Geniale Taktik zum Linkaufbau

inks so effektiv aufbauen, dass man gar nicht glauben kann, dass keine Blackhat-Methode dahintersteckt - mit dieser Überschrift hat kürzlich ein Beitrag auf SEOmoz Interesse geweckt. Die Idee, die darin steckt, ist auch im Grund nicht dumm. In der Praxis ist das aber nicht so einfach, wie ich testweise festgestellt habe. Aber alles der Reihe nach.

Grundidee

  • Man suche sich Seiten, auf denen bekanntgegeben wird, dass ein bestimmtes Angebot nicht mehr verfügbar ist. (Diese Seiten werden im Folgenden "verwaiste Seiten" genannt.)
  • Die Betreiber dieser Seiten schreibe man an und bitte sie, auf die eigene Seite zu verlinken. Damit erhält die verwaiste Seite wenigstens einen gewissen Inhalt bzw. Wert und stellt für die Besucher keine nutzlose Sackgasse dar.
  • Man suche ferner die Seiten, die auf diese verwaiste Seite verlinken.
  • Diese bitte man, nicht mehr auf die verwaiste Seite, sondern auf die eigene Seite zu verlinken, da dort zum jeweiligen Thema wirklich noch nützliche Inhalte vorhanden sind.

Theoretische Bewertung

  • Eine verwaiste Seite ohne wertvolle Inhalte wird über kurz oder lang aus der Gunst der Suchmaschinen fallen. Der Link erhält weniger Gewicht und ist für die eigene Suchmaschinenposition weniger nützlich. Gleichzeitig sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Besucher aus den Suchergebnissen auf die verwaiste Seite kommen und dem neuen Link folgen.
  • Wenn es gelingt, die Links auf die verwaiste Seite auf die eigene Seite umzuleiten, sinkt natürlich die Anzahl der auf die verwaiste Seite eingehenden Links. Wenn man nach die alte Theorie des Page Ranks zugrunde legt, hat dann der Link von der verwaisten Seite weniger Gewicht.
  • Die Links auf die verwaiste Seite auf die eigene Seite umzuleiten, ist schon ziemlich genial - vorausgesetzt, die eigene Seite biete wirklich wertvolle Inhalte. Denn dadurch wird dem Betreiber der verlinkenden Seite und seinen Benutzern ein echter Mehrwert geboten. Bleibt zu hoffen, dass der Betreiber dies erkennt und den Link tatsächlich ändert.
  • Wenn allerdings meine Seite und die Seite, die auf die verwaiste Seite verlinkt, das gleiche Thema behandeln ohne dass eine Konkurrenzsituation besteht, wäre es sowieso sinnvoll, wenn es hier Links gäbe. Diese Linkpartner hätte man also schon bei einer thematischen Suche gefunden haben können, und man hätte nicht darauf warten müssen, bis ein anderer Anbieter seine Aktivitäten einstellt. Aber besser spät als nie...

Praktische Anwendbarkeit

Wie findet man nun also solche Linkgeber? Sucht man nach "Seite nicht mehr verfügbar" findet man viel, aber wenig nützliches:

