Magento – Status Quo und Zukunft

Als im Herbst 2007 Magento das Licht der Welt als Alpha-Version erblickte, konnte man noch nicht erahnen, welchen Siegeszug die Open Source Shopsoftware einer damals noch recht kleinen „Web-Bude“ aus Los-Angeles antreten würde. Jedoch war es rückwirkend betrachtet das genau richtige Produkt zur richtigen Zeit: Der eCommerce war gerade am abheben und es gab mit oscommerce und xt:commerce erste Open Source Lösungen, die sich auch in recht großer Verbreitung widerspiegelten. Jedoch waren diese Tools wenig flexibel und ziemlich „unsexy“. Am anderen Ende gab es bereits echte Enterprise-Systeme wie z.B. Intershop oder IBM Websphere, die jedoch aufgrund der Lizenzkosten, der Systemkomplexitäten sowie der Systemanforderungen nur für einen sehr kleinen Teil von potentiellen „eCommerclern“ relevant waren. In nachfolgendem Beitrag erörtern wir den Ist-Zustand von Magento und beleuchten die aktuellen Magento-Trends.

Bereits während der Beta-Phase von Magento wurden rund 200.000 Downloads verzeichnet. So bildete sich bereits vor dem offiziellen Release von Magento 1.0 Ende März 2008 eine weltweite Community, die den Start der Software schon fast nicht mehr abwarten konnte. Als dann Magento 1.0 – rückwirkend betrachtet und aufgrund des enormen Drucks vom Markt auch sicherlich etwas zu früh – veröffentlicht wurde, waren die Kritiker – allen voran einige Shophersteller bzw. „Verbündete“ mit bestehenden Systemen – sehr schnell zur Stelle und attestierten Magento wenig Chancen weil zu langsam, zu unausgereift und, und, und…. Hier sei fairnesshalber erwähnt, dass einige Kritikpunkte gerade in den ersten Magento-Releases sicherlich nicht unbegründet waren. Jedoch hat Magento von Beginn an sehr hart gearbeitet und permanent ein „Scheibchen“ (oder auch mal mehrere…) nachgelegt, so dass seit Magento 1.5 ein aus unserer Sicht äußerst leistungsfähiges, flexibles und stabiles Shopsystem zur Verfügung steht.

 

Magento-Architecture-TechDivision
Quelle: Magento Commerce

 

Diese enorme Entwicklung blieb natürlich auch nicht unbemerkt und so war es aus unserer Sicht auch keine Überraschung als 2010 bekannt gegeben wurde, dass PayPal sich mit 49% an Magento beteiligt. Zu dieser Zeit war PayPal bereits Teil von eBay. Neben der Community Edition wurden 2009 auch zwei erste kommerzielle Produkte – Magento Professional und Magento Enterprise – gelauncht, die über weitere Funktionalitäten und Supportleistungen verfügten. Dadurch adressierte man primär anspruchsvolle Online-Händler mit höheren Anforderungen und Erwartungen an eine eCommerce-Plattform. Auch diese Rechnung ging – zumindest für Magento Enterprise als Flagschiff-Produkt – durchaus auf und es konnten recht schnell einige sehr namhafte Kunden – u.a. Zalando für deren erste Version – für Magento gewonnen werden. Insofern war es dann auch nur konsequent, als eBay im Juni 2011 bekannt gab, dass Magento komplett übernommen und in die eBay Unternehmensstruktur integriert wird.

Zu diesem Move wurden natürlich recht schnell sehr kritische Stimmen laut, die ein Ende von Magento prognostizierten und zum Teil recht „wilde“ Szenarien skizzierten. Rückwirkend betrachtet, kann auch die eBay-Ära – mit Ausnahme des X-Commerce-Experimentes – aus Magento-Sicht als äußerst erfolgreich bezeichnet werden. Nachfolgende Zahlen und Fakten sprechen für sich:

  • Mehr als 250.000 Installationen weltweit
  • Globaler Marktanteil im Bereich eCommerce von nahezu 30%
  • Riesige Entwickler-Community
  • Mit Magento Connect der größte eCommerce-Extension-Marktplatz
  • Mehrere Tausend zertifizierte Entwickler weltweit
  • Unzählige Magento-Partner
  • Steigerung des Umsatzes um rund 500% (!!!)

