Magento Performance

Immer wieder macht das Gerücht die Runde, die Performance, also die Seitenladedauer, die Zugriffszeiten und der Datendurchsatz, der nagelneuen Shoplösung Magento Commerce sei grottenlangsam, ja von Schneckentempo ist sogar die Rede.

Was ist denn nun dran an diesen Einschätzungen? Sind es nur rein subjektive Beobachtungen oder lassen sie sich durch Fakten untermauern? Stimmt es am Ende wirklich, dass Magento Commerce sogar von einer Schildkröte überholt wird?

Magentokröte

Die Antwort ist ein ganz klares jein. Auf der einen Seite ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Seitenladezeiten von Magento hinter der von z.B. osCommerce hinterherhinken. Andererseits ist meines Erachtens ein zu direkter Vergleich der beiden Systeme nicht angebracht.

PHP-Äpfel und Java-Birnen

Warum kann man Magento Commerce nicht mit all den anderen vergleichen? Das ist recht einfach erklärt: während xt:Commerce, xoom, und wie sie nicht alle heißen, die leicht aufgebohrten aber im Kern immer noch unveränderten Abkömmlinge des inzwischen bereits 8 Jahre alten osCommerce sind, stellt Magento eine absolute Neuentwicklung dar. Auch Shops wie z.b. der FWP Shop und andere kleine PHP-Shops sind für einen direkten Vergleich ungeeignet. Es ist wie mit den Äpfeln und Birnen – ein Vergleich klappt nicht so richtig.

Auf Grund nur einer einzigen Tatsache drängt sich der direkte Vergleich zwischen Magento und den bisherigen OpenSource-Shops überhaupt erst auf: beide sind in PHP programmiert. Doch da hören die Gemeinsamkeiten eigentlich auch schon wieder auf.

Wäre Magento Commerce in Java geschrieben, wie es lange Zeit für Software auf Enterprise-Niveau üblich war – würde niemand wagen, schlechtere Performance als bei einem „billigen“ PHP-Shop anzuprangern. Und von Enterprise-Software kann bei Magento allemal die Rede sein. Wer käme schon auf die Idee, eine J2EE oder JBoss Anwendung auf einem Webspace für 6,50€ pro Monat laufen zu lassen (angenommen es wäre überhaupt möglich)? Für eine solche Software ist mindestens ein großes Shared-Hosting Paket, besser noch ein eigener Server zu betreiben. Dann stimmt’s auch mit der Geschwindigkeit.

Ist das alles denn überhaupt gerechtfertigt?

Hier bietet sich ein Vergleich zu anderen Softwareprodukten an. Wer ein neues Betriebssystem auf seinem Computer haben will, mit vielen tollen neuen Funktionen, wundert sich auch nicht darüber dass es entweder langsamer läuft als das alte, oder dass er einen schnelleren Rechner kaufen muss. Genauso läuft es doch mit Computerspielen: schönere Grafik, größere Spielgebiete – aber dafür muss ein richtig dicker Computer her, oder es erinnert eher an eine interaktive Diashow als an ein Spiel.

Nichts anderes als eie Software ist auch Magento Commerce. Läuft sie auch nicht auf dem heimischen PC, sondern einem Server in einem Rechenzentrum, so bleiben die Regeln gleich: Mehr Funktionen bedeuten mehr Leistungsbedarf.

Tröstlich sind hier die Folgen, die sich daraus ergeben. Während man beim einpflegen von Produktdaten im osCommerce (und seinen Abkömmlingen) regelmäßig Magenschmerzen bekommt, so ist es unter Magento die reinste Freude. Zeitgesteuert unterschiedliche Layouts? Kein Problem. Umfangreiche Umsatz- und Besucherstatistiken? Bereits integriert. Flexible Im- und Exportmöglichkeiten? Magento bietet auch das.

Doch das ist nur die eine Seite. Die andere- für ein langes Shop-Leben noch wichtigere, ist die Möglichkeit, auf einfache und vor allem saubere Weise neue Module und Erweiterungen zu programmieren, die sich wie ein Legostein perfekt in das restliche System einfügen, und bei Bedarf einfach auch wieder entfernt werden können.

Ob es einem die etwas höheren Hostingkosten wert sind, muss jeder selbst wissen.

