geschrieben von Marion Engel am 18. November 2008 um 10:41 Uhr
Das Web ist groß, das Web ist weit, keine Frage. Und entsprechend groß ist auch die Zahl an Foren und Portalen, die dort zu finden sind. Schaut man sich in diesen Foren und Portalen genauer um, findet man jede Menge Einträge und somit viele Menschen, die irgendetwas suchen oder anbieten. Das ist natürlich auf den ersten Blick sehr erfreulich, wenn man selber etwas anbieten kann, was offenbar gesucht wird oder etwas sucht, das offenbar angeboten wird.
Die Ernüchterung folgt aber relativ bald, denn viele dieser Suchenden oder Anbieter entpuppen sich als “Karteileichen”. Die Nachrichten, die man ihnen geschickt hat, bleiben ungelesen oder unbeantwortet, auf weitergeführte Threads oder private Messages in Foren kommt keine Reaktion.
Da stellt sich natürlich die Frage, wie so etwas verhindert werden könnte. Ich habe da einige Ideen, wie die Betreiber der Portale und Foren ihre Angebote verbessern könnten. Ideal wäre es natürlich auch, wenn sich auch die Benutzer an gewisse Regeln halten würden, was sich allerdings nicht so leicht einfordern lässt.
Klare Positionierung des Angebots
Zu jedem Thema gibt es inzwischen eine Vielzahl an Foren und Portalen – ganz zu schweigen von der riesigen Menge an Webseiten und Blogs von Unternehmen und Privatpersonen. Und jedes Thema hat viele Unter-Gebiete, in denen sich ganz unterschiedliche Gruppen tummeln.
Nehmen wir als Beispiel das Thema Auto: Hier gibt es Interessenten an einem Gebrauchtwagenmarkt, Motorsportfans, Oldtimerfans, Leute, denen die Verkehrssicherheit am Herzen liegt, die Tipps für die Autoreparatur brauchen oder die sich mit dem Thema Auto und Umwelt beschäftigen. Und so macht es wenig Sinn, einfach ein Autoforum zu eröffnen, in dem sich alle tummeln können. Viel besser ist es, wenn sich die Web-Angebote ihre speziellen Nischen suchen, sich dort einrichten und enstprechend positionieren. D.h. jeder Besucher sollte sofort nach Betreten der Plattform erkennen, welche Zielgruppe dort angesprochen wird. Denn dann kann sich der Motorsportfan die Arbeit sparen, seine Eintrittskarten für ein Formel1-Rennen in einem Auto & Umwelt-Forum anzubieten.
Manche Portale versuchen, eine Kategorisierung der Angebote durch verschiedene Auswahloptionen zu erreichen. Allerdings schaffen sie hier teilweise eher ein starres Korsett, das den Benutzern weniger hilft als nutzt. Wenn ein Musikerportal z.B. eine Liste an Instrumenten vorsieht, in der jeder Musiker sein/e Instrument/e ankreuzen kann, ist das ja grundsätzlich eine gute Idee. Wenn in dieser Liste allerdings Instrumente fehlen und auch kein Freitextfeld vorhanden ist, und wenn es auch nicht möglich ist, eine ganze Instrumentengruppe (z.B. Blechblasinstrumente) auszuwählen, wird die Schnittmenge von Angebot und Nachfrage schon wieder kleiner.
Transparenz auf der Zeitachse
Wenn ich auf einen Beitrag antworte, der vor wenigen Tagen erstellt oder aktualisiert wurde, rechne ich mir eine höhere Chance auf eine Antwort aus als bei einem Beitrag, der offensichtlich schon mehrere Monate im Web steht. Möglicherweise hat der Verfasser in letzterem Fall bereits Erfolg gehabt oder inzwischen das Interesse verloren. Ein Datum wird aber in vielen Fällen gar nicht angezeigt. Ideal wären 3 Datumswerte: 1.) erstellt am 2.) vom Ersteller zuletzt geändert oder geöffnet am 3.) gültig bis. Natürlich kann es auch sein, dass jemand, dessen Angebot schon lange im Web steht, es so lange stehen lässt, weil er bisher noch keine Rückmeldung bekommen hat, eine solche aber dringend sucht. Verallgemeinern lässt sich nicht, aber Transparenz ist meist hilfreich.
In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage der Laufzeit, besonders bei kostenlosen Einträgen. Wenn ich beim Einstellen meines Angebots weiß, dass ich längerfristig suche oder anbiete, freue ich mich natürlich, wenn ich einen möglichst langen Zeitraum auswählen kann (z.B. 3 Monate). Vernünftiger wäre es allerdings, wenn die Zeiträume kürzer, gleichzeitig aber leicht verlängerbar wären. Wenn also jedes Angebot für einen Monat stehen bleibt, kurz vor Ablauf des Monats eine automatisierte Mail versendet wird, die auf das Ende der Frist hinweist und die Möglichkeit zur Verlängerung aufzeigt. Dann kann derjenige, der länger sichtbar bleiben will, zeigen, dass er noch Interesse hat, und “Karteileichen” werden eliminiert.