Seit Mitte 2014 hat der Hype um Magento aus unserer Sicht etwas nachgelassen, was aber schon alleine aufgrund der erreichten Marktposition und Verbreitung als absolut natürlich und nachvollziehbar angesehen werden kann. Zudem steht mit Magento 2 seit Ende 2014 eine erste Beta-Version zur Verfügung, die bis Jahresende 2015 dann auch final ausgerollt werden wird.

Zudem bemerken wir als Magento Gold Partner-Agentur auch einen Shift bei den Anfragen hin zu immer anspruchsvolleren Projekten und Kunden – eben echten Enterprise Projekten. Dass sich inzwischen selbst enorm sportliche Vorgaben im Bereich Produktsortiment, Traffic und Bestellungen mit Magento sicher realisieren lassen, verdeutlichen zahlreiche Referenzen namhafter Unternehmen, die mit Magento ihr eBusiness sehr erfolgreich betreiben. Einige Beispiele gefällig?

Bestätigt wird der Magento Trend auch dadurch, dass die Software inzwischen eine dominierende Rolle in den folgenden Statistiken von Internet Retailer spielt:

Dabei setzen inzwischen mehr als doppelt so viele Shopbetreiber auf Magento als auf die nachfolgend platzierten Lösungen.

2014-IR-Top-500-Guide-Magento-TechDivision
Quelle: Magento Commerce

 

Von daher gehen wir hier – und es gibt dazu auch bereits recht deutliche Anzeichen – eher von einer kurzfristigeren Abflachung der Nachfrage als „Verschnaufpause“ vor dem nächsten größeren Run beginnend mit dem Release von Magento 2 Ende des Jahre aus.

eBay hat sich in den letzten zwei Jahren Magento sehr erfolgreich von einer Shoplösung für kleinere bis mittelständische Kunden hin zu einer echten Enterprise-Lösung entwickelt, die inzwischen – auch nicht ohne Grund – in den Studien einschlägiger Analysen u.a. Forrester als „Strong-Performer“ und echte Alternative insbesondere auch im Bereich der B2B Enterprise Shoplösungen genannt wird. So gibt es von Magento inzwischen auch ein B2B Vertical, welches gerade die Anforderungen aus diesem Bereich erfolgreich adressiert (mehr Infos dazu gibt es unter http://de.magento.com/solutions/b2b/overview).

Die nachfolgende Grafik zeigt den sog. Forrester Wave Report Q3 2014 mit der Platzierung von eBay Enterprise (Magento war Teil von ebay Enterprise) im Bereich der „Strong Performer“ mit Ambitionen auf eine Position als „Leader“. Forrester bescheinigt eBay Enterprise/Magento dabei z.B. im Vergleich zu Hybris/SAP ein aktuell besseres Angebot, jedoch ein (noch) etwas schlechteres Standing im Bereich Strategy.

Forrester Wave Report Q3 2014

Magento wird eigenständig als Magento Inc. und löst sich von eBay

Für denjenigen, der sich jetzt fragt, was das mit Magento zu tun hat, da hier ja von eBay Enterprise die Rede war/ist. Ganz einfach: Anfang November 2015 wurde der bereits im Vorfeld genannte Verkauf von eBay Enterprise mit Magento als Teil davon finalisiert. Als Käufer wurde der Permira Fund bestätigt, der in Vergangenheit bereits bei diversen sehr erfolgreichen Web-Companies die Finger im Spiel hatte und mit diesem dynamischen Umfeld durchaus vertraut ist. Somit agiert Magento zukünftig eigenständig als Magento Inc. . Dadurch gehen wir davon aus, dass das enorme Momentum von Magento gerade in der Anfangszeit wieder stärker aufgenommen werden kann, da man nicht mehr auf die Restriktionen und zum Teil langwierigen Entscheidungswege und Prozesse eines Großkonzerns wie eBay angewiesen ist. Der neue Magento CEO Mark Lavelle äußert sich dazu wie folgt: „It was like putting a bushel basket over a candle–it was dimmed within eBay. Outside of eBay, Magento can shine.“ Nach allem was wir mit Magento seit dem Markteintritt erlebt haben, können wir dem nur zustimmen. Zudem hat Magento inzwischen eine Marktposition erreicht, die weiterhin spannende Entwicklungsmöglichkeiten bereithält.

