Josef Willkommer, 14. Juni 2008 21 Kommentare RSS
Wie ich soeben bei Horizont.net gelesen haben, bahnt sich möglicherweise ein Grundsatzstreit zwischen deutschen Verlagen an. Der Grund: SEO zu Deutsch Suchmaschinenoptimierung – wie bitte?
Hintergrund ist folgender. Derzeit macht der Suchmaschinentraffic (also von Google) bei deutschen Nachrichtenportalen einen Anteil zwischen 15 und über 50 Prozent am gesamten Traffic des jeweiligen Portals aus. In diesem Bereich gilt die Welt Online als eines der erfolgreichsten Portale und als Benchmark für andere Verlage, da der Suchmaschinentraffic (Google und Google News) hier in der Tat einen Anteil von ca. 50% erreicht.
Dies “schmeckt” Hans-Jürgen Jakobs – seines Zeichens Chefredakteur von Sueddeutsche.de – anscheinend überhaupt nicht. Er fordert daher “eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen beim SEO”. Weiter sollten “alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen, öffentlich gemacht werden”, da es sich hierbei um journalistische Wettbewerbsverzerrrung handelt. In dem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass Sueddeutsche.de beim Traffic einen Suchmaschinenanteil von 15 bis 20 Prozent erreicht.
Häh????? Hab ich da richtig gelesen? Dass Google mittlerweile eine wichtige Traffic-Quelle für (fast) alle Webseiten und Webseitenbetreiber geworden ist, dürfte Herrn Jakobs ja durchaus bekannt sein. Sofern hier wirklich mit unlauteren Mitteln gekämpft wird, kann ich die Aussagen – zumindest teilweise – ja noch nachvollziehen. Jetzt aber von Manipulation bei der Konkurrenz zu sprechen, nur weil die das Thema mit der notwendigen Priorität behandelt und sowohl redaktionell als auch von der technischen Seite entsprechende Maßnahmen ergriffen hat, finde ich dann aber doch etwas dreist.
Journalismus unter Berücksichtigung von SEO bedeutet ja nicht, dass man seine journalistische Freiheit komplett begraben muss und sich Google unterwerfen sollte. Vielmehr geht es hier doch um die Umsetzung und Einhaltung der Richtlinien von Suchmaschinen auf der technischen- und eine vernünftige Gliederung der Artikel, saubere Überschriften und Teilüberschriften sowie relevante Seitentitel bzw. Artikelüberschriften auf der journalistischen Seite.
Grundlage ist hier natürlich auch ein Gespür bzw. das Wissen was von den Usern gesucht wird und wie häufig gesucht wird. Das Thema Semantik dürfte einem Journalisten ja durchaus bekannt vorkommen….
Wenn jetzt entsprechende Nachrichten und Themen sauber Formuliert in eine vernünftige Seitenstruktur integriert werden und man sich ein paar Gedanken zum Thema interne Verlinkung macht, dann hat man hier bereits die Basis für den Erfolg gelegt.
Insofern würde ich vorschlagen, dass die Sueddeutsche – wie im Horizont-Artikel bereits kommentiert wurde – erst mal Ihre Hausaufgaben machen sollte und nicht, wie in diesem Falle, blind um sich zu “dreschen” – in der Hoffnung irgendetwas bewegen zu können.
Wie hieß es doch früher in der Schule: Setzen 6, Hans-Jürgen!
P.S. In dem Zusammenhang möchte ich noch auf einen Artikel bei konsumuffel.de zu diesem Thema hinweisen – lesenswert!
Noch ein Nachtrag: Der Spiegel-Online hat sich mittlerweile auch zu diesem Thema gemeldet. Den Kommentar möchte ich hiermit nicht vorenthalten: “”Statt selbst beim Thema SEO (Search Engine Optimization) Gas zu geben, tritt Jakobs lieber Welt Online vors Schienbein und ruft urdeutsch nach Regulierung: ‘Alle Tricks’ und ‘Manipulationen’ müssten öffentlich gemacht werden.” Den Haupttrick verraten wir hiermit: einfach die Zeitung ins Netz stellen!”
Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen…
15. Juni 2008 um 9:40
Als Chefredakteur eines Internet-Mediums sollte Herr Jakobs, oder zumindest seine WebFuzzis, etwas mehr Internet-Wissen mitbringen. SEO ist keine Geheimwissenschaft und seine Forderung die “Tricks” (die angeblich welt.de anwendet) zu veröffenlichen, ist totaler Unsinn. Die Suchmaschinenoptimierung der welt.de habe ich in meinem Blog etwas unter die Lupe genommen und dabei festgestellt das Suchmaschinen das was die SZ da macht als Spam werten könnte und somit zu einem schlechtem Ranking führt.
