Qualitätssiegel und Zertifikate für SEO-Dienstleister

admin, 26. Juni 2009 4 Kommentare RSS

Es passiert immer mal wieder, dass bei uns Anrufe von Webseiten-Besitzern eingehen, die mit der Auffindbarkeit ihrer Seiten in den Suchmaschinen unzufrieden sind. Sie erzählen dann, dass sie sich das gar nicht erklären können, wo ihr SEO-Dienstleister doch die Seiten bei allen Suchmaschinen angemeldet hat – und sie dafür ja auch zahlen würden.

“Einträge bei Suchmaschinen bezahlt? Dann haben Sie auch Google-Anzeigen geschaltet?”, so meine Rückfrage. Denn der Eintrag einer Website bei Google und DMOZ ist ja kostenlos, und alle anderen Einträge kann man sich schenken. Es tut mir ja immer leid, wenn ich solche Anrufer mit der harten Realität konfrontieren muss und sie dann langsam zur Erkenntnis gelangen, dass sie nicht den idealen Dienstleister ausgewählt haben. Logischerweise kann man von einem Kleinunternehmer nicht verlangen, dass er sich tief in die SEO-Thematik einarbeitet, bevor er einen Auftrag vergibt.
Was man allerdings erwarten sollte, wäre eine klare vertragliche Abmachung, welche Leistungen erbracht werden müssen.

Bei einem Anrufer haben schon wenige Blicke auf die Seiten und den Code genügt, um festzustellen, dass hier ein kompletter Relaunch nötig wäre, um eine Suchmaschinenoptimierung für die Seiten durchzuführen. Das Bittere für den Webseitenbesitzer: Die Seiten waren gerade neu gemacht, erschienen auch kurzzeitig bei Google vorne, um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Riecht zunächst nach Sandbox, verheißt aber auch für später nicht viel Gutes.

“Was war denn bezüglich Suchmaschinenoptimierung mit dem Dienstleister vereinbart?”, frage ich dann gerne weiter. Darauf gibt es aber meist auch keine befriedigende Antwort – wie auch?

Was also tun, um einen seriösen SEO-Dienstleister zu finden? Da gibt es doch was, was immer hilft, ob bei Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen oder Dienstleistern: Qualitätssiegel!

Aber leider ist das alles auch nicht so einfach, wie es scheint. Denn die Flut der Qualitätssiegel ist unüberschaubar, so dass es sehr schwer ist, zu erkennen, was jedes einzelne Siegel wirklich taugt – oder ob es einen Titel, mit dem sich jemand schmückt, überhaupt gibt.

So bietet Google vier unterschiedliche Siegel an, mit denen sich Dienstleister im AdWords-Bereich schmücken können. SEOmoz hat die Kriterien zur Erlangung der Siegel untersucht und herausgefunden, dass es durchaus Trittbrettfahrer gibt, die sich mit Google-Titeln schmücken, die es gar nicht gibt. Aber auch die echten Google-Zertifikate sind durchaus mit Vorsicht zu genießen. Eine Messgröße für ihre Verleihung ist nämlich der Umsatz, der mit Google AdWords gemacht wurde. Der Umsatz alleine sagt aber sehr wenig über den Erfolg der Kampagnen aus.

Ja, es gibt auch eine Prüfung. Aber die stellt keine große Herausforderung dar und kann auch beliebig oft wiederholt werden.
Zwei der Zertifikate scheiden für SEOs außerhalb der USA schon von vornherein aus. Erfordern sie doch die Teilnahme an Google-Veranstaltungen in Kalifornien – auf eigene Rechnung versteht sich.

Ein Schelm, der dabei daran denkt, dass sich Google hier eine zusätzliche Einnahmequelle geschaffen hat, oder?