Manche Portale wollen zwar lieber Masse, aber ist nicht im Endeffekt Klasse das Entscheidende? Wenn ich 20 “Karteileichen” anschreibe und 1 negative Antwort bekomme, ist mir weniger geholfen, als wenn ich 3 echte Interessenten anschreiben, von denen mir 2 zusagen.
Und ein Einstellungsdatum hilft auch ungemein, wenn man einmal das ganze Angebot durchforstet hat und in der Folge nur noch wissen möchte, welche Beiträge seit diesem Termin neu hinzugekommen sind.
Komfortable Suchfunktionen
Gerade bei fehlender Ausrichtung auf eine Nische und Masse ist es wichtig, den Benutzern komfortable und zuverlässige Suchfunktionen anzubieten. Denn wer will sich schon wirklich durch 92 Seiten mit je 10 Einträgen durchlesen, um das Passende zu finden? Dass mir die blasmusikinteressierte Trompeterin in Hamburg genauso wenig nutzt wie die banderfahrene Saxophonistin aus Dachau, wenn ich Musikerinnen für meine Blaskapelle in München suche, ist klar. Dennoch gibt es nicht überall Such- und Filtermöglichkeiten, die das abbilden.
Ja, gut, es werden halt einfach Pinnwände im Web angeboten, wo jeder sein Anliegen aufhängen kann. Es kostet ja auch nicht, und helft’s nichts, schad’s auch nichts. Aber irgendwo wirft es dann doch ein leicht fades Licht auf den Anbieter, der hoffentlich sein Hauptgeschäft nicht so wenig motiviert betreibt wie die Betreuung seiner Pinnwand. Oder der übersieht, dass er von einer komfortablen Pinnwand, die den Besuchern einen Nutzen bringt, früher oder später auch selber profitieren könnte, denn gutes Angebot –> zufriedene Nutzer –> hoher Traffic –> Attraktivität für Werbung oder Affiliate-Programme –> Einnahmen.
Pflegemöglichkeiten
Wer einen Beitrag in ein Portal oder Forum einstellt, sollte die Möglichkeit haben, diesen jederzeit zu ändern. Denn möglicherweise haben sich ja Änderungen ergeben, die er bekanntgeben möchte, weil sie für die weiteren Reaktionen wichtig sind.
Und ein wichtiger Aspekt der Pflege ist auch die Aktualität und Relevanz. D.h. es muss möglich sein, ein Angebot zu löschen, wenn es nicht mehr relevant ist. Zwar kann man niemanden dazu zwingen, aber man kann es erleichtern oder erschweren. Manchmal ist es auch wirklich so, dass man sein Angebot löschen will, aber trotz intensiver Suche keine Möglichkeit dazu findet.
Klar, für jede zusätzliche Funktionalität in einem Portal fallen bei der Entwicklung Kosten an. Aber wer vorne nicht investiert, wird mit Sicherheit hinten keinen Gewinn erzielen können.
Mailbenachrichtigung
Wenn ich in verschiedenen Foren und Portalen aktiv bin, möchte ich sicher nicht ständig durch alle diese Sites ziehen, um zu schauen, ob es Reaktionen auf meine Themen gibt. Wenn ich darüber jeweils mit einer automatisierten Mail informiert werden, ist das ein sehr nützlicher Service. Dieser Service sollte natürlich bekanntgemacht werden. D.h. sowohl diejenigen, die sich eintragen, sollten klar informiert werden, dass sie entweder automatisch informiert werden oder diese Option wählen können. Und wenn ich auf einen Beitrag antworte, wäre es für mich natürlich auch interessant zu wissen, ob der Anbieter eine Mail erhält, oder ob ich beten muss, dass er sich mal wieder einloggt und meine Nachricht sieht.
Für dringende Fälle ist es natürlich hilfreich, wenn die Mailadresse des Anbieters gleich angegeben wird. Aber nicht jeder möchte seine Mailadresse imWeb preisgeben, was verständlich ist.
Funktionierende Technik
Wenn eine Suche vorhanden ist, muss sie auch funktionieren. Wenn ich in einem Musikportal nach Trompetern suche, erwarte ich ausschließlich Einträge, in denen zumindest das Wort “Trompete” vorkommt – wenn schon nicht in der Liste der angekreuzten Instrumente, dann doch wenigstens im Freitext. Wenn mir aber auf diese Suche vom Klarinettisten bis zur Violinistin alles angeboten wird, kommen doch arge Zweifel. Und wenn ich mir bei der ersten Durchsicht Postleitzahlen von Musikern notiere, die ich mir später nochmal ansehen möchte, diese aber durch die Suche nach genau dieser PLZ im PLZ-Suchfeld nicht mehr finde, dann????
