Verbesserungspotenziale des Tourismus bei Online und Marketing

admin, 21. Juni 2010 1 Kommentar RSS

Der Tiroler Tourismus leidet unter dem schlechten Wetter und musste einen Rückgang der Buchungen in Kauf nehmen. So berichteten die Nachrichten heute morgen. Im Nachsatz kam allerdings eine weise Erkenntnis: nämlich dass es noch einiges im Bereich Online und Marketing zu verbessern gibt und dass es nicht reicht, einfach darauf zu warten, dass die Gäste von selber kommen.

Da ist was Wahres dran. Denn auch ich habe in den letzten Wochen mal wieder einiges im Web erlebt, als ich mir Orte und Quartiere für Urlaub oder einzelne Übernachtungen in Tirol, Salzburg aber auch Deutschland gesucht habe. Hier meine Liste mit Verbesserungsvorschlägen:

Usability

Eigentlich müsste der Benutzerfreundlichkeit die höchste Priorität eingeräumt werden. Denn das Angebot ist groß und zum Teil austauschbar. Wenn ich im Ort A nicht das gewünschte Angebot finde, bin ich als Suchender schnell weg und schaue in Ort B oder vielleicht auch im Nachbartal. Glück hat Ort A nur dann, wenn ich dort wegen einer bestimmten Veranstaltung ein Zimmer suche, nicht woanders hin ausweichen kann und das Angebot so hinnehmen muss, wie es eben ist.

Aber konkret – wo kann die Usability verbessert werden?

Übergroße Headerbilder

Bilder sagen mehr als 1000 Worte, und gerade bei einer schönen Landschaft ist man geneigt, diese prominent auf der Webseite darzustellen. Das soll Lust auf Urlaub machen, Lust, diese Landschaft in natura kennenzulernen. Das ist grundsätzlich richtig, aber wenn ein Headerbild mit allen weiteren Informationen, die sich im Seitenkopf befinden, so hoch ist, dass es fast die gesamte Höhe eines (größeren) Laptop-Monitors füllt, dann ist es einfach zu hoch. Das Problem ist dann nämlich, dass man bei jedem Aufruf einer neuen Seite wieder zum Seitenkopf zurück geworfen wird und jedes Mal scrollen muss, um an die neuen Informationen zu kommen.

Auf der Startseite ist ein großes Bild noch vertretbar – sofern man dort nicht nur das Bild findet und jedes Mal zu einem zusätzlichen Klick genötigt wird, um an die Informationen zu kommen. Auf den Unterseiten sollte der Header aber weniger als die Hälfte des ohne Scrollen sichtbaren Bereichs belegen. Und die tolle Landschaft lässt sich wunderbar in einer Bildergalerie darstellen, deren Bilder dann sogar bildschirmfüllend sein können. Auch Videos sind hier eine tolle moderne Möglichkeit, Lust auf Urlaub zu machen.

Ungeschickte Farbwahl

Farben an sich sind natürlich Geschmacksache und mögen dem einen gefallen und dem anderen nicht. Werden auf einer Webseite aber mehrere Farben verwendet, so müssen sie zueinander passen. Hierzu habe ich ein Beispiel gefunden, in dem die Hintergrundfarbe der Navigationsleiste nicht mit der Farbe harmoniert hat, die der Text beim Mouse-Over angenommen hat. Er war nämlich schlicht nicht mehr lesbar…
So etwas müsste eigentlich schon beim Erstellen des Layouts auffallen, allerspätestens aber bei der abschließenden Qualitätssicherung. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie so etwas Live gehen kann.

Unübersichtliche Navigation

Lange war ich auf der Site meines nächsten Urlaubsortes unterwegs, hier und dort habe ich geklickt, in der Hoffnung, doch noch einen guten Tipp zu bekommen, was in meiner Urlaubswoche dort angeboten wird. Eigentlich war ich schon durch, als ich plötzlich eine wunderbare Seite mit Wandervorschlägen gefunden habe – sehr gut gemacht, kategorisiert, mit Kartenausschnitt und Beschreibung und zum Ausdrucken als pdf angeboten.
Aber wie bin ich auf diese Seite gekommen? Keine Ahnung – reiner Zufall! Ich habe sie später auch nicht nochmal wieder gefunden. Das ist wirklich jammerschade, wenn nützliche Inhalte so versteckt werden.

Es ist sicher nicht immer leicht, eine intuitive und ausgewogene Navigationsstruktur zu erstellen. Aber das ist einfach das A&O einer guten Website. Zusätzlich kann man natürlich auch noch die rechte Randspalte für Teaser oder eine Quicknavigation zu wichtigen Unterseiten einbauen. Dafür muss man allerdings ein gutes Verständnis für seine Zielgruppe/n und ihre Bedürfnisse haben.