Es gibt aber auch in Deutschland Zertifikate für SEO und SEM. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft ist hierfür verantwortlich, und es soll auch vorkommen, dass dieses Zertifikat in Ausschreibungen für Web-Projekte verlangt wird. Leider ist es momentan nicht möglich, sich näher über das Zertifikat zu informieren, denn alle Links auf Detailseiten enden wie folgt:

BDVW-Zertifikat

Das scheint mir ein Real-URL-Problem in TYPO3 zu sein, denn etliche weitere Links mit sprechenden URLs sind ebenfalls kaputt. Und so richtig suchmaschinenoptimiert sind die Seiten auch nicht, zumal der Nr. 1-Treffer bei Google für “SEO Zertifikat” auf einer Fehlerseite mit Umlautproblemen endet. Tja, was soll man dazu sagen? Bestenfalls “Shit happens”, falls es sich um ein vorübergehendes Phänomen handeln sollte.
Die diversen Blogger lassen jedenfalls kein gutes Haar an dem Zertifikat. So wie es aussieht, spielt auch hier Geld eine große Rolle – nicht nur hinsichtlich der Kosten für das Zertifikat, sondern auch hinsichtlich der Umsätze mit SEO-Projekten.

Was bleibt nun für Webseiten-Betreiber, die einen seriösen Dienstleister suchen? Leider nicht viel. Um einen guten Dienstleister zu finden, sollten sie sich eher nicht blind auf Zertifikate oder Angaben wie “Certified Irgendwas “verlassen. Man sollte diese Informationen kritisch hinterfragen und sich schon ein wenig Mühe machen, verschiedene Anbieter zu vergleichen, Referenzen anzusehen und zu bewerten und sich an Hand der Webseiten und eines persönlichen Gesprächs einen Eindruck vom Anbieter zu machen. Und es schadet absolut nicht, dabei sehr kritisch zu sein.

Natürlich darf man nicht verallgemeinern. Aber eines ist klar: Das “Handwerk” des Web-Designs und der Suchmaschinen-Optimierung lässt sich nicht in Eintagesseminaren vermitteln. Und was wenig kostet, ist zumindest stark standardisiert und automatisiert. Individuelle Handarbeit hat ganz einfach ihren Preis – ganz gleich, in welcher Branche.


4 Kommentare zu “Qualitätssiegel und Zertifikate für SEO-Dienstleister”

  1. SEO Scene schrieb:

    Ja, die Situation ist knifflig für Kunden. Allerdings ist es im alltäglichen Leben oft so. Wenn ich zu einem Friseur gehe, weiß ich erst hinterher, was er taugt (und selbst wenn es diesmal gut ist, kann beim nächsten Mal ein Lehrmädchen wieder alles verhunzen). Auch bei meinem KFZ-Mechaniker muss ich mich einfach auf ihn verlassen. Klar, am besten sind immer noch Empfehlungen.
    Artikel zu Thema “Wie finde ich eine seriöse SEO-Agentur” gibt es u.a. bei SISTRIX. Und ist natürlich auch immer mal Thema bei SEO Scene :)

  2. Ingo schrieb:

    Danke für den Tip. Hoffe, dass die Links bald funktionieren. IMHO ist es für den Kunden wichtig, wenn sich der SEO entsprechend qualifiziert ausweisen kann. Dass schafft Vertrauen und Sicherheit.

  3. Agentur Schade schrieb:

    Hi! Das sehe ich ebenso, dass hier Siegel und Zertifikate aus dem Boden gestampft werden, welche in Puncto Qualität wenig aussagekräftig sind. Wenn erstmal eine kritische Masse auf diesen Zug aufspringt, werden solche Siegel leider vielzuoft zum Selbstläufer. Für kleinere Unternehmen wird damit eine hohe Einstiegsbarriere gesetzt. (z.B. Siegelkosten, Umsatzzahlen, Seminare in Kalifornien etc.) Die Lobby der Größeren gestärkt.

  4. werk26 schrieb:

    Das Problem mit der Auswahl der richtigen Agentur beginnt doch bereits bei der Webseitenerstellung. Zwar hat sich die Qualität der Webdesigner mittlerweilen gebessert – es gab ja Zeiten, gerade während des Hypes, in denen sich jeder der Frontpage öffnen konnte qualifizierter Webdesigner schimpfte- doch gibt es in dem Bereich der Qualifizierung und Zertifizierung noch erheblichen Nachholbedarf.

    Ich würde mir wünschen, dass jemand der eine Werbeagentur oder Seo-Marketing betreibt, ähnlich wie im Bereich KFZ ein Ausbildung vorweisen muss in diesem Bereich (Meister, Studium, etc).

    Daher finde ich eine Dachorganisation wie oben beschrieben eigentlich sinnvoll – aber wie Marion schon beschrieben hat ist, ist es einfach nur peinlich, dass die Mehrzahl der Links ins Nirvana führen.

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