Neue Magento Tools in den Startlöchern

Die im Zuge der Abspaltung „übernommenen“ Technologien und Tools werden insbesondere im Bereich Omnichannel zukünftig enorme Möglichkeiten aus einer Hand ergeben. Dies unterstreichen auch die neben Magento CE und Magento Enterprise zusätzlich verfügbaren Tools:

  • Magento Commerce Order Management
  • Magento Retail Commerce

Das Magento Commerce Order Management ist eine zentrale Omnichannel Plattform, die die immer komplexer werdenden Anforderungen in Bezug auf das Handling von Angebot und Nachfrage – insbesondere für das Filialgeschäft bzw. Standortübergreifendes Clearing von Bestellungen – ermöglicht. Dabei unterstützt die Plattform Dinge wie „Click & Collect“ (Instore Pickup), Ship from store, u.v.m.. Das Magento Order Management Tool kann dabei sowohl Standalone bzw. angebunden an bestehende Infrastrukturen als auch in Verbindung mit Magento Enterprise verwendet werden.

Bei Magento Retail Commerce handelt es sich um ein Tool, welches das User Engagement und die User-Experience verbessert, indem es eine mobile Plattform für Händler bereitstellt, die die Brücke zwischen Online und Offline schlägt.

Permira ist neuer Magento-Investor

Zur Abspaltung von Magento äußerte sich der neue Magento CEO Mark Lavelle wie folgt:
„Magento is at the forefront of a tremendous market opportunity. As an independent company, with the full support and global resources of the Permira funds, we are poised to accelerate our leadership as innovators, creating products that drive exceptional experiences across every stage of the commerce lifecycle. During our time as a division of eBay, Inc., we grew revenue fivefold, made significant investments in our core platform and added innovative mobile and omni-channel products. Now, we will build on this momentum–continuing to innovate with speed and at scale while we put renewed focus on expanding our market leadership with stronger emphasis on our global network of system integrators, technology partners and developer community.”

Der neue Investor Permira findet in jedem Fall ein sehr solides Fundament (enorme Marktverbreitung, riesige Community, immer mehr Enterprise Kunden etc.) vor, so dass die Zeichen für die Zukunft aus unserer Sicht sehr positiv sind. Das Unternehmen wurde 1985 als Investment-Company gegründet und verwaltet aktuell ein Portfolio in Höhe von rund 28 Mrd. Dollar. Permira tätigt dabei überwiegend langfristige Investments in den folgenden Geschäftsfeldern:

  • Consumer
  • Financial Services
  • Healthcare
  • Industrials
  • Technology

Gerade im Technologie-Bereich hat Permira einiges an Expertise und auch gutes Fingerspitzengefühl durch Investment u.a. in Informatica (früher HEILER PIM als Marktführer im Enterprise-Segment), NetViewer (Webmeeting) sowie Genesys (führender Anbieter für Multi-Channel-Kundenerlebnisse und Contact-Center-Lösungen).

Phil Guinand, Principal at Permira, äußerte sich zu dem Magento-Deal wie folgt:
“We are excited to support Mark and his outstanding team as they build on Magento’s product leadership and rich ecosystem, (…). Given the Permira funds’ experience backing some of the world’s leading brands and retailers, we know first-hand how Magento provides these companies with distinct advantages over their competitors in terms of owning the customer experience, future-proofing their business by leveraging the power of an open architecture, and achieving superior ROI from their omnichannel investments. As the importance of the digital commerce experience expands over the next decade we believe Magento will continue to be the partner of choice for the world’s leading brands and retailers”.

Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass ein Investor nicht bis Ultimo „an Bord bleibt“, sondern versuchen wird das Unternehmen weiter nach vorne zu bringen, um das Ganze danach mit entsprechendem Gewinn weiter zu veräußern. Diese Ausgangslage ist hier äußert vielversprechend und das mittel- bis längerfristige Ziel eines Investors bzw. dessen Vorgaben erfordert auf Seiten Magento sicherlich auch weiterhin entsprechende Anstrengungen. Dies sollte für die Weiterentwicklung des Produktes und für Magento-Kunden aus unserer Sicht in keinster Weise einen Nachteil darstellen…

Fazit: Magento bleibt auch in Zukunft „hot“

Anhand der aktuellen Marktsituation sehen wir die derzeitigen Entwicklungen äußerst positiv. Natürlich ist aktuell der Framework-Ansatz ala spryker, Commercetools & Co. technologisch „der neueste Shit“ und zugegebenermaßen haben solche Ansätze auch durchaus ihren Charme, da ein „one size fits all“ aufgrund der weiter zunehmenden Anforderungen und Erwartungen auch von Kundenseite ab einem gewissen Punkt mit Standardtools auch ökonomisch nicht mehr sinnvoll erfüllbar sein wird. Aus diesem Grund schauen wir uns solche Tools auch genauer an. Hier sollte man bei aller Euphorie aber auch die Kirche im Dorf lassen. Mittlere sechsstellige Lizenzgebühren für eine Laufzeit von drei Jahren (für ein Shop-Framework) und geschätzt nochmals mindestens das Doppelte für die Implementierung und das Projektmanagement werden solche Ansätze erst ab einem Intialbudget im 7-stelligen Bereich relevant werden lassen. Da müssen dann schon richtig große Räder gedreht werden um hier zumindest die Chance auf einen halbwegs realistischen Return zu wahren. Ob und wie sich diese Ansätze in der Praxis dann wirklich schlagen, wird erst die Zeit zeigen.

Und genau hier sehen wir zukünftig sowohl im Bereich B2B als auch B2C noch enormes Potential. Magento – dies gilt im übrigen auch für diverse andere Shoplösungen – war und ist auch zukünftig nicht DAS „Schweizer-Taschenmesser für den eCommerce“ das für alles und jeden passt. Es ist unserer Erfahrung nach aber ein enorm flexibles und leistungsfähiges Werkzeug mit dem sowohl eCommerce Einsteiger (damit meine ich jetzt nicht unbedingt „Lieschen Müller“) als auch ambitionierte Groß-Unternehmen mit internationaler Ausrichtung sehr lange zurecht kommen werden.

Gerade für solche Unternehmen haben wir unsere umfassenden Magento Erfahrungen seit 2007 sowohl im Bereich B2C als auch B2B in ein Programm gebündelt, welches es mittelständischen Unternehmen erlaubt extrem schnell mit hoher Qualität und best practices auf Basis von Magento Enterprise in den Markt zu starten. Das SMB accelerator Programm bündelt dabei Wissen aus über 50 Magento Projekten aus unterschiedlichen Branchen und ist als B2C und B2B Edition erhältlich. Eine extrem kurze Time-to-Market und gut kalkulierbare Kosten bis hin zu monatlichen Abrechnungsmodellen kommen gerade dem Mittelstand sehr entgegen. Dabei setzt die Plattform auf Standards und spricht gerade Kunden mit einem Volumen von 2-30 Mio € Onlineumsatz an. Bei Interessen zu unserem Magento SMB Programm setzen Sie sich einfach mit uns in Verbindung!

Unsere Magento Referenzen im Überblick

Mit unserer langjährigen Magento Erfahrung haben wir bereits zahlreiche Projekte mit der umfangreichen Shopsoftware erfolgreich umgesetzt und wurden 2014 zudem mit dem „Magento Spirit of Excellence Award“ als einer der erfolgreichsten Magento-Partner in Europa ausgezeichnet. Auf unserer Referenz-Seite bekommen Sie einen Einblick in unsere Arbeit und unser Know-How und können einige Customer Success Stories nachlesen: https://www.techdivision.com/referenzen.html

Magento FAQs

Sie haben Fragen zu Magento? Wir haben für Sie die am häufigsten gestellten Fragen zusammengefasst. Alles auf einen Blick: https://www.techdivision.com/leistungen/webentwicklung/magento/faq.html

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