Darfs auch eine ganze Serverfarm sein?

Wenn von abstrakten Begriffen wie „mehr Leistungsbedarf“ die Rede ist, fällt es natürlich schwer, sich etwas darunter vorzustellen. Grob geschätzt tut es für einen mittelgroßen Shop ein Managed- oder Rootserver der unteren bis mittleren Preiskategorie, die sich alle um etwa 100€/mon. einpendeln. Eine Serverfarm wird nur für die allergrößten Shops vonnöten sein – so groß, dass sie es sich auch locker leisten können.

Mit reinem Shared-Hosting kann es auch klappen – aber Wunder darf man nicht erwarten. So wie eben auch ein Windows Vista auf einem 500MHz Rechner kaum Freude bereitet.

Nur so kann ein Shop mit den Ansprüchen des Betreibers mitwachsen, und wird nicht nach einiger Zeit zum sprichwörtlichen Klotz am Bein.

Fazit

Magento Commerce bietet eine Unzahl an neuen Funktionen und Möglichkeiten auf Enterprise-Ebene. Doch diese Fortschritte bekommt man nicht geschenkt – man erkauft sie sich durch höheren Hardwarebedarf. Da jedoch die Server von Hostern immer leistungsfähiger werden, und Hardware generell immer billiger, entscheide zumindest ich mich für die schier grenzenlosen Möglichkeiten von Magento, die andere OpenSource-Shops wie angestaubte Überbleibsel einer vergangenen Epoche erscheinen lassen.

37 thoughts on “Magento Performance

  1. Die zusätzliche Funktionalität, die Magento mitbringt, ist nichts, was auf die Performance des Systems durchschlagen dürfte. Hier hilft auch eine Rechtfertigung über den Vergleich mit Enterprise-Systemen nichts. Magento ist im derzeitigen Zustand unbenutzbar, egal ob man Webspace oder Root-Server nutzt.

  2. Warum denkst Du das man Magento nicht mit dem FWP shop, Zen Card, … vergleichen darf? Ich überlege gerade welches System wir einsetzen wollen (kein Tante Emma Laden ;))

    Mein aktueller Favorit ist FWP:

    – Im/ Export Schnittstelle ist da
    – Umfangreiche Statistik auch
    – Gut dokumentierter Code
    – Das wichtigste ein super netter und kompetenter Support

    Ich denke es ist falsch einfach zu sagen, Magento ist „Enterprise“ und damit kann man es mit keinem anderen vergleichen.

    Versteh mich nicht falsch, unsere Entscheidung ist noch lange gefallen. Ich denke nur man sollte nicht einfach sagen – Magento ist Enterprise, dann kann es langsam sein.

    Diese Performance-Problem haben auch keinen linearen verlaufen, d.h. bei 10x sovielen Kunden brauchst Du 20x/30x/..100x mal soviel Hardware.

    Gegen so einen Wachstum kann man nicht einfach mit Hardware gegenan skallieren. Auch nicht wenn man ein „unendliches“ Buget hat.

    Ich denke die müssen noch viel an ihrem Shop machen. Vielleicht sollten sie einfach mal etwas von ihrem „Enterprise“-Marketing-Buget abziehen und in die Entwicklung stecken ;).

  3. nachtrag:

    Zeitgesteuerte Templates sind in jedem Template basierten System in ganz kurzer Zeit realisierbar. Denn man muss hier ja lediglich noch die Zeitsteuerung einbauen und ein vergleich mit der aktuellen Uhrzeit sollte ja ncht so schwer sein 😉

  4. Ich habe vor einigen Tagen schon in meinem Blog über die Geschwindigkeitsprobleme von Magento berichtet. Nun haben sich Roy Rubin und Yoav vom Magento-Team sich dazu geäußert. Eine Aussage ist u.a., dass Magento nun mal eine Enterprise-Software ist und daher ein low-level-shared-Server dafür in der Regel nicht ausreicht. Und meine Befürchtung, dass „normale“ Programmierer mit der Objekt-Orientierten Programmierung überfordert sind, wurden von den Beiden auch bestätigt. Die Beiträge sind sehr interessant. Es scheint so, als ob die Probleme nicht softwareseitig lösbar sind …

  5. Echt gute Seite, macht super Spass hier zu lesen. Interessante Artikel, die gut geschrieben sind. Hoffe bald mehr von Euch;-)

  6. Wenn hier über die Performance von Magento die Rede ist, was sollen die Vergleiche zur eingebauten Featurefülle oder dass es eine Enterprise Software ist? Was hat das mit der Geschwindigkeit zu tun?

