100%, d.h. alle Links führten auf Seiten mit der Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren. Allerdings gab es hier nur jeweils 2 oder 3 Einträge.
Sicher sind meine Untersuchungen nicht repräsentativ. Trotzdem traue ich mich zu sagen, dass es in einigen Fällen eher um den Backlink denn um die Bekanntmachung des Newsletters ging. Nicht alle Eintragenden waren so schlau oder fair, einen Deep-Link auf die Anmeldeseite zum Newsletter zu setzen. Oftmals befinden sich die Anmeldefelder zwar in einer Randspalte auf jeder Seite, aber gerade für die Suchmaschinen-Optimierung kann man durchaus auch eine separate Seite für den Newsletter erstellen. Und der Eintrag dieser Seite in die Newsletter-Verzeichnisse macht durchaus Sinn.
Dieses Verzeichnis gehört zu einer ganzen Gruppe an Websites zu den Themen Online-Marketing, PR und Newsletter. Und so können auch Newsletter-Tutorials und -Checks angeboten werden – gegen Mail-Adresse, versteht sich….
Auch hier begebe ich mich wie oben in die Kategorie “Internet & Kommunikation”. Auf den ersten Blick macht die Liste einen sehr professionellen Eindruck mit Screenshot, Kategorisierung und Beschreibung, Link zur Abo-Seite, Vorschau einer Ausgabe und Mail an Herausgeber:

Auf den zweiten Blick bestätigt sich aber die Erfahrung aus dem zuerst untersuchten Verzeichnis: 26,6 % (=8) einwandfreie Links, 33 % (=10) defekte Links und 40% (=12) Seiten, auf denen kein Newsletter abonniert werden kann. Die Vorschau auf eine Newsletterausgabe und die Screenshots erlauben aber die Schlussfolgerung, dass diese Anbieter vor etlichen Jahren (2002, 2004) tatsächlich mal Newsletter versendet haben. Entweder haben sie die Site aber inzwischen aufgegeben und die Domain zum Verkauf angeboten oder sind auf eine Blog mit RSS-Feed umgestiegen. Der Link im Verzeichnis wurde aber weder von ihnen noch vom Betreiber der Plattform entfernt.
In den anderen Kategorien ist das Bild ähnlich durchwachsen. Nur wenige Einträge verlinken tatsächlich auf eine separate Newsletter-Seite, während manche Site-Betreiber ihr Newsletterangebot ungeschickt hinter anderen Begriffen wie z.B. Infomail oder Alpinews verstecken.
Die Nummer 3 in der Google-Suche nach “Newsletter Verzeichnis” scheint schon ein wenig in die Jahre gekommen zu sein. Sind doch die Zugriffsstatistiken, die im Impressum angeboten werden, stammen von 2004 und 2005. 4117 sind eingetragen und können durchsucht werden. Wobei sich da allerdings die Frage stellt, worin tatsächlich gesucht wird, denn es werden ja wohl keine Newsletter-Archive gehalten.
Mein Standard-Test mit den 30 ersten Einträgen der Kategorie “Internet” widerlegt den ersten Eindruck mit der Zugriffsstatistik. 60 % (= 18) aller Links gehen tatsächlich auf eine Site oder Seite, auf der man einen Newsletter abonnieren kann. Bei 40% (=12) gibt es zwar keinen Newsletter, aber immerhin handelt es sich teilweise wenigstens um Seiten vertrauenswürdiger Anbieter wie z.B. Hochschulen. Und tote Links habe ich gar nicht gefunden.
Auch wenn die Plattform ein kleines Problem mit Umlauten hat, gefällt mir dieses Verzeichnis alles in allem am besten. Offensichtlich erfolgt tatsächlich eine redaktionelle Kontrolle der angemeldeten Seiten und ein aktueller Aufbau des Vorschaubilds und des Beschreibungstexts. Hier kann man also wirklich mal nach interessanten Sites und Newslettern stöbern.
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