Wilde Obstbäume, Beeren und Sträucher kartieren

admin, 15. September 2009 9 Kommentare RSS

3 Freunde, eine Erkenntnis, eine Idee – und fertig ist eine interessante Website, die den Community-Gedanken unterstützt und allen Interessierten nutzt. So lässt sich das charakterisieren, was man unter www.mundraub.org findet. Die Erkenntnis bestand bei Kai, Mirco und Katharina darin, dass es etliche Obstbäume gibt, die entweder niemandem gehören oder vom Besitzer nicht abgeerntet werden können. Und warum sollen die Früchte unter dem Baum verfaulen, während viel Obst chemisch behandelt wird, um weite Transportwege zu überstehen?

Und nach diesem Motto haben sich die “Mundräuber” nun aufgemacht, das Angebot wilder Beeren und Kräuter, herrenloser und vom Besitzer zum Ernten freigegebener Obstbäume sichtbar zu machen. Die Website besteht aus zwei Teilen, einem Textteil und der MundraubMap.

Startseite Mundraub.org

Im Textteil geht es um die Hintergründe der Initiative und die Regeln. Denn natürlich wollen die Initiatoren keineswegs dazu anregen, dass Obst gestohlen wird. Denn auch wenn Bäume nicht eingezäunt sind, bedeutet das ja noch lange nicht, dass die Früchte wirklich herrenlos sind. Deshalb werden Besitzer von Obstbäumen, die diese nicht abernten können oder wollen, auch aufgefordert, die Freigabe ihres Baums schriftlich zu erklären und den Baum mit einer Mundraub-Banderole zu kennzeichnen.

Einfacher ist der Fall natürlich bei wirklich wilden Früchten wie z.B. Himbeeren oder Heidelbeeren im Wald, Holunder an Waldrändern oder Bärlauchblättern im Unterholz. Sie sind wirklich und zweifelsfrei herrenlos. In wieweit solche Plätze allerdings veröffentlicht werden, ist eine andere Frage, die sicher auch vom Umfang des Angebots abhängt. Bei Pilzplätzen scheint die Geheimhaltung tatsächlich heilig zu sein, so dass sich die “Mundräuber” sofort entschlossen haben, keine Pilzplätze zu kartieren.

Im Textteil besteht auch die Möglichkeit zur Diskussion unter Mundräubern der unterschiedlichen Regionen. Da die Site aber mit WordPress aufgebaut ist, handelt es sich nicht um echtes Forum, sondern “nur” um die Kommentarfunktion der Blogsoftware.

Richtig interessant wird dann auf der MundraubMap, die über einen Link aus dem Textteil erreichbar ist:

MundraubMap

In einer GoogleMaps-Karte findet man alle derzeit kartierten Bäume, Sträucher und Flächen. Die Farbe des Pins unterscheidet die Zulässigkeit der Ernte. Bei blauen und grünen Pins darf geerntet werden, bei roten Pins ist noch nicht sicher, ob der Baum wirklich zum Ernten freigegeben ist. Der Standort wird in der Karte genau gezeigt, zusätzlich beschrieben und teilweise auch durch Fotos ergänzt.

Noch liegt der Schwerpunkt der kartierten Bäume in Nordosten von Deutschland. Aber vielleicht werden in Kürze sogar die Landesgrenzen überschritten, denn auch in Ober- und Niederösterreich soll es herrenlose Obstbäume geben.

Auch einige Mostereien sind bereits eingetragen, so dass die Ernte nicht nur fest, sondern auch flüssig mit nach Hause genommen werden kann. Ideen für die Zukunft haben die “Mundräuber” genug. Zur Umsetzung wird allerdings ein wenig Kleingeld benötigt. Und dazu wiederum muss die an sich sehr gute Idee noch um einiges populärer werden.

So wie die Website derzeit realisiert ist, wird der Suchmaschinen-Optimierung wenig Gewicht gegeben. Da gibt es sicher noch ein Verbesserungspotenzial. Die Frage ist jedoch, wie viele Leute überhaupt auf die Idee kommen, in den Suchmaschinen nach wilden Bäumen zu suchen. Wichtiger wird es sein, die Site an sich online und auch offline bekannt zu machen.