    Darf Enterprise Software langsam sein oder wie soll man das verstehen? Oder benötigen etwa die flexiblen Im- und Exportmöglichkeiten Serverressourcen, auch wenn sie nicht genutzt werden?

    Wenn der Magento auf einem eigenen Rootserver schneller läuft, wie schnell laufen dann die ganzen anderen Shopsysteme? Hier wurde die Rechnung einseitig gemacht.

    Inwiefern der Performancevergleich zwischen Shopsystemen (die auch noch diesselbe Programmiersprache nutzen) ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen ist, bleibt mir ein Rätsel.

  7. Darf eine Software, die deutlich mehr und dazu noch ausgereiftere Funktionen bietet als seine Vorgänger, mehr Rechenleistung benötigen? Anders gefragt: Darf Windows XP mehr Rechenleistung benötigen als Windows 3.11?

    Darf es nicht. Natürlich nicht. Wäre ja eine Frechheit…

  8. Pingback: hype.yeebase.com
  9. Na klar dürfen neuere Systeme mit mehr Optionen langsamer sein bzw. mehr Resourcen verbrauchen – aber die hier angeführten Punkte sind fast alle unsinnig.

    Einzig die Statistiken können ein Performancefaktor sein – Import und Exportfunktionen und Funktionen zum Einpflegen von Artikeln oder zeitbasierte Templates sind tolle Funktionen, können oder sollten aber doch nie im Leben einen merklichen Einfluss auf die Performance des Systems (also den Seitenaufbau) haben.

    Vor allem ist diese Aussage lachhaft, weil magento es anscheinend nicht mal schafft, bei sich selbst die Demo auf einem anständigen Server zu installieren; die läuft nämlich auch schon grottenlangsam, was ich bis jetzt bei keinem anderen System gesehen habe. Da möchte man gar nicht dran denken, was man für Mosterfarmen benötigt, um ein paar 10000 oder 100000 User zu bewältigen. Im jetzigen Zustand, werden die Absprungraten von frustrierten Besuchern so hoch sein, daß man sich über die Nützlichkeit der tollen Funktionen als Shopbetreiber keine Gedanken machen muß.

  10. As I read the comments I see that there is some miss interpreting of what was said before by Roy Rubin or Me. We regard performance as a key to the success of the Magento project. Here at Varien we are dedicating many resources to work on improving performance and making Magento run faster. With this in mind I do agree that some of the people that complain about Magento’s performance are trying to run it on servers with very low hardware or on very cheap shared hosting environment. We currently have hosting partners that are able to run Magento with very good performance one that definitely is comparable with many other ecommerce sites that offer the same functionality as Magento. I also want to add that Magento was designed to be a very flexible application that will allow for developers to easily customize it and still keep the core code upgradable.
    This means that developers have the option to customize Magento’s modules to run as they see fit, if the out-of-the-box solution is not what they need.
    We welcome any comments and suggestions from our community and are dedicated to make Magento the best ecommerce solution out there.

    Thanks

    yoav

  11. Pingback: Magento Shopsoftware Testbericht | HB E-Commerce Blog
  12. @Markus Stockbauer
    Mal von der Performance abgesehen, auch das Lizenzmodell ist nicht durchschaubar, besonders was die komplizierte rechtliche Lage auf dem deutschen Markt angeht. Bei der GPL wurde mittlerweile u.a. per Gerichtsverfahren geklärt, was erlaubt ist und was nicht. Doch was ist mit dieser OSL 3.0 Lizenz?
    Ich fürchte, da werden Einige (insbesondere Dienstleister) noch ihr blaues Wunder erleben. Zumal im Internet explizit gewarnt wird, dass die OSL 3.0 nicht kompatibel zur GPL ist.

  13. @Bernd
    Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Hast du gerade eine Quelle zur Hand, wo vor den angesprochenen rechtlichen Bedenken in Zusammenhang mit der OSL 3.0 gewarnt wird? Was für eine Art von „blauem Wunder“ meinst du in Bezug auf die Dienstleister? Wäre dankbar für nähere Infos.

