Tourismusverbände im Web

admin, 29. Mai 2008 4 Kommentare RSS

Bevor einer eine Reise tut, kann er im Web schon einiges erleben – wenn er nämlich dort seinen Urlaubsort finden möchte. Ich dachte, das wäre eine leichte Aufgabe, da das Land (Österreich) und das Bundesland (Kärnten) bereits feststanden und nur noch ein Ort gefunden werden musste, der interessant in den Bergen liegt.

Die erste Idee, einmal auf www.kaernten.at nachzusehen, war zwar nicht schlecht, hat mich aber letztendlich nicht wirklich weitergebracht. Schnell habe ich zwar auf der ersten Seite einen Menüpunkt “Wandern” gefunden, aber dann? Eine neue Navigation und auf der folgenden Ebene mehrzeilige Navigationspunkte, bei denen kein Anfang und kein Ende erkennbar ist.

ungeschickte Navigation aus mehreren Zeilen

Dazu viel, viel Text und ein paar Image-Fotos, aber keine visuelle Möglichkeit zur Orientierung für einen nicht sooo landeskundlichen Menschen.
Also doch erstmal “back to the roots”, Stöbern im eigenen Bücherschrank und erste Orientierung auf der Landkarte und in früher einmal gesammelten Prospekten. So waren dann doch ziemlich schnell zwei Gebiete herausgearbeitet: Mölltal oder Maltatal. Welches von den beiden das Bessere wäre, sollte nun wieder das Web entscheiden – und hat es auch. Ob die Entscheidung richtig war, wird sich allerdings erst nach dem Urlaub und dem Lokalaugenschein endgültig beantworten können.

Unter www.moelltal.at finde ich zwar endlich eine Karte, allerdings eine topografische Karte ohne jegliche Infrastruktur wie Straßen oder Ortsnamen.

Karte Mölltal ohne Infrastruktur

Lediglich die Bezirksnamen erscheinen beim Mouse-Over. Alternativ kann man noch eine Auswahl in der Gemeindeliste vornehmen. Hmm, welche Gemeinde nehmen wir denn da? Da ich ja geduldig bin, klicke ich mich durch und nutze auch die Links auf die einzelnen Gemeinden. Aber letztendlich gewinne ich den Eindruck, dass das Mölltal nicht wirklich um mich als Tourist wirbt. Das vielleicht für Tirol übliche touristische Angebot fehlt, und eine Kontaktaufnahme scheint eher unerwünscht zu sein. Es gibt keinen Link “Prospekte anfordern”, und es gibt auch kein Kontaktformular. Und mich aufdrängen und eine Mail irgendwo an die Gemeinde schreiben möchte ich dann doch nicht.

Also bleibt das Maltatal übrig. Nachdem hier meine Anfrage über das Kontaktformular rasch beantwortet wurde, stehen die Chancen gut, dass ich meinen Urlaub auch wirklich dort verbringen werde.
Startsteite Maltatal

Und was lernen wir daraus? Ich würde Tourismusverbänden und ihren Web-Agenturen folgende Ratschläge mit auf den Weg geben:

In die Schuhe des Interessenten steigen

Natürlich kennt man als Einheimischer seine Region und seinen Ort ganz genau. Aber der Tourist? Ist es ein Stammgast, trifft es sicher zu. Aber dann wird er sowieso immer wieder in seinem Stammquartier buchen und sich nicht neu im Internet informieren. Aber die neuen, noch unentschiedenen Touristen brauchen Informationen, die zunächst auf einer übergreifenden Ebene anfangen und dann Zugang zu immer genaueren Informationen geben. Für sehr geeignet halte ich da zunächst eine Übersichtskarte, die die Lage der Region im Bundesland zeigt und danach die einzelnen Orte im Tal, kombiniert beispielsweise mit Bergen oder wichtigen touristischen Punkten. (Zwar sind Übersichtskarten von Haus aus nicht barrierefrei, aber das ist ein Thema, das ich in Kürze gesondert aufgreifen werde.)
Zu diesen touristischen Punkten sollte es dann eine Beschreibung und gerne auch ein paar Bilder geben.