Die nächste Frage, die zu beantworten wäre, dreht sich darum, wie weit die Community der Mundräuber wachsen muss. Sie muss wohl mehr in die Breite wachsen als in die Tiefe. Das heisst, das Netz muss flächendeckend werden, um so viele Bäume und Sträucher wie möglich zu kartieren. Es sollte aber nicht so werden, dass es Streit um die Früchte eines Baums gibt oder dass möglicherweise kommerzielle Interessen mit der Grundidee der Site in Konflikt geraten.

Es bleibt also spannend bei den Mundräubern.


9 Kommentare zu “Wilde Obstbäume, Beeren und Sträucher kartieren”

  1. Markus schrieb:

    Lustige Idee! Bin schon gespannt, ob ich nächste Saison tatsächlich ein paar der “Mundraub-Banderolen” im Live-Einsatz sehen werde.

    Die Namensgebung gefällt mir, zumal der Mundraub-Paragraf schon seit Jahrzehnten (juristisch) nicht mehr existiert.

  2. Mirco schrieb:

    Hallo,
    vielen Dank für diesen tollen Post. Mich hat der Artikel beeindruckt. Wir sind, wie erwähnt eine kleine Gruppe von “Aktivisten” die allerdings um 2 gewachsen ist und somit wird auch in Kürze eine neue Version erscheinen. Damit werden einige Schwächen der ersten “Idee-Version” verbessert, die Beta-Version braucht allerdings noch etwas.. Wir freuen uns sehr über kritische Vorschläge und vor allem über volle Räuber-Bäuche!
    Vielen Dank und viele Räubergrüsse,
    mirco

  3. rene schrieb:

    Ich finde das eine sehr gut Idee gerade in der heutigen Zeit von Dünger und Pestiziden. So hat man wenigstens noch eine Chance undgespritzes Obst zu bekommen. Schade dass zu wenige Leute auf die Seite aufmerksam werden. Nur durch viele “Räuber” mach die Seite wirklich Sinn.
    Ich wünsche den Betreibern noch viel Erfolg!
    Viele Grüße

  4. Früchte und Beeren von Mundraub gereift » SEO- und Internet-News by TechDivision schrieb:

    [...] Verfügung zu stellen. Im September 09 gab es ja bereits einen Bericht über die damalige Seite der Mundräuber. Inzwischen ist das Projekt gereift, hat zwei weitere Teammitglieder bekommen und präsentiert sich [...]

  5. Marianne schrieb:

    Ich verfolge euren Blog sehr gern und war auch schon einmal bei euch Obst pflücken.
    Super Idee, die ihr da hattet.

    Beste Grüße

  6. Renate Bernhard schrieb:

    Ja, und wo finde ich jetzt die Karte, auf der die Bäume verzeichnet sind?

  7. Marion Engel schrieb:

    @Renate: Unter http://www.mundraub.org/ – siehe Link im Text ;-)

  8. Angy schrieb:

    Habe es gerade im TV gesehen, kaum gebe ich es ein Serverzusammenbruch- was wollt ihr mehr? selbst über google hab ich versucht auf die Forum oder anderen Seiten der Page zu gelangen, funktioniert leider auch nicht. Bin ja mal gespannt wann sich die Lage wieder beruhigt. Übrigens super Idee- macht weiter so.
    lg Angy

  9. Andreas Hoffmann schrieb:

    Magdeburg: Fast ein Mirabellen-Park kann man das Dreieck nennen in MD-Sudenburg
    Lemsdorfer Weg -> Fermersleber Weg, dazu eine Küchenpflaume
    Äpfel die Menge dagegen am Westufer des südlichen Salbker Sees

    Die vielen über Zäune ragenden Äste wollen wir mal lieber verschweigen…!

    Nicht böse sein, daß die E-Mail-Adresse Schwindel ist, aber ich hab’ so was nicht…

    Andreas Hoffmann 39112 Magdeburg Staßfurter Straße 1
    0172-1951600

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