  14. Sorry, aber das Enterprise-Argument lasse ich nicht gelten.

    Erstens ist Magentocommerce keine Enterprise-Software, dafür gibt es viel zu wenige plattformübergreifende Schnittstellen und in Sachen Collaboration sieht es auch nicht besonders gut aus.

    Zweitens ist nicht alles was lahmarschig ist auch gleich Enterprise 😉

    Ich würde einfach akzeptieren, dass Magentocommerce ein guter Anfang, aber momentan noch schlicht und ergreifend zu lahm ist.

    Gruß,
    Markus

  15. Ich arbeite für eine größere Firma und wir haben den Server, auf dem Magento läuft selbst gebaut und konfiguriert – läuft wunderbar – nur wenn dann unsere 5000 Artikel, 9000 Attribute und ungefähr 30000 Kunden hinzukommen, ist einfach nur Pumpe.

    Ok, wir zeigen die Kategorien in 3 bis 5 Sekunden an, die Artikeldetailansicht in 6 bis 8 – aber 15 Sekunden um etwas in den WK zu packen, oder um die 15 bis 20 Sekunden pro Schritt im Checkout Prozess sind einfach zu viel.

    Unsere Hardware: 4 Kern Server CPU, 4GB Speicher, Fedora und der Cache liegt im tmpfs… – ich weiß nicht, was ich noch als Hardware benutzen soll, damit ein Onlineshop performant läuft.

    Magento ist ein super System, es ist aber am Reißbrett entstanden, ohne jeglichen praktischen Bezug, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass man so weiter programmiert, wenn man bei der Entwicklung bemerkt, dass es verdammt lahm ist. Das System ist für Bildungszwecke, zum Zeigen der Normalisierung von Datenbanken echt perfekt und von der Komplexität echt spitze – aber praktisch unbenutzbar.

  16. @Jörg: So ganz kann ich deiner Argumentation nicht folgen. Ich bin zwar kein Techniker, aber allein mit dem Hausverstand würde ich sagen: Varien wird sich sicher nicht lumpen lassen und nachbessern, falls es wirklich notwendig sein sollte. Nachdem sie bisher alle Zusagen eingehalten haben, habe ich da keinerlei Zweifel. Und um die Normalisierung von Datenbanken zu zeigen, muss man kein riesiges Shopsystem bauen.
    Aber natürlich muss nicht jeder Magento „lieben“, deshalb die Frage:
    Welches Shopsystem benutzt ihr denn? Und kann es alles das, was Magento kann und auch das, was Magento in euren Augen nicht kann?

  17. nun ich kann Jörg verstehen. auch wir haben magento auf einem rootserver installiert. sogar mehrfach. seltsam ist vorallem der umstand, jede installation ist unterschiedlich schnell.

    ich denke das produkt ist zur zeit ne gute rc1 aber eben nicht im livebetrieb funktionsfähig. man hat den termin geschafft. toll… nur das image leidet darunter.

    ich kann nicht verstehen wie man davon ausgehen kann, jeder shopbetreiber besorgt sich einen rootserver zzgl. admin. absolut weit entfernt von dem was man von einem entscheidungsträger erwartet.

    und zum thema enterprise. wenn ich enterprise will, will ich support und zwar in deutsch. ich will den der das verbockt vor ort sehen um ihm, wenn es sein muss einen tritt in den hintern zu verpassen. wenn ich also enterprise will, gehe ich zu intershop oder einen anderen kommerziellen anbieter. da kostet mich das ganze dann auch nicht mehr viel mehr. denn wenn ich rootserver und einen admin einrechne komme ich auf einen ähnlichen betrag :-)

    wir werden erst mal die nächsten monate abwarten und in der not doch was anderes nutzen. denn die kunden wollen ihre produkte verkaufen. denen ist es egal mit welcher software. hauptsache geld kommt in die kasse. :-)

  18. Pingback: Magento: schleichende Revolution? - Handelzweinull
  19. Über den ganzen Magento-Hype und xtc Ärger werden die anderen Anwendungen – einige wurden ja schon genannt – vergessen.
    Wie sieht es den eigentlich mit VirtueMart aus. Die 1.1 ist draußen und niemanden scheint das wirklich zu jucken. Alle Diskussionen über Shopsysteme behandeln „nur“ xtc oder Magento.
    Ist das System VM so schlecht oder nur zu unbekannt?