Kontaktaufnahme erleichtern

Ein Kontaktformular ist ganz einfach ein Muss, wenn man den Webseiten-Besucher als Kunden gewinnen möchte. Denn was kann ohne Kontaktformular passieren? Auf dem Rechner des Benutzers ist kein Mailprogramm eingerichtet, weil sich seine Mailbox bei einem Freemailer befindet. Also kann kein neues Mailformular geöffnet werden, und er müsste die Zieladresse manuell übertragen. Vielleicht hat er zwar ein Mailprogramm, möchte aber diese Adresse nicht verwenden. Vielleicht hat er auch schlichtweg keine Lust, erst eine ausführliche Mail zu formulieren. Und sofern es sich nicht um ein absolut exklusives Nischenangebot handelt, dass genau die Wünsche des Benutzers trifft, wird er sich dann schnell einer anderen Site zuwenden.

Der Tourismusverband kommt also mit einem Kontaktformular nicht nur seinen Interessenten entgegen, sondern kann auch eine gewisse Steuerung vornehmen. Er kann Auswahlfelder anbieten, um die Anfragen zu kategorisieren, die Antworten zu optimieren und so letztendlich den Kunden für sich gewinnen.

Prospekte bestellen

Man kann zwar viele Informationen im Web anbieten, aber das gedruckte Papier hat damit nicht ausgedient. Gerade beim Urlaub möchte man ja meist nochmal in Ruhe überlegen, vielleicht mal was herzeigen oder mitnehmen. Auf der anderen Seite steht natürlich ein gewisser Gedanke an die Umwelt, Stichwort Papier sparen. Daraus leite ich folgende Tipps ab:

  • Alle vorhandenen Prospekte und Dokumente werden in einer Liste angezeigt.
  • Alle Dokumente gibt es zum Download, d.h. man kann sich den Inhalt zunächst online ansehen, entscheiden, ob es das Gesuchte ist und wenn ja, ob man es selber ausdrucken kann oder will oder ob man tatsächlich die Originalversion benötigt.
  • Regeln für die Prospektbestellung werden von Anfang an klar dargestellt. Manche Anbieter verschicken nur eine bestimmte Zahl an Prospekten. Dies merkt man aber erst an Hand einer Fehlermeldung, die beim Überschreiten dieser Grenze erscheint. Wer nach dieser “Unfreundlichkeit” an der Prospektbestellung festhalten will, darf dann die gesamte Liste nochmal durchgehen, eventuell einen weniger interessanten Prospekt streichen, um wenigstens die besten Dokumente zu erhalten. Vielleicht könnte man ja auch mit einer zweiten Bestellung tricksen?
  • Die Bestätigungsseite, die nach Absenden der Prospektanforderung erscheint, bietet übrigens ein oft ungenutztes Potenzial, einen positiven Eindruck beim Besucher zu hinterlassen und ihn noch eine Weile länger auf der Site zu behalten.

Quartierbuchung

Eine Liste der Quartiere bietet fast jeder Tourismusverband. Aber auch hier liegen oft Welten zwischen den Angeboten. Von einer einfachen Liste, in der auf den ersten Blick weder die Art des Quartiers noch weiterführende Links ersichtlich sind bis hin zu Online-Kalendern mit Angabe der Verfügbarkeit ist alles im Angebot. Natürlich unterscheiden sich der einmalige und der regelmäßige Pflegeaufwand bei den Varianten. Aber meist wird der Aufwand in Summe gleich bleiben, jedoch mit unterschiedlichen Erfolgsquoten. Eine alphabetisch sortierte Liste, in der man erst den Link suchen muss, um nach einem Klick zu erfahren, um welche Art Quartier es sich handelt und die nur eine sehr bedingte Vorauswahl an Hand von Preis und Lage anbietet, hat meines Erachtens wenig Erfolgschancen. Sehe ich allerdings bereits im Internet, ob das Quartier zu meinem Wunschtermin noch frei oder bereits belegt ist, kann ich meine Anfragen zielgerichtet absenden. Und das spart auf der anderen Seite den Vermietern auch etliche Anfragen, die mit einer Absage beendet werden müssen. Allerdings müssen die Daten zuverlässig sein, und es sollte eine Möglichkeit geben, Privatvermietern, die vielleicht selber keinen Internet-Anschluss haben, trotzdem die Teilnahme zu ermöglichen. Ansonsten sollte wenigstens klar darauf hingewiesen werden, dass es neben den teilnehmenden Vermietern weitere Quartiere gibt, die auf Anfrage Auskunft über die Verfügbarkeit geben.

