geschrieben von Marion Engel am 27. Oktober 2009 um 11:14 Uhr
Wenn man von Suchmaschinenoptimierung spricht, betrachtet man dies meist aus Sicht eines Seitenbetreibers, der für seine jeweiligen Schlüsselwörter in den Suchergebnisen möglichst weit oben erscheinen möchte – natürlich immer vor dem Mitbewerb. Seltener wird das Anliegen der Suchmaschinen, gute Ergebnisse zu liefern, berücksichtigt. Und was will eigentlich der Suchende? Das möchte ich hier an Hand eines praktischen Beispiels diskutieren.
Klar, der Suchende möchte ein gutes Ergebnis, er möchte das finden, was er sucht. Aber ist ihm bewusst, dass er dabei ganz stark von der Suchmaschinenoptimierung der Shopbetreiber abhängig ist?
Hier mein kürzlich erlebtes Fallbeispiel: Ich war auf der Suche nach einer C-Trompete. Für Nicht-Insider sei gesagt, dass in Blasorchestern B-Trompeten gespielt werden, dass meist implizit eine B-Trompete gemeint ist, wenn man von einer Trompete spricht und dass das Angebot hier sehr groß ist. Wer allerdings in einem Posaunenchor in der evangelischen Kirche mitspielen möchte und aus der Blasmusik kommt, der wird sich nach einer C-Trompete umsehen, aber feststellen, dass das Angebot begrenzt ist.
Eigentlich sollte der Fall einfach sein: C-Trompete als Suchbegriff eingeben und ab die Post. Das Ergebnis ist aber wenig erquicklich. Denn selbst der große Google hat zuweilen die Tendenz, mir Ergebnisse anzubieten, in denen an einer Stelle Trompete und an anderer Stelle ein ‘C’ vorkommt. Und so lande ich dann auch immer wieder in den Preissuchmaschinen, die mir einerseits B-Trompeten ohne Ende anbieten und andererseits überwiegend nur die Händler in der Liste haben, die so groß sind, dass man sie sowieso schon kennt und schon direkt angesteuert hat. Eine Verbesserung der Suchergebnisse kann man erzielen, wenn man den Suchbegriff in Anführungszeichen setzt.
Auch ein zweiter Versuch mit dem Suchbegriff “Trompete in C” bringt keine große Verbesserung des Suchergebnisses. Natürlich habe ich inzwischen zumindest in 2 Shops C-Trompeten gefunden und kann mit den Namen der dort angebotenen Hersteller und Modelle weiter suchen. Vielleicht findet sich ja darüber noch ein weiterer Händler. Die Händlerliste auf der Herstellerseite bietet auch noch ein paar Surftipps, die mich aber auch nicht restlos zufrieden stellen können.
Ich habe zwar schon ein gutes Angebot gefunden, bin aber immer noch nicht ganz zufrieden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es da draußen in der Welt noch ein bessere Angebot geben muss.
Also steuere ich nochmal verschiedene Musikhäuser an. bzw. deren Online-Shops direkt an. Dabei zeigt sich auch eine weitere Ursache der schweren Auffindbarkeit: Es fehlt eine saubere Kategorisierung der Instrumente nach ihrer Stimmung. Zum Teil findet man nämlich nicht mal in der Beschreibung den klaren Hinweis, ob es sich um eine B-, C- oder was auch immer-Trompete handelt. Idealerweise würde die Produktbezeichnung C-Trompete <Marke> <Modell> lauten. Mit diesen Begriffen in Seitentitel, URL und Meta-Tag Description wäre für die Suchenden schon sehr viel gewonnen – und natürlich auch für die Anbieter, denn ich bin ja wirklich kaufbereit.
In einem Online-Shop finde ich dann beim direkten Besuch tatsächlich noch eine C-Trompete, die mir gefallen könnte. Den Shop kenne ich aber nur per Zufall von einer anderen Bestellung. Dass die Produktdetailseite in den Suchmaschinen nicht zu finden war, liegt schlicht und einfach daran, dass “Trompete C” auf der Seite nur ein Mal ganz klein vorkommt und weder in Seitentitel, URL oder Produktname enthalten ist.
Und die Moral von der Geschicht? Eigentlich immer wieder die gleiche: Es lohnt sich, mal in die Schuhe des anderen zu steigen. Die Shopbetreiber sollten sich also immer fragen, wonach ihre (potenziellen) Kunden suchen. Bei Markenartikeln sind natürlich Markenname und Produktbezeichnung wichtig. Man sollte aber auch generische Begriffe nicht außer Acht lassen und versuchen, diese sinnvoll einzugrenzen.
Dass man für den generischen Suchbegriff “Trompete” sehr viele Ergebnisse mit einer großen Streubreite (Instrument, Noten, Musiker usw.) erhält, ist klar. Aber mit der Eingrenzung auf B- oder C-Trompete wird die Sache schon klarer. Und da die Suche mit mehreren Begriffen immer populärer wird, sollte man das auch bei der Suchmaschinenoptimierung berücksichtigen. Es reicht nicht, wenn die Kategorie im Shop “Noten” heißt, dieser Begriff dann aber in den suchmaschinenrelevanten Texten der Seite nie mehr auftaucht. Denn wenn ich wirklich Noten für Trompete in C suche, werde ich meine Suche auch so formulieren.
Für die Suchenden gilt also nicht nur der Tipp, die Suchbegriffe wohl zu überlegen, sondern auch, nicht nur auf den ersten drei Suchergebnis-Seiten zu schauen, sondern auch mal etwas weiter zu blättern. Das kann sich gerade bei Nischenprodukten schon lohnen.
Mögen sich Angebot und Nachfrage also noch besser und schneller über die Suchmaschinen finden!
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