Ist die Digitalisierung in deutschen Unternehmen angekommen?

Die meisten Unternehmen in Deutschland haben mittlerweile die Notwendigkeit erkannt, in digitale Technologien zu investieren. Sie passen dabei gerade ihre Geschäftsprozesse an oder sie entwickeln komplett neue Geschäftsmodelle. Zu diesem Ergebnis kommt die IDC MaturityScape Benchmark Assessment “Unternehmen zwischen Tradition und Wandel - Die digitale Transformation in Deutschland”. Bei der Geschwindigkeit der Umsetzung hapert es laut IDC Studie aber immer noch.

Selbsteinschätzung der Unternehmen

Die IDC Studie zeigt deutlich, dass die Realität und Selbsteinschätzung im Bereich der Digitalen Transformation, nicht unbedingt immer übereinstimmen. So schätzen sich 62 % aller befragten Unternehmen im Bereich der Digitalisierung auf Augenhöhe mit ihren Wettbewerbern ein. Nach dieser Selbsteinschätzung könnte man zum Ergebnis kommen, dass die Digitale Transformation auf Hochtouren läuft. Leider stellt die IDC Studie klar fest, dass die Selbsteinschätzung der Unternehmen häufig viel zu hoch angesetzt ist und der Reifegrad der Unternehmen in der Realität deutlich niedriger ausfällt.

Reifegrad der Unternehmen

Die IDC Studie hat für die Bestimmung des Reifegrads fünf Kategorie definiert und ist bei der Befragung der Unternehmen zu folgendem Ergebnis gekommen:

  • Digital Resister: 19 % der befragten Unternehmen können dieser Reifegradstufe zugeordnet werden. Unternehmen in diesem Reifegrad gehen davon aus, dass die Digitale Transformation für sie nur eine Nebenrolle spielt und für den Unternehmenserfolg nicht wichtig ist.
  • Digital Explorer: 37 % der Unternehmen befinden sich gerade in dieser Reifegradstufe. Die Unternehmen befassen sie mit der Digitalen Transformation und setzen bereits vereinzelte Projekte um. Bei den Unternehmen herrscht ein hoher Grad an Unsicherheit, wie sie die Digitale Transformation umsetzen sollen.
  • Digital Player: Unternehmen in dieser Reifegradstufe setzen neue Technologien in einzelnen Bereichen ein. Eine Implementierung neuer Technologien auf das ganze Unternehmen hat noch nicht stattgefunden. Dabei steht die Optimierung der bestehenden Prozesse im Vordergrund. Als “Digital Player” können 27 % der befragten Unternehmen bezeichnet werden.
  • Digital Transformer: Mit 12 % der Unternehmen sind die Digital Transformer noch deutlich eine Minderheit in Deutschland. Digitale Technologien werden bei diesen Unternehmen konsequent für Produkte, Dienstleistungen und Kundenerlebnisse eingesetzt. Dort ansässige Unternehmen sind in der Regel Marktführer. 
  • Digital Disruptoren: Stellen mit einem Anteil von 4 % aktuell einen absolute Ausnahme im Bereich der Digitale Transformation dar. Derartige Unternehmen zeichnet hohe Experimentierfreudigkeit und Risikobereitschaft aus. Sie haben innovative Geschäftsmodelle hervorgebracht und sind in der Lage, komplett neue Märkte zu ihren eigenen Bedingungen zu schaffen.


Diese Ergebnisse zeigen eindeutig, wie weit Selbsteinschätzung und Realität auseinander liegen. Zirka ⅕ aller Unternehmen gehen davon aus, dass sie von der digitalen Transformation überhaupt nicht betroffen sind. Dass sich die Digitale Transformation in Deutschland noch immer in den Kinderschuhen befindet, lässt sich aus dem großen Anteil der Digital Explorer & Digital Player mit 64 %, gut erkennen. Diese Unternehmen befinden sich gerade am Anfang der Entwicklung und haben noch einen langen Weg vor sich. Laut der IDC Studie muss man davon ausgehen, dass über 84 % aller befragten Unternehmen noch gar nicht bzw. gerade erst begonnen haben, sich mit der Digitalen Transformation zu beschäftigen.

