geschrieben von Marion Engel am 3. Februar 2009 um 8:38 Uhr
Seit 30. Oktober 2008 bietet die Freiburger OXID eSales AG Ihren Online-Shop auch als Open Source-Variante an. Mit dem nun verfügbaren Modul, das Daten aus einem Magento-Shop in einen OXID-Shop importieren kann, wird in den Medien gleich eine Kampfansage heraufbeschworen. Das ist OXID eSales selber gar nicht Recht, und so wird im eigenen Blog betont, dass es um Code geht, nicht um Krieg.
Nun gut, Krieg ist sicher der falsche Weg, keine Frage. Aber trotzdem lässt sich nicht verleugnen, dass aus diesem Modul eine gewisse Botschaft hervorgeht. Magento ist seit 10 Monaten verfügbar. Wer also heute Daten aus seinem Magento-Shop in einen OXID eSales-Shop übernehmen will, der muss nach einem eher kurzen Versuch so unzufrieden sein, dass er den Umstieg auf ein neues Shopsystem als einzige Rettung ansieht. Da stellt sich dann natürlich die Frage, wie ernsthaft der Versuch mit Magento war, um zu so einem vernichtenden Urteil zu kommen, und ob der Wechsel des Systems wirklich die erhoffte Verbesserung bringen würde. Denn wenn eine Enttäuschung durch falsche Erwartungen hervorgerufen wurde, kann nur eine Korrektur der Erwartungen zur Heilung führen.
Etwas anderes wäre also eine Importfunktion aus einem älteren Shopsystem. Denn dort könnte man sagen, dass der Import in Folge eines kompletten Relaunchs des Shops erforderlich wird.
Angeregt durch diese Diskussion habe ich mich mal bei OXID umgeschaut, um mir einen ersten Eindruck über das Shop-System zu verschaffen.
OXID eSales hat eine lange Liste an Referenzshops. Die Bandbreite reicht von Shops bekannter Marken und Anbieter bis zu kleineren Shops für Nischenprodukte. Es fällt auf, dass das Layout bei den meisten Shops ähnlich ist: 3 Spalten, Navigation oben und/oder links, in der Mitte die Produktlisten und rechts die üblichen “Helferlein” der Online-Shops. Dass dies allerdings kein Muss ist, zeigt ein Shop, der ein komplett individuelles Layout aufweist.
Was mir bei den OXID-Shops fehlt, ist die Layered Navigation von Magento. Denn so richtig kundenfreundlich ist es nicht, wenn man sich beispielsweise durch 109 Kinderknöpfe durchklicken muss. Denn in der Kurzwarenabteilung sind die Knöpfe ja auch zumindest nach Farben, teilweise auch nach Größe sortiert.
Dafür zeigt OXID bei Configurable Products bereits in der Produktübersicht die verschiedenen Ausprägungen in einem Listenfeld. Und auf der Produktdetailseite werden alle Varianten in einer eigenen Zeile dargestellt. Per Klick wird dann die Detailansicht für die jeweilige Variante dargestellt. Ob es sich bei dieser Funktion allerdings um eine Standardfunktion handelt, oder ob sie eigens für den Shop, in dem ich sie gefunden habe, gebaut wurde, kann ich leider nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist es eine sehr kundenfreundliche Sache.
Im Back-End von OXID eSales erfolgt die Pflege der Produktdaten im einem WYSIWYG-Editor. Dies ist ebenfalls eine sehr nützliche Sache, die sich bei Magento allerdings nachträglich einrichten lässt.
Grundsätzlich ist es natürlich schwierig, aus den Referenzshops allgemeingültige Aussagen abzuleiten. Warum in einem Fall die Meta-Tags “Description” und “Keywort” gleich und nicht wirklich sinnvoll waren, spricht zwar nicht für einen sinnvollen Automatismus, kann aber auch andere Gründe haben.
Betrachtet man die HTML-Fehler ausgewählter Shop-Seiten, so hat Magento hier die Nase vorn. Hier gibt es etliche fehlerfreie Seiten, was mir bei den Stichproben in den OXID-Referenzen nicht untergekommen ist.
Ein Vorteil von OXID eSales ist, dass Deutsch gesprochen wird. So sind die Webseiten und die Doku überwiegend in Deutsch. Es gibt allerdings auch englische Texte, z.B. im Forum, und Mischungen aus deutsch und englisch.
Bei den Partnern sind etliche Parallelen zwischen Magento und OXID nicht von der Hand zu weisen. Beide bieten unterschiedliche Stufen für Partnerschaften an, die verschiedene Leistungen und Gegenleistungen bieten und erfordern.
Insgesamt ist es allerdings nicht so einfach, die Angebotspalette von OXID eSales zu durchschauen. Denn neben der Open Source-Version gibt es etliche kostenpflichtige Varianten, die z.B. EUR 1.990.- oder sogar EUR 12.990.- kosten.