  • Auf vielen Seiten steht eben genau nur dieser Text und mehr nicht. Es gibt kein Impressum, und so weiß man gar nicht, wen man um die Verlinkung bitten soll. Man könnte zwar den Besitzer der Domain ermitteln, aber das wird in diesem Fall wenig Sinn haben, weil die Domain wahrscheinlich schon gekündigt ist und die Dummy-Seite nur noch bis zum Ende des Buchungszeitraums bestehen bleibt.
    Unter diesem Suchbegriff findet man natürlich auch jede Menge 404-Seiten existierender Websites. Und diese werden mit Sicherheit nicht auf eine externe Site verlinken, da sie ja den Besucher trotz des Malheurs auf ihrer Site behalten wollen.
    Dass diese Suche so viele Ergebnisse der oben genannten Art bringt, ist eigentlich überraschend, fast schon ein wenig erschreckend. Fehlerseiten sollten eigentlich schon vom Anbieter aus von der Indizierung ausgeschlossen werden, und inhaltsleere Seiten sollten die Suchmaschinen-Spider auch ignorieren....
  • Ich habe eine Seite gefunden, auf der in einem längeren Text erklärt wird, dass ein bestimmtes Angebot aus finanziellen Gründen nicht mehr verfügbar ist. Hier wäre ein Link auf einen anderen Anbieter durchaus sinnvoll, und vielleicht würde sich sogar eine Zusammenarbeit der beiden Anbieter ergeben, wenn die Ideen und der Wille noch vorhanden sind und wirklich nur die leere Kasse an der Aufgabe schuld war.
  • Es gibt wieder andere Seiten, die zwar unter der bisherigen URL nicht mehr verfügbar sind, wohl aber unter der angegebenen neuen URL. Und auch in diesem Fall wird keine zweite URL gewünscht sein, die die Besucher in fremde Gefilde verweist. Bei solchen Konstellationen stellt sich allerdings auch wieder eine Frage: Warum wird von der alten URL nicht einfach mit einem permanent redirect auf die neue weitergeleitet? Das würde jedenfalls die Wahrscheinlichkeit, den Benutzer zu verlieren, minimieren.
  • Mit manchen Seiten, die anzeigen, dass etwas nicht mehr verfügbar ist, lässt sich die Strategie einfach nicht anwenden. Wenn beispielsweise eine Aktion schlicht und einfach beendet ist oder ein Beitrag aus Altersgründen gelöscht wurde, kann man als Externer nichts machen. Denn neue Aktionen oder Berichte sind dem Anbieter hier wesentlich lieber als ein Link auf eine andere Seite.
  • Ein Fall erschien mir zunächst vielversprechend, nämlich eine fast leere Unterseite einer bestehenden Site. Es hätte sein können, dass hier der Betreiber wirklich nur ein Thema aufgegeben hat. Leider stellte sich dann aber heraus, dass a) die Site völlig indiskutabel war (optimiert für IE5 und verfügbar als klassische und moderne Version mit Frames) und b) kein ganzes Thema aufgegeben wurde, sondern offensichtlich nur eine Unterseite entfernt wurde.

Auch die Suche mit anderen Suchbegriffen wie z.B. "eingestellt", "angebot beendet" brachte ähnliche Ergebnisse:

  •  Auf einer Seite wurde mitgeteilt, dass das Angebot aus zeitlichen Gründen beendet wurde. Das wäre grundsätzlich ein guter Anknüpfpunkt für einen Link auf eine Seite, die ein ähnliches Angebot noch bietet. Aber in diesem Fall gab es auch kein Impressum, also keine Kontaktdaten. Und schließlich fehlte auch die genaue Information, was denn da genau eingestellt wurde und was folglich ein sinnvoller Ersatz sein könnte. Immerhin besteht bei zeitlichen Gründen die Hoffnung, dass die Domain weiter betrieben und vielleicht später wieder belebt wird.

Fazit

Mit der Überschrift hat SEOmoz wohl ein bisschen dick aufgetragen. Oder ist die Lage in Amerika einfach anders? Denn normalerweise bietet SEOmoz ja sehr gute Beiträge. Die Idee ist ja grundsätzlich nicht schlecht, aber meine Tests haben keine brauchbaren Ergebnisse geliefert. Man müsste halt wirklich eine Seite innerhalb einer aktiven Site finden, die darüber informiert, dass ein isoliertes Thema nicht mehr bedient wird. Und dieses Thema muss dann auch noch genau das der eigenen Site sein. Wahrscheinlich kommt man zu solchen Seiten eher über eine thematische Suche oder indem man von der Einstellung aus anderen Quellen erfährt. Aber wer mal ein paar Stündchen investieren möchte, kann diesen Ansatz natürlich jederzeit mal ausprobieren. Außer Zeit kostet er ja nichts, und vielleicht ist mein Ergebnis auch nicht ganz repräsentativ.

Etwas Gutes steckt auch noch in dem Ansatz: Nämlich die Anregung, ausgetretene Wege zu verlassen, mal die Gedanken spielen zu lassen und neue Ideen zu generieren. Und wer darin gut ist, hat sicher in vielerlei Hinsicht die Nase vorn.

Und noch eins gehört im Fazit auch nochmal gesagt: Diese Suchanfragen haben gezeigt, dass Google doch so einiges an Schrott im Index hat. Sicher habe ich Suchbegriffe verwendet, für die niemand seine Seiten optimiert, so dass dabei realistischerweise mehr Spreu als Weizen zu erwarten ist. Aber offenbar scheint die Nützlichkeitslatte, die Seiten überwinden müssen, um in den Index zu kommen, ziemlich tief zu liegen. Oder werden Seiten, die irgendwann mal reingekommen sind, nie wieder gelöscht? Aber das ist ein anderes Thema, das ich hier und heute gar nicht weiter betrachten möchte.

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