15. Juni 2008 um 11:11
@Michael: Sehr interessanter Beitrag auf Deinem Blog, dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Ich find´s halt nur “wiztig”, wie gewisse Leute reagieren, wenn sie sich anderweitig nicht mehr zu helfen wissen. Eigentlich ein Armutszeugnis. Wenn der Schuss mal nicht nach hinten losgeht, Herr Jakobs…
Vielleicht liest man ja bald eine Stellenausschreibung im Online-Jobmarkt der Süddeutschen: “Inhouse-Krisen-PR-Manager zur Festanstellung gesucht”
15. Juni 2008 um 12:10
“SEO-Profi / CMS-Profi gesucht…” kommt sicher bald.
Das die ersten Keywords immer die gleichen sind, habe ich erst vorhin bemerkt.
Die Crux liegt wohl bei dem CMS von Imperia. Auch anderen WebSites die dieses CMS benutzen sind *nicht* suchmaschinenfreundlich.
15. Juni 2008 um 14:26
Warum die Sueddeutsche im Web so nie grossen Erfolg haben wird…
In der deutschen Verlagswelt ist dicke Luft angesagt. Der Grund: Konkurrenzneid. So fordert der Chefredakteur der Sueddeutschen eine Konvention gegen SEO-Maßnahmen der erfolgreichen Konkurrenz. Selten so gelacht!…
15. Juni 2008 um 14:51
Warum die Sueddeutsche im Web nie grossen Erfolg haben wird…
Unter deutschen Verlagen bahnt sich ein weitreichender Streit an. Der Grund: Suchmaschinenoptimierung. So fordert der Chefredakteur der Sueddeutschen eine Konvention gegen SEO-Maßnahmen. Selten so gelacht!…
15. Juni 2008 um 16:34
Ich denke mal das da einer einfach mal was nicht verstanden hat.
Nun gut, kommt vor und abgehackt!
Das weitaus grössere Problem sehe ich in der ständig sinkenden Qualität der Blätter und der offenbahrung darüber in den 10 oder 20 gut gefürten blogs (meist von Journalisten die ihre Freiheit nicht aufgeben wollen und ausreichend grosse Eier in der Hose haben um unabhängig zu bleiben) die den Zeitungen mehr und mehr konkurrenz machen!
Kurz: ob mit oder ohne Google, die Verlage (zumindest die welche sich vom Kapital haben korumpieren lassen) werden die nächsten 10 Jahre ein Problem bekommen!
Meinung: Die SZ gehört für mich ganz persönlich ,neben dem Spiegel und andere, zu den Problemblättern!
ps.
der mist den ich da mit meinem nick verlinkt habe gehört natürlich nicht zu den sachen die für eine SZ konkurrenz sein könnte!
das sollte aber auch nichts zur sache tun!
15. Juni 2008 um 18:23
Es ist ja nun nicht so, dass die Sueddeutsche keine Suchmaschinenoptimierung betreibt. Ähnlich wie bei WELT wurde ein Newsticker eingerichtet, die Nofollow-Fehltritte aus der Vergangenheit sind ja auch bekannt
15. Juni 2008 um 18:49
@Tekka: Dann darf sich Herr Jakobs erst recht nicht beschweren. Seine Seite ist ja dann praktisch schon auf dem Weg, der WELT den führenden Status abzujagen…
Mann oh Mann…
16. Juni 2008 um 11:33
Für mich schließt sich hier ein ganz anderes und gravierendes Problem an, nämlich die Abhängigkeit von Google. Was würde Spiegel Online und Co. machen, wenn auf einmal eben nicht diese Massen an Besuchern über Suchmaschinen kommen? Richtig, sie würden alt aus der Wäsche gucken und könnten über kurz oder lang ihre Portale schließen.
Nur mit sehr vielen Besuchern lässt sich soviel Geld generieren, um diesen ganzen Tross (Redakteure, Designer, Techniker, Netzerwerker etc.) am Leben zu halten.
16. Juni 2008 um 13:40
Die Forderung finde ich wirklich witzig. Manche Leuten stellen sich öffentlich bloß und merken es nicht einmal. Wenn sich das mit der SEO-Beschränkung durchsetzt, fordere ich allerdings auch, dass Artikel-Überschriften in den gedruckten Zeitungen und Zeitschriften künftig nur noch sachlich den Inhalt wiedergeben – wo kämen wir denn dahin, wenn eine Zeitung vielleicht hauptsächlich über satte Schlagzeilen am Kiosk erfolgreich ist?