Der entscheidende Faktor in der Zukunft, wird die Schnelligkeit der Digitalen Transformation, darstellen. Dies ist eine weitere wichtige Feststellung der IDC Studie. Der Abstand der Digitalen Transformer und Disruptoren zu den restlichen Unternehmen, wird in Zukunft stark zunehmen. Diese Unternehmen haben die Möglichkeiten der Transformation rechtzeitig erkannt und können jetzt schnell auf Marktveränderungen reagieren.



Handlungsfelder

IDC hat innerhalb des IDC Benchmark Assessments fünf Handlungsfelder definiert, in denen die Unternehmen ihre Digitale Transformation vorantreiben können und müssen. Um den Transformationsprozess erfolgreich in einem Unternehmen etablieren zu können, ist die Bearbeitung aller Handlungsfelder notwendig. Die IDC Studie kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die Unternehmen aktuelle nicht in der Lage sind, sich mit allen Handlungsfelder in ausreichendem Maße zu beschäftigen. Die Konzentration auf einzelnen Handlungsfelder ist aber auf Dauer nicht zukunftsfähig, da im Rahmen der Digitalisierung sämtliche Unternehmensbereiche miteinander verknüpft sind.



Bedeutung der IT

Die IDC Studie stellt klar fest, dass für die Digitale Transformation eine flexible, skalierbare Informationsarchitektur im Unternehmen vorhanden sein muss. Leider lässt sich in vielen Fällen diese Anforderung mit den vorhandenen IT-Ressourcen nicht vollständig und in ausreichendem Maße umsetzen.

Aus diesem Grund müssen Unternehmen laut IDC Studie die Modernisierung der vorhandenen Informationsarchitektur zügig angehen, um in der Zukunft mit der Konkurrenz mithalten zu können. Dabei sollte vor allem auf digitale Plattformen wie z.B. Cloud Computing zurückgegriffen werden. Diese Aussage wird von Johann Hofmann, Maschinenfabrik Reinhausen GmbH geteilt: “Die Cloud wird künftig der Enabler für technologischen Fortschritt wie beispielsweise künstliche Intelligenz sein und sich zum Innovationstreiber entwickeln. Eine deutsche Cloud gibt uns dabei sowohl emotionale als auch reale Sicherheit, da die Daten durch das Hosting hierzulande unserem Datenschutzrecht unterliegen.”


Fazit

Die Digitale Transformation steckt trotz des anhaltenden Hypes um das Thema auch weiterhin vielfach noch in den Kinderschuhen. Hier darf man sich auch nicht von der Selbsteinschätzung mancher Unternehmen täuschen lassen. Die IDC Studie zeigt eindeutig, dass sich die Mehrheit der Unternehmen (noch immer) nicht im ausreichendem Maße mit der Digitalen Transformation beschäftigen und es einen nicht unwesentlichen Anteil an Unternehmen gibt, die die Zeichen der Zeit nach wie vor nicht erkannt haben.

In nur 16 % aller befragten Unternehmen wird die Digitale Transformation konsequent angegangen und umgesetzt. Dieser Umstand ist auch deshalb problematisch, weil sich der Abstand zwischen den Digitalen Transformer und Digitalen Disruptoren und den Player und Explorer immer weiter vergrößert. Dadurch können Unternehmen immer häufiger den Anschluss verlieren und auf Dauer obsolet werden. Aufgrund der enormen Dynamik und des immer besseren und umfangreicheren Zugangs zu neuesten Technologien - Stichwort: künstliche Intelligenz - wird der bekannte Ausspruch “Too big, to fail!” zukünftig immer häufiger unzutreffend sein. Hier gab es in der Vergangenheit bereits namhafte Beispiele wie Nokia oder Agfa. Zukünftig wird sich dieser Trend noch beschleunigen. Als Unternehmen muss man zukünftig noch stärker mit Zeit und Technologie gehen. Andernfalls steigt die Gefahr auf absehbare Zeit in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden überproportional.

Sollen Sie weitere Fragen zur digitalen Transformation oder ganz allgemeinen zu einem E-Commerce und /oder Digitalisierungsprojekt haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

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