Offener Brief an die Sueddeutsche Zeitung

Josef Willkommer, 19. Januar 2010 3 Kommentare RSS

Die Medien schießen sich derzeit ja mal wieder auf Google ein. Da werden dann ganz weinerlich und hilflos so Dinge wie „Google bereichert sich durch Inhalte der Verlage“ etc. angeführt und weil man seit vielen Jahren kein Patentrezept gegen die Gute-Laune-Truppe aus Mountain View (die nichts böses will ;-) ) bzw. für die Monetarisierung der Inhalte findet, wird bei jeder Gelegenheit die große Keule bzw. die „Heulsuse“ ausgepack und immer feste „drauf gedroschen“. Mit so abenteuerlichen Ideen wie einer Google Steuer…..

Ich kann das Thema durchaus beurteilen, da ich das Ganze aus eigener – inzwischen zugegebener-maßen etwas „angestaubter“ Erfahrung kenne. Umso unverständlicher, dass sich in den letzten Jahren bei einem Großteil der Verlage nichts geändert hat. Da wird bei jeder Gelegenheit auf mögliche Konkurrenz losgegangen, anstatt einfach mal die eigenen Hausaufgaben zu machen.

Vor eineinhalb Jahren hatte ich an dieser Stelle bereits einmal einen Beitrag mit dem Titel „Warum die Sueddeutsche im Web nie grossen Erfolg haben wird“ gepostet. Damals ging es darum, dass sich der SZ-Chefredakteur beschwert hat, dass die Sueddeutsche bei Google gegenüber diversen anderen Zeitungen das nachsehen hat und forderte eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen beim SEO”. Weiter sollten “alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen, öffentlich gemacht werden”, da es sich hierbei um journalistische Wettbewerbsverzerrrung handelt.

So, und was lese ich heute in diversen Blogs. Unter Titeln wie „Wie sich die SZ „versehentlich“ Lobhudeleien einkaufte“ oder „Sueddeutsche zieht Blog-Werbung für iPhone App zurück“, dass sich die SZ über die Plattform Trigami, positive Blogbeiträge für ihre iPhone App gekauft hat. Ziel war lt. eigenen Aussagen einen Viral-Kampagne zu starten.

Trigami hat hier recht rasch reagiert und die komplette Veranwortung übernommen. Aufgrund von Missverständnissen im Vorfeld seien hier falsche Vorgaben an potentielle Blogger weitergegeben worden, d.h. die SZ wollte das so anscheinend gar nicht. Diese Geschichte kann jetzt jeder für sich selbst beurteilen, aufgrund diverser bisheriger Maßnahmen und Äußerungen (u.a. siehe oben) erscheint diese Story aber schon in einem sehr merkwürdigen Licht.

Also liebe SZ: Leider habt ihr hier in meinen Augen nach wie vor nichts verstanden. Anstatt vernünftige Inhalte mit Mehrwert anzubieten, von denen man selbst überzeugt ist, startet man – weil es ja schick ist und die Konkurrenz hier wieder mal einen Schritt voraus ist – ebenfalls mit einem mobilen Angebot. Man ist vom eigenen Angebot allerdings so „extrem überzeugt“, dass man hier etwas nachhelfen muss (sicher ist sicher). Oh Mann!!!!

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das andere Verlage möglicherweise ähnlich machen. Stimmt vielleicht! Sie machen es dann aber deutlich cleverer…..

Wie bereits vor gut eineinhalb Jahren kann ich das Urteil leider nur wiederholen: Setzen 6!!!


3 Kommentare zu “Offener Brief an die Sueddeutsche Zeitung”

  1. Frank Hübner schrieb:

    Nun, ganz ehrlich, mir ist egal was die SZ und andere Zeitungen, Zeitschriften und Verlage im Internet alle falsch machen. Diejenigen die so weitermachen wie bisher werden aussterben. Diejenigen die mit der Zeit gehen werden bleiben. In Österreich ist der Standard eines der besten Beispiele. Im Print haben Sie wesentlich weniger Relevanz als Online.

    Es ist egal ob die Google in die Knie gezwungen bekommen. Denn das Problem ist nicht Google. Eine Entwicklugn wie das Internet können Sie nicht aufhalten, ob mit oder ohne Google.

  2. MDatze schrieb:

    Das Problem ist nicht nur, das Verlage etwas falsch machen (das sicherlich), es geht bei der Diskussion auch darum, dass ein kleiner Teil an Personen Arbeit und Zeit (und Geld) investiert und guten sinnhaften Content zu erstellen und am Ende profitieren neben der Zielgruppe (Leser) nur Drittverwerter. Etwas zu publizieren muss sich wieder lohnen. Allerdings ist das sicherlich kein Problem von Google, sondern gehört als Wertevorstellung in die Köpfe der Nutzer.

  3. TechDivision schrieb:

    @MDatze: Deinem Kommentar kann ich voll und ganz zustimmen. Ich sehe bestimmte Entwicklungen und Ansätze von Google sicherlich auch recht kritisch, es ist aber mit Sicherheit auch so, dass das Hauptproblem hier nicht Google ist. Spontan fällt mir dann der Neidfaktor ein. Einem Autor (egal ob da ein Verlag dahinter steht) steht es ja prinzipiell frei, wie er seinen Content vermarktet bzw. monetarisiert. Da sind einfach Ideen gefragt….

Kommentar abgeben