admin, 28. Januar 2009 1 Kommentar RSS
Wir braven Mitarbeiter haben letztes Jahr brav unsere Lohnsteuerkarten beim Chef abgegeben und er hat sie – ebenso brav – an den Steuerberater geschickt. Dort sind sie aber entweder nicht angekommen oder verschütt gegangen. Wie auch immer, es müssen neue Lohnsteuerkarten her.
Welches Amt war da noch gleich zuständig und ist so nett, eine solche Karte jeden September in den Briefkasten zu legen? Ja gut, dafür gibt es ja die Internet-Seite der Stadt. Und – was sehe ich da – es ist sogar möglich, eine Ersatzsteuerkarte online zu bestellen. Das nenne ich ja mal Fortschritt!
Also gebe ich brav meine Daten ein und fülle auch das große Freitextfeld, in dem der Grund für den Antrag einer Ersatzkarte abgefragt wird, mit einem vollständigen Satz aus. Beim Versuch, auf die nächste Seite zu wechseln, bekomme ich eine Fehlermeldung. Der Text ist zu lang, darf nur 5 bis 50 Zeichen umfassen. Mein freundlicher Satz hatte 197 Zeichen…. Aber was kann man denn mit 5 Zeichen mitteilen? “Verlust”, ja das sind gerade mal 6 Zeichen. Aber welche Aussagekraft hat das? Logischerweise werde ich eine Ersatzsteuerkarte beantragen, weil ich die andere verloren habe. Ein anderer Grund fällt mir derzeit nicht ein. Denn eine zweite Lohnsteuerkarte für einen weiteren Arbeitgeber darf ja über diesen Weg nicht bestellt werden. Und umsonst ist der Spaß ja auch nicht, denn 5 Euro werden vom Konto abgebucht. Und so wird sich ja wohl keiner bloß so aus Langeweile eine neue Lohnsteuerkarte bestellen.
Benutzerfreundlich wäre es also auf jeden Fall gewesen, wenn die Längenbegrenzung des Feldes ersichtlich gewesen wäre, sei es durch einen erklärenden Text, sei es durch einen Automatismus, der nach dem 50. Zeichen kein weiteres Zeichen zugelassen hätte. Noch sinnvoller wäre es aus Anbietersicht, wenn er die möglichen Gründe mit Radio-Buttons dargestellt hätte. Denn wenn es dem Einwohnermeldeamt ausreicht, zu wissen, dass die Karte verloren gegangen ist, sollte es die Bürger auch mit nicht mehr als einem Klick in den richtigen Kreis “belasten”.
Aus diesem Beispiel lässt sich natürlich gleich wieder ein Rat für alle Online-Formulare machen: Überlegen Sie als Anbieter des Formulars, was Sie von Ihren Kunden wissen möchten und wie Sie die Daten auswerten wollen. Für Statistiken sollten standardisierte Werte vorgegeben werden. Und wer “Prosa” möchte, sollte den Benutzern ausreichend Platz geben und selber bereit sein, die Texte manuell auszuwerten.
Aber zurück zum Online-Formular. Auf der letzten Seite werden noch die Kontodaten für den Lastschrifteinzug der Gebühr abgefragt. Und dann ab die Post und warten, bis die Lohnsteuerkarte im Briefkasten liegt…. würde der optimistische Mensch meinen. Aber da hat er sich getäuscht. Denn am Schluß wird der komplette Antrag als pdf angeboten, aber nicht etwa nur für die eigenen Unterlagen. Die erste Seite muss ausgedruckt, unterschrieben und an das Amt geschickt werden. Und wenn das nicht innerhalb von 14 Tagen passiert, wird der Antrag gelöscht.
Naja gut, wer halt nicht an seinem Wohnort arbeitet und somit nicht beim Amt vorbeigehen kann, kann nur diesen Online- und Postweg wählen. Für alle anderen fragt sich, ob es nicht günstiger ist, einfach vorbeizugehen.
Und was sehe ich da gerade beim Kollegen, der in einer anderen Gemeinde wohnt? Gleiches Anliegen, aber andere Behandlung. Dort wird überhaupt nicht nach dem Grund gefragt. Und das Formular sieht auch ganz anders aus – und das bei Nachbarorten. Erfindet da tatsächlich jede Stadt bzw. Gemeinde das Rad neu? Gäbe es da nicht ein sinnvolles Sparpotenzial, wenn sich zumindest innerhalb eines Landkreises die Ämter bei gleichen Amtshandlungen auf eine gemeinsame Basis stützen könnten?
Oder wäre das ein zu großer Quantensprung, wo es doch zumindest eine gewisse Online-Möglichkeit gibt?
28. Januar 2009 um 20:07
tja so ist das halt in D, jeder macht sein eigenes Süppchen.
Wobei nicht nur die Verwaltungen betroffen sind, sondern auch örtliche Vereine, Einzelhänlder usw.
Terminvereinbarungen bei Ärzten in Großstädten, mit vorausschauenden Chefs, kann man online durchführen – in Kleinstädten geht es nur persönlich oder telefonisch und dann muss man Glück haben, denn es sit ansonsten ständig besetzt.