Das Duell Daimler gegen Uber auf der NOAH Conference 2016

Am 08. und 09. Juni traf sich die Web- und Digitalisierungs-Elite in Berlin zur zweiten NOAH Konferenz in der deutschen Hauptstand – diesmal mit Axel Springer als offiziellem Co-Host. Und das Line-Up konnte sich mehr als sehen lassen. Mehr als 100 Speaker aus allen Erdteilen – inklusive einiger echter Highlights u.a. dem Daimler-Vorstand Dr. Dieter Zetsche sowie dem aktuell wohl begehrtesten Rech-Unternehmer und ein einem der reichsten Amerikaner, Travis Kalanick – seines Zeichen Gründer und CEO von Uber.

Den Anfang aber machte kein geringerer als Dr. Klaus Hommels, einer der angesehensten und erfolgreichsten Investoren weltweit, der in der Vergangenheit mit sehr frühen Investments u.a. bei Skype, Facebook und Spotify seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis stellt.
 
Aktuell bzw. bereits seit längerem sei die Diskussion einer Blase im Techumfeld zu hören. Seine Antwort darauf: Blasen sind gut, weil sie privates Kapital für Investitionen in interessante Firmen und Technologien freisetzen – und davon gibt es jede seiner Meinung nach jede Menge.
 
Darüberhinaus führt er aus, dass die aktuell erfolgreichsten Unternehmen in „Blasenzeiten“ entstanden sind, so z.B. auch Facebook oder Spotify in die er beide investiert hat.
 
Wer angst hat, sollte seiner Meinung nach nicht investieren, da Angst ein schlechter Ratgeber sei. Auf der anderen Seite gibt es derzeit ja auch nur sehr wenige vernünftige bzw. rentable Anlagemöglichkeiten. Insofern ist aktuell ein idealer Zeitpunkt um Geld – das zweifelsohne vorhanden ist – in junge, erfolgsversprechende Unternehmen zu stecken.
 
Das Duell Daimler gegen Uber
 
Natürlich wurde mit größter Spannung der „Schlagabtausch“ zwischen der Old-Economy in Form von Daimler CEO Dieter Zetsche und dem Uber-(Wunder-)Kind Travis Kalanick der New-Economy erwartet, das bereits im Vorfeld entsprechend hoch stilisiert wurde. Und die Vorzeichen standen durchaus gut, dass es sich hier um ein heißes „Battle“ handeln könnte. Zumal weder Zetsche auf den Mund gefallen ist und insbesondere der amerikanische „Kontrahent“ in der Vergangenheit durch Aussagen wie z.B. „Wir befinden uns in einer politischen Kampagne, in der der Kandidat Uber heißt und der Gegner ein Arschloch namens Taxi.“ aufgefallen ist.
 
Moderiert wurde das Ganze vom „Einpeitscher“ Kai Diekmann, seines Zeichens Herausgeber der Bild-Zeitung und immer für ein paar knackige Thesen und Aussprüche gut. Darüberhinaus gab sich der Veranstalter alle Mühe, das Aufeinandertreffen stilgerecht zu inszenieren – mit „Eye of the Tiger“ und einem Cabrio-Trabi in dem die beiden Protagonisten von Diekmann auf die Bühne chauffiert wurden.
 
 
 
Den Anfang machte Travis Kalanick, der von Beginn an sehr darauf bedacht war seine Firma als ökologischen Heilsbringer zu präsentieren in dem er vorrechnete wieviele Autos aktuell nur für den Weg von und zur Arbeit genutzt werden und den Rest des Tages nutzlos umher stehen. Den Platz für Parkplätze könnte man sich zukünftig durch Sharing mit Hilfe von UberPool sparen und zudem auch jede Menge CO2 vermeiden – er bezeichnete dies ganz Ami-Like mit dem Worten „turning our cities into greener cities…“.
 
Und Uber bewegt inzwischen – im wahrsten Sinne des Wortes – jede Menge. So werden aktuell jeden Monat über 30 Mio. Rides durch Uber gezählt und alleine in China gibt es mittlerweile 18 Städte mit über 100.000 Fahrern – Tendenz steigend!
 