“Für mich schließt sich hier ein ganz anderes und gravierendes Problem an, nämlich die Abhängigkeit von Google. Was würde Spiegel Online und Co. machen, wenn auf einmal eben nicht diese Massen an Besuchern über Suchmaschinen kommen? Richtig, sie würden alt aus der Wäsche gucken und könnten über kurz oder lang ihre Portale schließen.”
Auch Google ist davon abhängig, dass die Nutzer finden, was sie suchen. Wenn sie weite Teile des Internets ausschließen würden, schnitten sie sich ins eigene Fleisch. Die Abhängigkeit sehe ich da wie die zwischen Kiosk und Zeitung/Zeitschrift im realen Leben. Nur dass ich im Gegensatz zum Kiosk selbst in der Hand habe, wie ich platziert werde.
18. Juni 2008 um 10:50
[...] einen kleinen Vergleich über die Suchmaschinenoptimierung von Welt Online und Sueddeutsche.de. TechDivision, suchmade news und der konsumuffel lästern auch etwas über die mangelnde technische Kompetenz bei [...]
18. Juni 2008 um 21:44
[...] techdivision [...]
19. Juni 2008 um 12:13
[...] der Online-Redaktion), der sich vor einigen Tage darüber beschwert hat, dass andere in Sachen SEO so aktiv sind und der Süddeutschen die oberen Google Positionen streitig machen. Es hörte sich glatt [...]
19. Juni 2008 um 15:47
Wenn man nicht mehr weiter weiß, suchen einige Journalisten anscheinend eh gerne die Fehler zuerst bei anderen, Kritisieren und mit dem Finger auf andere zeigen ist demnach immer leichter, als sich selbst an der Nase zu packen und etwas zu ändern.
Und seien wir mal ehrlich, die von Michael aufgezeigten Fehler sind ja nun wirklich nicht die Krönung des SEO, hierbei handelt es sich doch vielmehr um die Grundlagen einer ordentlichen Indexierung. Weiterhin schau ich unabhängig von irgendwelchen Suchergebnissen schon lange nicht mehr bei der sueddeutschen vorbei, da spiegel und Co auch hinsichtlich Design und Aufmachung um “Welt”en besser sind.
19. Juni 2008 um 19:02
@Hannes: Um “Welt”en besser….. – der war nicht schlecht! Respekt!
9. September 2008 um 18:14
Ich möchte das Thema mal erweitern und die Frage aufwerfen warum die etablierte Presse (von ausnahmen mal abgesehen) nie grosse erfolge im Netz haben wird.
Die Antwort darauf kann man erahnen wenn man den Kommentar von Michael_Konken über Blogs gelesen hat!
9. September 2008 um 18:45
@Lucy: Interessanter Mann – der Herr Konken. Hab gerade seine Kommentar über Blogs gelesen und bin mir im Moment nicht ganz sicher, ob der gute Herr an Profilneurose leidet oder sich einfach nur in seinem Job “sensationell” vertan hat. Als Bundesvorsitzender des Journalistenverbandes hätte ich so eine (sinnfreie) Aussage absolut nicht erwartet.
Vielleicht noch ein Hinweis für Herr Konken: Josef Willkommer ist kein Pseudonym – ich heiße wirklich so!!!!
9. Februar 2009 um 10:42
[...] bei suchmaschinenoptimierten Medien-Websites dagegen keine Rede sein. Eine Meinung, die von anderen Bloggern geteilt [...]
17. Juni 2009 um 13:10
[...] einen kleinen Vergleich über die Suchmaschinenoptimierung von Welt Online und Sueddeutsche.de. TechDivision, suchmade news und der konsumuffel lästern auch etwas über die mangelnde technische [...]
19. Januar 2010 um 0:26
[...] eineinhalb Jahren hatte ich an dieser Stelle bereits einmal einen Beitrag mit dem Titel „Warum die Sueddeutsche im Web nie grossen Erfolg haben wird“ gepostet. Damals ging es darum, dass sich der SZ-Chefredakteur beschwert hat, dass die [...]
19. Januar 2010 um 19:39
ja da gehts mal wieder richtig rund mit den Suchmaschinen und den Verlagen … die profitieren ja nicht von google
das wird noch viel Streit geben