  20. Hallo alle zusammen,

    wirklich sehr interessante Beiträge hier zum Magento-Shop.
    Wir haben gerade unseren auf XT:Commerce basierenden Kochmesser Shop (kochmesser-shop.com) gelauncht.

    Ich hatte mir im Vorfeld auch den Magento-Shop als alternative angeschaut und auf einen leistungsstarken (und teuren) Server installiert. Das Ergebnis in Sachen Performance war wirklich erschreckend. Und die mangelnde Performance damit zu rechtfertigen, dass Magento in einer anderen Liga (höheren Liga – Enterprise) spielt, kann doch nicht euer Ernst sein, oder? Der Kunde will schnell und unkompliziert einkaufen – und nichts anderes. Dem ist es doch total egal, ob er von einem Enterprise-System „bedient“ wird oder von einer Low-Budget-Software. Hauptsache es läuft!

    Außerdem: Ich denke die Großen im E-Commerce (Otto, Tshibo, ect.) setzen auch Enterprise-Software ein (Intershop?). Und die Seiten haben eine super Performance – natürlich auch mit sehr guter Hardware 😉

    Gruß aus Hannover
    Michael

  21. @Michael: Ich geb Dir Recht, dass es dem Kunden egal ist welche Software bzw. Softwarearchitektur dahintersteckt, so lange die Performance passt und der Shop läuft. Aber wie sieht es denn mit Erweiterungen, Flexibilität, Skalierbarkeit und Updatefähigkeit aus – läuft er dann immer noch? Bislang gab´s da im Open Source Bereich nichts wirklich vernünftiges. Abgesehen davon mal Hand auf´s Herz: Ein vernünftig dimensionierter Server sollte bei jedem professionellen Shop eigentlich vorausgesetzt werden. Die Dinger kosten ja mittlerweile wirklich nicht mehr die Welt… Wer mit Magento nur spielen möchte, der sollte dann besser auf ein anderes Pferd setzen, denn hierfür ist das Ganze eher überdimensioniert.

  22. @Josef
    klar, die Stichworte „Erweiterungen, Flixibilität, Skalierbarkeit und Updatefähigkeit“ sollte man bei der Wahl des geeigneten Shopsystems durchaus berücksichtigen. ABER: Egal, wie hoch die Gewichtung der genannten Stichworte ausfällt, es bleibt leider dabei, dass Magento aus meiner Sicht im jetzigen Entwicklungsstand wegen der großen Performance-Probleme nicht für den produktiven Einsatz taugt.

    Das Shopsystem XT:Commerce, welches natürlich NICHT in einer Liga mit Intershop spielt aber für schätzungsweise 95% aller existierenden Onlineshops ausreichend dimensioniert ist, steht zurecht sehr häufig wegen der mangelhaften Architektur in der Kritik (PHP-, Smarty-, Javascript-, CSS-Code in einer Datei….). Daraus resultiert natürlich auch eine sehr beschränkte Updatefähigkeit.

    Dennoch bietet XT:Commerce eine Vielzahl von Erweiterungen und Möglichkeiten (durch die weite Verbreitung / Open Source), die es meiner Meinung nach leider bei noch keinen anderen Shop gibt. Natürlich könnnen da auch nicht die bekannten TYPO3 Shop-Extensions (Commerce, tt_products) mithalten.

    So kommt es, dass wir bei jeder Neuentwicklung – trotz der Suche nach geeigneter Alternativen – wieder bei XT:Commerce landen.

    Gruß an alle
    Michael

  23. @Michael: Gerade in diesem Bereich kochen die Emotionen in letzter Zeit häufig extrem hoch. Daher danke für dein ausführliches und offenes Statement.

    Wir sehen in Magento eine sehr interessante Shopalternative, daher haben wir uns auch entschlossen Gold-Partner zu werden. Dies bedeutet jetzt nicht, dass wir alle anderen Shopsysteme verteufeln. Wir gehen eher davon aus, dass der Shopsoftware-Markt weiter aufgeteilt wird. Insofern können wir es doch nur begrüßen, dass es weitere Alternativen gibt. Am Ende kann der Kunde dann entscheide, welche Lösung für ihn die optimale ist.

