admin, 17. Dezember 2009 2 Kommentare RSS
In der Stadtbibliothek hat mich kürzlich ein Buch zum Thema Online-Marketing angelacht. Und da man ja immer wieder und weiter lernen soll, habe ich es mal mitgenommen. Ich habe mir dann zu Hause gleich einen dicken Block hergerichtet, um alles aufzuschreiben, was neu und interessant ist. Wie voll ist der Block geworden?
Nun, traurig, aber wahr – nicht mal eine halbe Seite ist voll geworden. Das wäre nicht so schlimm, wenn man sagen könnte, dass sich das Buch an Anfänger ohne Vorkenntnisse richtet. Natürlich ist es für mich schwierig, das Buch mit den Augen dieser Zielgruppe zu lesen, aber ich glaube dennoch, dass sie nicht ausreichend, umfangreich und korrekt informiert werden. Es sind mir einige Merkwürdigkeiten aufgefallen, die sich aber im gesamten Online-Marketing-, SEO- und Web-Bereich hartnäckig halten.
Und deswegen will ich diese Punkte ein wenig diskutieren und von negativer Kritik an einem konkreten Buch absehen.
Das weite Feld des Online-Marketings
Für die Instrumente des Online-Marketings braucht man 1. einen großen Werkzeugkasten und 2. Wissen, Erfahrung und einen klugen Kopf, um in jeder Situation genau die passenden Werkzeuge auszuwählen. Und um hier Meister – oder zumindest mal Geselle – zu werden, reicht ein Buch sicher nicht aus. Es ist auch nicht möglich, allgemeingültige Vorgehensweisen in Tabellen festzuhalten, an denen sich die Anfänger dann entlanghangeln können.
Online-Marketing ist keine Insel
Es reicht für optimale Webseiten nicht aus, wenn man sich nur im Online-Marketing gut auskennt. Die Zahnräder des Online-Marketings müssen perfekt in die Rädchen der Nachbardisziplinen wie Webdesign, -entwicklung und Hosting greifen, damit sich ein harmonisches Ganzes ergibt. Jede dieser Disziplin ist ebenfalls wieder sehr vielfältig, so dass es eine Person kaum schaffen wird, auf allen Gebieten Meister zu sein. Und so gibt es in einer guten Internet-Agentur ein Netz aus Spezialisten, deren Wissen sich in den jeweiligen Randbereichen überlappt, so dass sie ihre Schnittstellen kennen und gemeinschaftlich ein gutes Ergebnis erzielen können.
Informationen als Schutz gegen schwarze Schafe der Branche
Ja, es gibt im Online-Marketing leider etliche schwarze Schafe, die ahnungslosen Kunden das Blaue vom Himmel versprechen, viel Geld kassieren und kaum brauchbare Ergebnisse liefern. Da kann es nichts schaden, wenn man sich selber ein wenig informiert und sich mit dem Wissen den geeigneten Dienstleister raussuchen kann.
Nur ist es dumm, wenn einen die Lektüre objektiv diesem Ziel nicht näher bringt.
Ohne Moos doch was los
Agenturen sind teuer. Kleine Unternehmen, z.B. Handwerksbetriebe, werden schwindlig, wenn ihnen Preise von mehreren tausend Euro genannt werden. Und so wie der Häuslebauer eine “Muskelhypothek” aufnimmt und selber Hand anlegt, um Geld zu sparen, wird gerne suggeriert, dass es kein Hexenwerk ist, selber eine Webseite zu bauen. Kostenlose Homepage-Baukästen und andere Tools, mit denen jeder ohne Programmierkenntnisse in wenigen Minuten zur eigenen Homepage kommt – alles ist möglich.
Ja, möglich ist grundsätzlich schon – aber die Preisunterschiede haben durchaus Auswirkung auf die Qualität. So wenig wie man ein Kleidungsstück vom Wühltisch des Billiganbieters mit der Maßanfertigung beim Schneider vergleichen kann, so sehr hinkt der Vergleich zwischen der Baukasten-Homepage und den Seiten vom Profi.
Ja, ein CMS wie TYPO3 ist als Open-Source-Anwendung grundsätzlich kostenlos. Und ja, man verwendet ein CMS, damit man ohne Programmierkenntnisse Text einpflegen kann.
Aber selbst wenn der Hoster vielleicht noch die Installation von TYPO3 übernimmt, heißt das noch lange nicht, dass man damit wunderbare Webseiten vor sich hat und nur noch seine Texte eingeben muss. Die Einrichtung einer Website mit TYPO3 muss gekonnt sein, damit das Layout so erscheint, wie man sich das vorstellt, und damit im Backend überhaupt eine vernünftige Pflege ohne Programmierkenntnisse möglich wird.
Aber so einfach ist es selbst dann nicht – denn nicht zu selten werden wir von unseren Kunden auch noch beauftragt, die Inhalte einzupflegen. Denn neben Texten gibt es ja auch noch Bilder, vielleicht mal Aufzählungen und Tabellen, die hier und da eine spezielle Behandlung benötigen.