Und die Funktionalitäten sollten zumindest in den gängigen Browsern funktionieren. Ich habe in einem Forum kürzlich verzweifelt versucht, Zugang zu meinen privaten Nachrichten zu bekommen. Egal wo ich hingeklickt habe, ich bin einfach immer wieder auf der Einstiegsseite gelandet. Des Rätsels Lösung? Der private Bereich funktioniert nur im Internet Explorer, nicht aber im Firefox
((((.
Die Liste lässt sich beliebig verlängern: Captcha-Bilder, die nicht angezeigt werden und somit den Eintrag ins Gästebuch verhindern, Kleinanzeigen, die sich nicht öffnen lassen und heillos zugespammte Gästebücher….
Was lernen wir daraus?
Es gibt viel zu verbessern! Vielleicht nehmen sich einzelne, bereits bestehende Websites dieser Aufgabe an und heben sich damit aus der Masse heraus. Es bietet sich allerdings auch immer noch die Chance für neue Anbieter, wenn sie aus den Nachteilen der bestehenden Angebote lernen und selber ein optimiertes Angebot zur Verfügung stellen. Auch für Meta-Portale gibt es sicher noch ausreichend Spielraum und Geschäftsmöglichkeiten.
Bis das soweit ist, kann ich nur beten, dass meine private Messages doch noch beantwortet werden und ich nur zu ungeduldig bin …. schließlich ist ja morgen Buß- und Bettag
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19. November 2008 um 10:49
Ich glaube hier wird Portal /Forum mit Kleinanzeigen verwechselt.
Eigenständiges löschen von Beiträgen in Foren finde ich eher schädlich.
In den meisten Foren werden Fragen gestellt: wie man etwas macht und wo man etwas findet und das hat meist auch noch Jahre später Bestand.
Blechbläser in München gesucht würde ich eher unter Kleinanzeigen einordnen. Kleinanzeigen können in Foren durchaus eine Berechtigung haben, aber machen noch lange kein Forum aus. Das diese selbstverständlich nach einer Zeit nicht mehr aktuell sind versteht sich von selbst.
private Messages finde ich als Angebot in einem Forum gut, sollten für Fragen die evt. auch der Allgemeinheit nutzten können, unterbunden werden. In meinem Forum können Mitglieder erst nach 5 Forenbeiträgen dieses System nutzten. Damit wird auch verhindert das engagierte Mitglieder nicht ständig per pm genervt werden.
Wird von Anfang an auf die richtige Forensoftware gesetzt, ist alles nur noch eine Einstellungssache. Und dann klappt es auch mit dem Forum.
Gruss Michael
19. November 2008 um 11:35
Das mit der Begrifflichkeit ist immer so eine Sache. Generell verstehe ich unter Forum einfach einen Treffpunkt von Menschen mit gleichen Interessen. Im Web könnte man auch von Börse sprechen, z.B. Jobbörse.
Was die Web-Foren angeht, hast du sicher Recht mit dem jahrelangen Bestand. Denn Forenbeiträge sind ja vor allem auch dann nützlich, wenn man sie über die Suchmaschinen findet. Da kommt es aber auch immer auf das Thema an. Manche Themen sind einfach nur kurz aktuell, manche länger.
19. November 2008 um 16:30
Noch ein Nachtrag: Ich habe gerade in einem Forum gesehen, dass Threads als “gelöst” markiert werden können. Die Inhalte bleiben damit erhalten, aber die Forenbesucher sehen, dass sie hier keine Beiträge mehr liefern müssen. Das ist eine ideale Lösung.
25. November 2008 um 2:19
Hallo!
Als Forumbetreiber hat mich die Überschrift des themas sehr angesprochen, allerdings bin ich beim weiteren Lesen sehr schnell ebenfalls zu Michaels Meinung gekommen.
Das Wort Forum in engerem Sinne ist meines Erachtens wirklich ein Diskussionsforum auf z.B. vBulletin-Basis. Ansonsten ist das Wort Portal sicherlich eher gebräuchlich.
Die “gelöst”-Funktion benutze ich auch nicht, ich halte gerne die Themen über Jahre hinweg offen. Mit dem einfachen Hintergrund, dass diese für jemand anderen noch einmal relevant werden und evt. noch Bedarf besteht.
Wird dieses Thema nicht mehr frequentiert, verschwindet es ganz “natürlich” in den Archiven des Forums, bis es eines Tages wieder gebracht wird. Ich empfände es auch als ärgerlich, wenn ein User ein neues erstellen müßte, weil er im alten nicht mehr schreiben darf.