    Ich gebe Dir absolut Recht, dass xt:Commerce vom Funktionsumfang für die meisten Shopbetreiber ausreicht und auch die weite Verbreitung kein Nachteil ist. Jedoch achten die wenigsten hier auf eine vernünftige und saubere Software-Architektur. Dies wird dann interessant, wenn man den Shop erweitern oder anpassen möchte. Und generell sollte man ja davon ausgehen, dass der Shop wächst und irgendwann erweitert werden soll.Wir haben bislang die Erfahrung gemacht, dass es da häufig zu deutlichen Komplikationen kommen kann.

    Mit Magento sind wir ziemlich sicher, dass das nicht passieren wird – eben weil hier auf ein Framework gesetzt wird, das dafür sorgt dass die Architektur sauber bleibt. Das Ganze – da geb ich dir auch Recht – kostet Performance. Allerdings ist es in meinen Augen nicht so, dass es hier zu derart großen Unterschieden kommt. Wenn die Hardware passt und einige serverseitige Optimierungen vorgenommen werden, dann erreicht Magento auf unseren Test- und auch ersten Produktiv-Systemen, Performancewerte die in unseren Augen keinen Anlass zur Kritik geben.

    Varien nimmt die Kritik hinsichtlich Performance aber dennoch sehr ernst und wird mit dem Release 1.1 (kommt Ende Juni / Anfang Juli 08) nochmals nachlegen und verspricht in bestimmen Bereichen einen Zugewinn von bis zu 40%. Das zeigt auch, dass Feedbacks sehr ernst genommen werden und versucht wird, schnell und unbürokratisch zu reagieren – in meinen Augen auch ein weitere Pluspunkt für Magento.

  24. Also zum Support von Varien kann ich eigentlich nichts wirklich Gutes berichten. Ich habe das Gefühl, dass sie bis jetzt noch kein wirkliches Supportkonzept haben. Wir haben denen unseren Entwicklungsstand mit unseren Testdaten gezeigt (30.000 Kundensätze, 5.000 Artikel mit durchschnittlich je 100 Eigenschaften). Anstatt daraus einen wirklichen Vorteil zu ziehen, machte uns Varien das Angebot für eine nicht geringe Summe sich 10 Stunden lang ihr eigenes System hinsichtlich der Probleme mit unseren Daten anzuschauen und zu analysieren und uns Tipps zu geben, in welche Richtung wir Magento optimieren könnten. Klar muss Varien auch irgendwie Geld verdienen, aber so bezweifel ich, dass es etwas werden kann. Das Ganze allerdings ohne Erfolgsgarantie, wenn nach den 10 Stunden nichts gefunden werden würde, was man optimieren könnte, ist die Kohle weg und kein Nutzen da. Sehr blauäugig, wenn man davon ausgeht, dass man erstens Geld verdienen möchte und zweitens jemand anderes dafür bezahlen soll und drittens man ehrlich denkt, dass jemand mehrere tausend Euro in die Hand nehmen soll um sich 10 Stunden Entwicklungsarbeit zu kaufen, um ein Projekt optimieren zu können, das man selbst geschrieben hat und die Performanceprobleme seit mehreren Monaten entweder nicht in den Griff bekommt oder ignoriert.

    Das Release 1.1 hat eindeutig Performancevorteile gebracht, allerdings sind die auch eher verhalten zu sehen. Wir setzen zur Zeit ein Testtool ein um die Performance bei unterschiedlichen Datensätzen zu testen (selbst entwickelt) und haben Makros angelegt um verschiedene Aufgaben im System testen zu können, auch parallel und wir kommen immernoch auf Durchschnittszeiten von bis zu 8 Sekunden und das ist weit zu viel. Diese Zeiten sind wirklich sehr abhängig davon, wie viele Datensätze und vor allem Eigenschaften in der Magento Datenbank liegen. Zusätzlich bereitet es mir noch sehr große Kopfschmerzen, dass unterschiedliche Installationen auf der gleichen Hardware und gleichen Versionen so unterschiedlich schnell laufen…

  25. Wir haben uns Magento hier lokal auf einem IBM-Server mit 2 Proz. installiert. Fazit:
    1) Wirklich tolle Funktionen
    2) Schon lokal bei einem Benutzer wirklich langsam, wie das dann online bei 1000 Besuchern je Tag wird möchte ich mir nicht ausdenken.
    3) Es fehlt ein Template-System wie Smarty. Das Design ist nur sehr kompliziert anpassbar.