Hosting – ein Buch mit 7 Siegeln?
Die fertigen Webseiten müssen irgendwo liegen, damit sie tatsächlich Bestandteil des weltweiten Webs werden. Das Angebot an Hostern ist riesengroß und ebenso die preisliche Spannbreite. Da kann es schon passieren, dass man als Anfänger ratlos ist und dann dazu neigt, sich am Preis zu orientieren. Vielleicht hat man auch den einen oder anderen Namen schon mal gehört, und was viele sagen, kann ja nicht so schlecht sein…. ist es aber leider manchmal doch. Denn in Kreisen mit wenig Erfahrung kursieren oft andere Namen als in Profikreisen.
Auch beim Hosting muss man die individuellen Gegebenheiten berücksichtigen und dementsprechend die passende Auswahl treffen. Wer beim Hosting oder beim Domainnamen spart, spart meist an der falschen Stelle. Einen schlechten Eindruck wieder auszubügeln, ist oft schwieriger, als sein Entstehen von Anfang an zu verhindern.
Zertifizierte Weiterbildung als Garantie?
Der Online-Branche gehört die Zukunft, und Wissen und Weiterbildung tun Not. Wer gescheit ist, nutzt diese Konstellationen und bietet entsprechende Kurse an, die mit Zertifikat abgeschlossen werden können.
Das kann durchaus nützlich sein, sollte allerdings nicht als das Non-Plus-Ultra angesehen werden. Ein Blick auf die Ausbildungsdetails kann nicht schaden, verbunden mit der kritischen Frage, ob die Ausbildungsinhalte eines Wochenendes mit denen eines Semesters an der Uni mithalten können. Und es gibt natürlich auch etliche Leute, die sich in einem Thema sehr gut auskennen, ohne das mit einem Dokument nachweisen zu können.
Fazit
Es ist und bleibt schwierig – leider. In vielen Gebieten können Laien zwar in ihrem Hobby gute Ergebnisse erreichen. Aber ein guter Profi wird immer besser sein – das muss auch so sein, weil er sich ja viel länger und intensiver mit der jeweiligen Materie beschäftigen kann. Und ein etwas überdurchschnittliches Talent ist sicher auch vorhanden, denn sonst hätte er ja nicht gerade das betreffende Gebiet als berufliches Umfeld ausgewählt.
Wer sich selbst informiert, bevor er einen Auftrag vergibt, macht es grundsätzlich richtig. Verwendet er dafür mehrere Quellen, hinterfragt er Aussagen kritisch und hat er ein offenes Auge für Widersprüche, wird er später eine gute Entscheidung treffen können.
17. Dezember 2009 um 18:05
Spannender Bericht – schön so etwas mit einer eigenen Geschichte zum umranden!
Die Bibliotheken geben leider oft nicht das her, was man sich erhofft – gut nachvollziehbar. In Hamburg gibt es sogar Fachgeschäfte, bei denen man sich Bücher zum Anlesen mitnehmen kann – ähnlich der Buchvorschau von Amazon. So erweitern wir unser Wissen – vor allem auch als Basis- und Grund für neue Themen. Der Rest wird hauptsächlich durch Blogs erweitert.
Zum Thema “auf allen Gebieten Meister sein” – es ist defakto so, keiner kann alles Wissen. Man muss sich wirklich nur ein Netz spinnen, über das man immer wieder neuste Informationen beziehen und ergänzen kann.
Übrigens gilt das Überschneiden vom Wissen Einzelner in den jeweiligen Randbereichen nicht nur im Online-Marketing – gerade auch bei Gründungen sollte sich das Wissen Einzelner nie zu stark überschneiden. Man ist doch auf der Suche nach Synergieeffekten – diese würden sich bei zu viel Überschneidungen minimieren und das Geschäft behindern.
Manchmal wundern wir uns selbst darüber, dass so wenig Onlineshop-Betreiber sich mit E-Commerce Partnern zusammenschliessen. Oft mit
einem stationären Handel gestartet und beim Shop dann eben nicht (mehr)auf Erfolgskurs. Dabei liegt das doch Nahe ein gemeinsames Geschäft zu betreiben. Der eine könnte verkaufen, der andere effektives Online-Marketing planen, aufbauen und vernetzen.
17. Dezember 2009 um 18:52
Danke für den super Artikel. Ich bin zur Zeit auch sehr viel am Lesen und lernen, weil ich mir vom Internetkuchen auch etwas abschneiden möchte. Ich möchte dies aber gut vorbereiten und sauge deshalb solche Artikel wie oben auf.
Das Wichtigste – was ich so als Quintessenz aus meinem bisherigen Studium ziehen konnte – ist wohl das Finden einer Nische. Möchte hier einen Tipp für alle hinterlassen, die auch noch in der Vorstufe sind. Auf http://www.hww-media.de/verlosung html kann man derzeit einen Leitfaden bzw. Crashkurs für das Finden einer Nische gewinnen.