Genau schauen und vergleichen ist also angesagt. Und wenn man sich vorher seine Anforderungen im Detail aufgeschrieben hat, wird der Vergleich sicher um einiges leichter.
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3. Februar 2009 um 9:23
kurz zwei Kommentare dazu:
Weitere Importer sind bereits in Arbeit und kommen bald. Z.B. zu OS und XT gibt es allerdings auch bereits Tools aus der Community.
Wir bieten die Community Edition im dual-licensing an. D.h. sie ist komplett identisch zur Professional Edition die für 1.990 EUR vertrieben wird, aber unter der GPLv3 lizensiert.
Grüße
Roland
17. Februar 2009 um 19:29
Eine Frage, die auch mich beschäftigt
– ich kenne beide Shopsysteme von je einer Shop-Implemenatation (Oxid PE3 und Magento 1.1.6).
Ich denke inzwischen so: Magento punktet bei der Skalierbarkeit und dem OpenSource-Modell gerade für große Shops (vergleichbar mit der Oxid EE für 13.000.- Euro). Außerdem wie von Euch angesprochen mit der Layered Navigation. Und der netten Community. Die ist bei Oxid aber auch vorhanden.
Oxid punktet mit der “nativen” Abstammung aus dem deutschen Markt, mit der einfacheren Templating-Engine (Smarty), und mit den verfügbaren deutschen Erweiterungen für viele Shopaufgabenstellungen.
Für meine Kunden mit kleinen bis mittleren Projekten ist die neue Oxid Community Edition ein gutes Angebot. Auch für mich als eher nicht-Hardcore-Programmierer
. Der Shopbetreiber darf aber nicht übersehen, dass in beiden Fällen trotz OpenSource Supportverträge, Drittkosten (Module oder Programmierung) und Wartungsaufwand anfallen.
Schöne Grüße, Heinz-Günter
18. Februar 2009 um 9:30
@Heinz-Günter: Der letzten Satz spricht uns aus der Seele, denn genau dieser Irrtum ist sehr weit verbreitet und lässt sich wohl auch nur sehr schwer ausrotten – wenn überhaupt.
25. Februar 2009 um 1:00
möchte gerade auf oxid, magento oder veyton umsteigen. meine überlegung bezüglich oxid. teurer in der anschaffung, aber für einen laien auch ohen programmierkenntnisse zu bedienen. dies ist bei magento (meine erfahrung) nicht der fall. oder?
viele grüße
marcel
25. Februar 2009 um 12:15
Die Anschaffungskosten, auch wenn diese ca. 2000 EUR betragen, sind nur ein kleiner Teil der Gesamtkosten.
- Erstellung eines Anforderungskatalogs (welche Funktionen vorhanden, welche benötigt, welche Daten mirgriert werden sollen, etc.)
- Hosting Einrichtung
- Shopkonfiguration
- Erstellung bzw. Anpassung des Design
- Umsetzung der Design Anpassungen
- evtl. Entwicklung benötigter Zusatzfunktionen
- Tests
- Datenmigration
- …
sind nur einige der notwendigen Schritte bei einer Migration. Eine einzelne Person, auch wenn es sich bei dieser Person um einen erfahrenen Programmierer handelt, kann und soll all diese Tätigkeiten nicht alleine durchführen.
27. Februar 2009 um 9:34
@Marcel: Als Laie ohne Programmierkenntnisse würde ich mich nicht alleine daran wagen, einen Shop aufzusetzen, gleich mit welcher Software. Denn abgesehen von der Technik sollten auch einige andere Dinge beachtet werden, für die nun mal vorrangig Spezialisten ein Auge haben. Denn schließlich soll der Shop ja nicht nur im Web stehen, sondern auch Umsätze erzielen.
Wir haben kürzlich z.B. einen Bekleidungs-Shop gefunden, bei dem die Auswahl der Größe nicht möglich war, was natürlich den Kauf verhindert hat. Und in einem anderen Shop rutschte die Navigation hinter die Animation, so dass bestimmte Kategorien nicht erreichbar waren.
20. Juli 2009 um 13:52
Als “Laie” sollte man einen “Erfahrenden” mit der Shopeinrichtung und Konfiguration beauftragen. Ich fliege ja auch keinen Hubschrauber nur weil ich ihn “kostenlos” (open-source) bekomme
20. Juli 2009 um 19:11
@SveN: Besser hätte man es kaum formulieren können. Den Vergleich werde ich mir in jedem Fall merken, sehr cool….
24. September 2009 um 17:34
[...] Februar gab es noch helle Aufregung um das Magento-Importmodul von OXID eSales. Und was ist seitdem passiert? Vergleichen wir die beiden Shopsysteme und die dahinter stehenden [...]