Falsche Links

Die Tourismusgemeinden versuchen mit allerlei Veranstaltungen Akzente zu setzen. Und wer sich vorher über das Angebot informieren möchte, verwendet den Veranstaltungskalender, in dem er nach Termin und (zumeist) Ort filtern kann.
So weit, so gut. Von der Übersicht gelangt man zur Detailseite der Veranstaltung mit weiteren Details und sogar einem Link. Aber was passiert dann? Man landet oft nur wieder auf der Startseite des Orts.
Ob das an schlechter Pflege oder Mängeln in der Anwendung liegt, lässt sich von außen nicht sagen. Jedenfalls ist der aktuelle Zustand nicht besonders glücklich, und es stellt sich die gleiche Frage wie bei den Farben.

Unvollständige Informationen

Da gibt es eine Seite über ein örtliches Museum mit Bild und Text. Alles wunderschön, aber eine wichtige Angabe sucht man vergeblich: Wann das Museum geöffnet ist! Stattdessen hat man in einem Abschnitt des Textes den Eindruck, hier seien Links verkauft worden. Natürlich war das nicht der Fall, da es sich um interne Links handelt, aber der Text hatte wenig mit dem Museum zu tun und wäre eher der Aufgabe gerecht geworden, die Besucher von der Seite des Museums weg auf andere Seiten zu locken.

Anwendungen, die nicht den gelernten Erfahrungen entsprechen

Zimmer online buchen – das ist für Geschäftsreisen und im Städtetourismus ganz normal. Warum sollte das dann nicht auch im Gebirge funktionieren? Komischerweise erlebt man hier aber einiges, was nicht dem entspricht, was man gewohnt ist.

Die Auswahlfelder für Termine und bevorzugte Quartier-Art und die Liste mit Vorschlägen entsprechen noch den Erwartungen, aber dann kommen die Überraschungen:

  • Es ist keine Sortierung nach Preis möglich. Ich werde also gezwungen, alle Angebote durchzuschauen, um die zu meinen Preisvorstellungen passenden Treffer zu finden.
  • Ich habe zwar mein Wunschquartier gefunden, kann es aber aus der Anwendung heraus nicht online buchen. Dieser Schritt ist nicht aktiv, und man findet auch keine Information darüber, warum eine Buchung nicht möglich ist bzw. was man alternativ tun kann.
    Auf die Alternative, direkt beim Anbieter über das Kontaktformular auf seiner Webseite oder per Mail anzufragen, kommt man dann schon, wenn man das Quartier wirklich haben will. Drei Quartiere habe ich also angeschrieben, allerdings nur von einem eine Antwort bekommen. Was ist mit den anderen? Waren sie doch nicht frei? Ist die Mail nicht angekommen? Oder…wegen Reichtum geschlossen?
  • In einer anderen Region ist die Buchung zwar online möglich, aber es bleiben Zweifel, ob alles funktioniert hat. Denn ich finde nicht – wie bei allen Online-Geschäften üblich – eine Bestätigungsmail in meiner Mailbox. Nach direkter Rückfrage beim Vermieter stellt sich raus, dass alles in Ordnung ist, aber auch, dass es schon anderen vor mir ähnlich ging und der Anbieter der Buchungsanwendung wohl wenig für die Sorgen seiner Kunden (in diesem Fall der Vermieter) übrig hat.

Leider sind längst nicht alle Vermieter in Ferienregionen an zentrale Buchungssysteme angeschlossen. Manche sind überhaupt nicht online erreichbar, d.h. man kann nur telefonisch buchen und muss bei Privatquartieren Glück haben, zur richtigen Zeit anzurufen.

Fazit

Ja, es gibt noch einiges zu verbessern. Wenn man das positiv betrachtet, kann man sagen, dass sich diejenigen, die mutig auf die Online-Medien setzen und sich mit Leuten zusammentun, die sich dort wirklich auskennen, einen Wettbewerbsvorteil sichern können.

Wer nicht darauf angewiesen ist, seine Privatzimmer zu vermieten und eher froh ist, wenn das Haus mal leer ist, kann sich möglicherweise glücklich schätzen. Wer aber vom Tourismus leben muss, der sollte neue Wege gehen – und das mit voller Überzeugung und dem richtigen Partner.

Eine Website aus dem Gratis-Baukasten ist vielleicht besser als gar nichts. Und man kann all denen, die solche Angebote nutzen, deswegen auch keinen Vorwurf machen. Woher sollen sie denn wissen, dass sie z.B. mit Subdomains des Anbieters oder *.tf-Domains einiges verschenken und auch sonst an vielen Stellen suboptimale Ergebnisse erzeugen?
Die Meinung, dass jeder, der im Web surfen kann, auch weiß, wie gute Webseiten aussehen müssen und diese auch leicht selber bauen kann, hält sich leider nach wie vor hartnäckig. Wozu also eine Internet-Agentur beauftragen, die nur viel Geld kostet und bei jeder späteren Änderung immer wieder hohe Kosten geltend machen will? Solche Zerrbilder lassen sich leider nicht ausrotten – auch wenn eigentlich ein kleiner Praxistest das Gegenteil beweist.

Vielleicht fällt mir ja im Urlaub ein, wie dieser gordische Knoten gelöst werden kann.


Ein Kommentar zu “Verbesserungspotenziale des Tourismus bei Online und Marketing”

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