Wie werden Silver Ager Online-Shopper?

admin, 25. April 2008 2 Kommentare RSS

Sie werden inzwischen liebevoll “Silver Ager” genannt, die Senioren im Altersbereich von 50+. Und sie graben den “Jungspunden” in der Werbung auch zunehmend etwas Wasser ab. Denn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wird immer größer. Nicht nur dieser Aspekt macht sie für den Handel interessant, sondern auch die Tatsache, dass viele Silver Ager auch finanziell sehr gut gestellt sind. Das ist ja auch irgendwo logisch. Falls sie Kinder haben, dann sind diese aus dem “Gröbsten raus” und verdienen sich ihre Brötchen selber. Die Silver Ager selber hatten ausreichend Zeit, auf der Karriereleiter nach oben zu klettern und an einigen Gehaltserhöhungen vorbeizukommen. Wenn sie zudem auch noch ein wenig sparsam gewirtschaftet haben, brauchen sie nicht mehr jeden Cent umzudrehen.

Das ist der eine interessante Aspekt an den Silver Agern. Der andere Aspekt ist ihr Wunsch, nicht in eine verstaubte Ecke abgeschoben zu werden. Und so stehen sie so modernen Dingen wie dem Internet aufgeschlossen gegenüber und nutzen die Angebote und Vorteile, die es anbietet. Aber sie haben in ihrem langen Leben auch schon einiges an Erfahrungen gesammelt, so dass sie nicht so unbefangen und unkritisch mit dem Internet umgehen, wie dies sicher einige Jugendliche tun – im positiven wie im negativen Sinn.

Wer also in einem Online-Shop Produkte anbieten will, die speziell für Senioren interessant sind, sollte sich in ihre Situation hineinversetzen und ihnen das Einkaufen so einfach wie möglich machen. Welche Faktoren können dies im einzelnen sein:

Sachlichkeit
Senioren fragen eher nach Fakten und sachlichen Argumenten. Wie sieht das Produkt aus? Welche Eigenschaften hat es? Welche Vorteile bietet es mir? Und wie teuer ist es?

Einfachheit
Überladene, quietschbunte Seiten mit blinkenden Bannern sind für die Augen von Senioren sicher eher verwirrend. Weniger ist mehr: klare Kontraste und gute Lesbarkeit durch eine größere Schrift werden das Wohlwollen des potenziellen Käufers hervorrufen.

Klarheit
Senioren sind nicht dumm, aber möglicherweise nicht mit allen Abkürzungen und Gebräuchen vertraut, die web-affine Jugendliche im Schlaf kennen. Kurze neutrale Erklärungen verbessern das Verständnis, ohne den Eindruck zu erwecken, dass der Benutzer für dumm erachtet wird.

Sicherheit
Je mehr man im Leben mitgemacht hat, desto höher wird das Sicherheitsbewusstsein. Das bedeutet, dass es die Senioren begrüßen, wenn erklärt wird, wie die Übertragung von Bankdaten gesichert wird, welche Rücktritts- und Rückgaberechte bestehe und was nach dem Absenden der Bestellung konkret passiert.

Ausprobieren lassen
Sollte das Team, das einen Online-Shop aufsetzt, eher jünger sein, so sollten zumindest einige echte Silver Ager als Berater hinzugezogen werden. Sie können durch einen Test wertvolle Hinweise geben, wo Erklärungen fehlen, wo sie im Ernstfall einen Kauf abbrechen würden, weil sie sich unwohl fühlen, und natürlich auch, welche Aspekte ihnen gut gefallen. Wird all dies gepaart mit guten Produkten und fairen Konditionen, dann steht dem silbrigen Online-Shopping-Vergnügen nichts mehr im Wege.

Und wer mit 50+ das Online-Shoppen lernt und schätzen lernt, ist vielleicht mit 80+ froh, wenn ihm der Internet-Handel so manchen, in dem Alter möglicherweise schon beschwerlichen Weg ins Einkaufszentrum abnimmt und stattdessen bequem ins Haus liefert. Und wer weiß, was nach Web 2.0 kommt. Vielleicht erwarten uns ja neue, heute noch unvorstellbare Möglichkeiten – natürlich für Jung und Älter.


2 Kommentare zu “Wie werden Silver Ager Online-Shopper?”

  1. HH_spirit schrieb:

    Wow! Ein wirklich überraschender Beitrag für mich 55-jährigen. Abgesehen davon, dass ich mich ungern als silbriger Alter bezeichnen lasse, alldieweil mein Haar ungefärbt unsilbern ist, gibt es noch anzumerken: Das Internet benutze ich seit beinahe 20 Jahren, die letzten 10 davon sogar für gelegentliche Einkäufe. Bunte Websites verwirren mich nicht, und Emotionalität ist mir auch noch nicht wirklich fremd. Meinem 86-jährigen Vater geht es übrigens genauso – das hat er mir erst kürzlich per E-Mail versichert.

    PS.: Der Autorin sei ein Blick in die neuere Statistiken empfohlen, z.B. bei http://www.destatis.de – daraus erhellt nämlich: Wir werden nicht immer mehr; wir sind (beinahe) die Mehrheit…

    PPS.: Die obigen Tipps sind gut. Sogar so gut, dass sie sich auch auf die Kommunikation mit jüngeren Zielgruppen anwenden lassen.

  2. Marion Engel schrieb:

    Wer das Internet seit 20 Jahren nutzt, ist sicher eine Ausnahme, weil User der allerersten Stunde, lange bevor das Internet einer breiteren Masse zugänglich wurde.
    Und wie immer gibt es natürlich auch bei diesem Thema eine große Variationsbreite. Ich jedenfalls kenne etlich Leute über 60, die in ihrem ganzen Leben noch nie mit einem Computer gearbeitet haben. Und zwischen diesen beiden Extremen liegen noch viele Abstufungen, auf die meine Aussagen mehr oder weniger zutreffen.

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