Aktualität

Da schon nichts älter als die Zeitung von gestern ist, ist auch nichts schlimmer als nachweislich veraltete Web-Inhalte. Was ist von folgendem Angebot zu halten, das ich heute (29.5.2008!) aus dem Web gefischt habe?

Quartierangebot mit Preis in ATS

Bei C&A gab es kürzlich mal eine Aktion, bei der man noch in DM bezahlen konnte, aber ob das hier wohl auch so gedacht ist? Das erinnert mich eher an einen peinlichen Fall, als ich mal mit einem etwas älteren Prospekt auf Quartiersuche gegangen bin und dann erfahren musste, dass das gewünschte Quartier nicht mehr besteht, weil die Vermieterin zwischenzeitlich verstorben war….

Also, aktuell muss es sein, nicht nur bei den Währungsangaben, sondern bei den Preisen insgesamt – nicht dass es bei der Abrechnung zum bösen Erwachen kommt, weil der dort angesetzte Preis weit über der Preisangabe im Internet liegt. Und aktuell muss auch der Rest sein, von den Veranstaltungstipps bis zu den Öffnungszeiten und Sehenswürdigkeiten. Denn hier kann viel Glaubwürdigkeit und Bemühen um den Kunden transportiert werden oder eben auch verloren gehen.

Fazit

Das Internet verändert die Gewohnheiten. Und wer es versteht, den Interessenten dort abzuholen, wo er gerade steht und ihn schrittweise in die eigene Welt zu führen, ihn freundlich behandelt und ihm das eigene Angebot transparent darlegt, wird aus dem Interessenten seinen Kunden machen. Eine gute Web-Site bringt dem Besucher einen Nutzen – spricht man deshalb nicht auch vom Benutzer? Und aus diesem Nutzen wird es auch einen Rückfluss für den Anbieter geben, ob nun direkt oder auch indirekt.

Das gilt übrigens nicht nur für Web-Sites von Tourismusverbänden…


4 Kommentare zu “Tourismusverbände im Web”

  1. Bernd@ Gartenmöbel schrieb:

    Hi

    Bei mir funktioniert die Seite http://www.kaernten.at/ nicht. Wenn ich auf den Link klicke, kommt immer ein TimeOut-Fehler. Funktioniert die Seite nur bei mir nicht, oder haben auch andere Probleme damit?

    Bernd

  2. Marion Engel schrieb:

    Das Problem scheint bei dir, Bernd, zu liegen. Bei mir jedenfalls funktioniert der Link. Ich habe es gerade nochmal geprüft. Kommst du denn auf die Seite, wenn du die URL manuell eingibst?

  3. Wer suchet, der findet… » SEO- und Internet-News by TechDivision schrieb:

    [...] die Moral von der Geschicht’? Was ich vor kurzem über Tourismusverbände im Web geschrieben habe, gilt nicht nur für Kärnten, sondern in diesem Fall auch für meine Freunde in [...]

  4. Wolfgang schrieb:

    Hallo aus Kärnten –
    Ab sofort können Sie Ihre Urlaubsfreuden in Kärnten via Internet auch teilen. Im neuen Blog können Sie Ihre daheimgebliebenen Freunde mit einem Online-Reisetagebuch an Ihrem Urlaub virtuell teilhaben lassen, ihnen von Ihren Abenteuern und Unternehmungen erzählen und sie vielleicht auch ein wenig neidisch werden lassen.

    Der neue Kärntner Urlaubsblog ist dazu da, tolle Erlebnisse mit anderen zu teilen, Insidertipps zu geben, aber auch von anderen Urlaubern oder Einheimischen zu erhalten.

    Zu finden unter http://blog.kaernten.at

    Über Feedback würde ich mich freuen!

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