Auch finanziell ist das noch junge Tech-Unternehmen durch das kürzliche Investment des Saudi Arabischen Staatsfonds mit einer Bewertung von derzeit rund 60 Mrd. Dollar (!!!) inzwischen auf Augenhöhe zum deutschen Vorzeige-Autobauer! Auf die Frage ob er denn zukünftig auch Autos bauen möchte, antwortet Kalanick dass Uber zwar ein Technologie-Unternehmen ist, er sich aber die Autoproduktion „nicht antun möchte“. Er strebt dann eher Kooperationen mit Unternehmen an, die darin Erfahrung haben. Warten wir´s mal ab….
 
Im Vorfeld wurde ja auch bereits spekuliert, dass Uber möglicherweise 100.000 Mercedes S-Klasse Limousinen geordert hat. Dem widersprach Kalanick und auch Zetsche wollte sich dazu nicht äußern bzw. dies nicht bestätigen.
 
Nach dem „Jungspund“ war dann der „Altmeister“ aus Deutschland an der Reihe, der – passend zum Umfeld und Publikum in Jeans, Hemd und Turnschuhen auf die Bühne federte und in seinen Ausführungen – nicht nur die gewählten Klamotten – einen aus meiner Sicht sehr guten Eindruck hinterließ.
 
Witzig und redegewandt erläuterte Zetsche, wie sich Daimler vom Autohersteller zum Mobilitätsanbieter entwickeln möchte und hier bereits sehr konkrete Maßnahmen ergriffen hat.
 
Eingangs ging er auf das Thema Autonomes Fahren ein und erläuterte, dass die aktuelle E-Klasse derzeit das einzige Serienfahrzeug ist, das mit minimalen Softwareanpassungen in Nevada die Genehmigung für autonome Testfahrten im öffentlichen Straßenverkehr erhalten hat. Bei dieser Gelegenheit erwähnte er auch, dass Daimler bereits seit vielen Jahren an dieser Technologie arbeitet und inzwischen im Bereich der künstlichen Intelligenz und Machine-Learning – sog. Deep Learning Algorithms extrem weit sei… Einen Vorgeschmack darauf lieferte er durch ein paar Insights zur Studie F 015, die vollkommen autonom fahren kann und über verschiedenste Komfort-Features verfügt.
 
Als drittes Beispiel der Transformation von Daimler nannte Zetsche das Unternehmen car2go, das Daimler übernommen hat und mit dem man sich online ein Auto für Kurzstrecken mieten kann. Das Ganze funktioniert ausschließlich über ein App. Am Ende wird das Auto einfach wieder abgestellt und per App abgeschlossen. Zudem hält Daimler eine Beteiligung am Limousinen-Service Blacklane.
 
Diekmann versuchte am Ende doch noch etwas „Feuer“ in das Aufeinandertreffen zu bekommen und argumentierte, wie es Zetsche denn findet, wenn sein Gegenüber dafür sorgen möchte, dass durch Sharing-Modelle weniger Autos verkaufen werden. Dr. Z. antwortete daraufhin recht souverän, dass es auch nicht von der Hand zu weisen sei, dass hier zukünftig mehr Effizienz (und damit eine geringe Nachfrage nach gekauften Autos) nötig sein wird und diese auch kommen wird. D.h. die Zeit ändert sich einfach, und zukünftig werden nun mal weniger Autos verkauft werden. Die Aufgabe von Daimler besteht darin, sich auf dieses sich ändernde Umfeld entsprechend einzustellen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Diekmann bohrte nochmals nach und fragte, wie man denn mit Sharing-Modelle dann Geld verdienen will. Die Antwort von Zetsche kam prompt und recht überzeugt: „Wie will man denn zukünftig ohne solche Modelle noch Geld verdienen!“
Insofern findet hier anscheinend schon ein massives Umdenken statt und die Branche ist – nicht zuletzt durch diverse Tech-Unternehmen – inzwischen aufgewacht!
 
Alles in allem war es ein netter „Schlagabtausch“ ohne große Neuigkeiten, Skandale oder ähnliches – aber mit einem für mich klaren Gewinner – nämlich Daimler, das durch Dieter Zetsche in diesem Haufischbecken sehr gut repräsentiert wurde.
 
Mehr zur Noah Konferenz und den Erkenntnissen daraus folgen….

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