    Das sind leider zwei KO-Kriterien, bei allen netten Funktionen die das System hat. Weniger ist manchmal doch mehr, da bleibe ich beim guten CaupoShop, der setzt Smarty ein und benötigt keine Serverfarm.

  26. @Matthias: Jetzt bin ich doch etwas verwirrt. Wo haben wir denn geschrieben, dass Magento auf JAVA basiert? Die Software ist natürlich PHP.

    Die Anmerkung zu den Templates kann ich ehrlich gesagt auch noch nicht ganz nachvollziehen. Magento-Templates können selbstverständlich komplett angepasst werden. Im Artikel steht hier aber auch nichts Gegenteiliges.

    Einen ersten Einstieg in Magento vermittelt Dir unsere Schnelleinführung. Diese steht kostenlos unter: http://www.techdivision.com/blog/magento-schnelleinfuhrung/ zur Verfügung

  27. Ich kann die Geschwindigkeitsprobleme Magentos auch nicht nachvollziehen. Ich habe gerade 4500 Artikel importiert und das hat gleich mal 35 Minuten gedauert! Hätte ich sie einfach direkt ohne dieses MagentoFlow oder wie es heißt direkt in die Datenbank geschrieben würde es höchstens 2 Minuten dauern, keine Ahnung was Magento da so lange macht.

    Ein Lustiges Detail nebenbei ist, dass PHP da unter bestimmten Umständen Speicher für nicht mehr benutzte Objekte nicht freigeben kann, und da hilft auch unset() und solche sachen nichts. Das ist bei Magento dann auch wunderbar der Fall, so dass nach ca. 15 Minuten die 8 GB RAM meines Servers voll waren und ich den Server erst einmal neu starten musste :D. Jetzt lasse ich das Script sich nach 100 Artikeln selbst neu starten dann wird der Speicher freigegeben.

  28. Wir haben magento mit einem Profiler untersucht und auch mal geschaut, was an DB-Abfragen gemacht wird. Unser Eindruck: Das Ding ist grottenlahme Bloatware, weil sich anscheinend kein Entwickler die Mühe macht, drüber nachzudenken, ob es wirklich nötig ist, 50 Abfragen zu machen oder ob man die optimieren könnte. Werden Daten benötigt, werden die stur aus der DB geholt, ohne zu hinterfragen, ob das auch intelligenter geht.
    Typo3 ist auch berüchtigt für hohen Anspruch an den Server. Aber da ist ein wesentlich intelligenteres Caching integriert, was für im Schnitt 10x niedrigere Ladezeiten sorgt, obwohl auch jedes einzelne Inhaltselement Rechte-, Zeit-, und sonstwas gesteuert sein kann und tausende Konfigurationsvariablen berücksichtigt werden.

  29. @Jörg: Würde mich interessieren, wo ihr heute (fast ein Jahr später) mit eurem Magento Shop steht? Hat sich die Performance in den letzten Versionen verbessert? Verwendet ihr überhaupt noch Magento? Gibt es eine Möglichkeit, dass das von euch entwickelte Test Tool veröffentlicht wird?

  30. Ein neues System erfordert halt auch entsprechende Hardware – das wird meistens übersehen. Natürlich kann man auch mit den ein oder anderen Einstellungen auf älteren Systemen etwas herausholen, doch dazu raten wir nicht. Mittlerweile hat sich die Performance von Magento gesteigert – wir sind sehr zufrieden mit dem Shopsystem.

  31. Wirklich schnell wird Magento nur mit einem effizienten Caching-System, das außerhalb von Magento selbst angesiedelt ist.

    Faktor 100 für Magento gibt es hier:

    http://soprado.com/myracache/

    MyraCache wird eingesetzt von einigen Shops im Millionen-PI Bereich. Bei nahezu jedem Shop sieht man einen sofortigen Umsatzanstieg, weil die Leute einfach mehr kaufen.

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