TYPO3 Neos – Ein Content Management System der neuen Generation

Mit TYPO3 Neos zeichnet sich eine neue Ära von Content Management Systemen ab. Neos wird als neuer und eigenständiger Entwicklungszweig von TYPO3 entwickelt und wurde kürzlich auf der TYPO3 Entwicklerkonferenz T3CON vorgestellt. Der Weg dahin war lang und mit vielen Herausforderungen gespickt. Zu Beginn der Web-Ära mussten Webseiten komplett manuell über einen Text- oder später Webeditor als separates Softwaretool programmiert werden. Hierzu waren entsprechende HTML-Programmierkenntnisse notwendig. Selbst bei kleinen Textänderungen mussten der Seitenbetreiber (oder der dafür zuständige Dienstleister) die Änderung im Editor lokal durchführen und diese dann per FTP wieder auf den Webserver übertragen.

TYPO3 Neos Webseite

Seit den 90er Jahren wurden erste webbasierte Administrationstools vorgestellt, mit denen Änderungen an Webseiten direkt online über ein entsprechende Administrationsoberfläche vorgenommen werden konnten, hierzu waren keine tiefgehenden Programmierkenntnisse mehr notwendig. Dies war die Geburtsstunde der sog. Content Management Systeme, mit denen insbesondere Inhaltsänderungen, anfangs primär Textänderungen, , mit der Zeit dann auch Änderungen von Bild- und Grafikelemente sowie Menüpunkten etc. möglich wurden.

Eines der ersten Systeme dieser Art wurde Ende der Neunzigerjahre vom Dänen Kasper Skårhøj entwickelt und hörte bzw. hört nach wie vor auf den Namen TYPO3. „Der Name TYPO3 stammt daher, dass Skårhøj durch einen Tippfehler (englisch „typo“) bei der Entwicklung einen Teil seiner Arbeit verlor. Die Zahl „3“ wurde dem Namen schließlich angehängt, nachdem die dritte Version des Systems durch ihren Erfolg als eine Art Marke bekannt wurde.“ (Quelle: Wikipedia)

Auf der aktuellen TYPO3-Leitkonferenz T3CON wurde jetzt die kommende Version des Open Source CM Systems vorgestellt. Hierbei handelt es sich in vielen Bereichen um einen Quantensprung im Vergleich zu bisherigen TYPO3 Versionen. Im nachfolgenden Beitrag möchten wir die Entwicklung sowie den aktuellen Stand und die Zukunft von TYPO3 und insbesondere TYPO3 Neos vorstellen.

TYPO3 war von Beginn an als sog. Open Source System ausgelegt, bei dem der Quellcode frei zugänglich ist und von Entwicklern bzw. TYPO3-Agenturen jederzeit verändert, erweitert oder angepasst werden kann. Aufgrund der von Beginn an gut durchdachten Softwarearchitektur und dem quelloffenen Ansatz fand das System sehr schnell Anhänger – insbesondere im europäischen Raum und hat sich seit dieser Zeit permanent und sehr professionell weiterentwickelt. Inzwischen gehört TYPO3 mit weltweit über 500.000 Installation zu den führenden Open Source Content Management Systemen. Auch große Unternehmen und Konzerne wie u.a. Lufthansa, SIXT oder WMF vertrauen inzwischen auf die Möglichkeiten und die Flexibilität von TYPO3, das durch Tausende bereits bestehender Erweiterungen/Extensions jederzeit individuell angepasst werden kann. Darüber hinaus besteht durch den quelloffenen Ansatz natürlich auch immer die Möglichkeit individueller Anpassungen.

Seit 2001 wurden TYPO3 laufend weiterentwickelt, verbessert und an die aktuellen Möglichkeiten und Anforderungen angepasst – wobei wir aktuell bei Version 4.7 angelangt sind. Nachdem sich in den letzten Jahren jedoch mehr und mehr herausstellte, dass aufgrund der zunehmenden Anforderungen und sich daraus ableitenden Funktionalitäten ein Paradigmenwechsel notwendig wird, wurde begonnen, – neben dem bestehenden TYPO3 – ein paralleles „Nachfolge-Projekt“ zu starten, bei dem modernste Ansätze der Software-Architektur grundlegend berücksichtigt werden. Dazu wurde ein vollständig neues Enterprise PHP Framework als Grundgerüst entwickelt, das modernste Ansätze der Softwareentwicklung  implementiert, um höchstmögliche Flexibilität und Zukunftssicherheit bei gleichzeitig optimaler Unterstützung für Entwickler garantieren zu können, und das nicht nur als Basis für zukünftige TYPO3-Versionen dient, sondern auch für beliebige Webapplikationen verwendet werden kann. Dieses Framework hörte bis vor kurzem auf den Namen FLOW3 und gehört sicherlich zu den derzeit modernsten und leistungsfähigsten PHP-Frameworks.

Um den Übergang des bisherigen TYPO3-Zweiges 4.x/6.x auf die kommende Version (bislang TYPO3 5.0 / Phoenix, das ab sofort den Namen TYPO3 Neos trägt) möglichst strukturiert vollziehen zu können, wurde vom TYPO3-Entwicklerteam im Oktober 2008 das sog. Berliner Manifest verabschiedet, das klare Regeln für TYPO3 v4 sowie die kommenden TYPO3-Versionen und die Transition aufstellt. Dabei wurde u.a. definiert, dass der bisherige TYPO3-Zweig auch zukünftig weiterentwickelt wird und dass Entwicklungen aus TYPO3 Neos in die bisherigen TYPO3-Versionen zurück fließen. Um dies wiederum gewährleisten zu können, wurde eine Systemerweiterung namens „Extbase“ eingeführt, die auf TYPO3 Flow basiert, also Paradigmen der zukünftigen TYPO3-Versionen umsetzt und dafür sorgt, dass mit Extbase entwickelte Erweiterungen für TYPO3 4.x/6.x durch einen definierten Migrationspfad auf neue TYPO3-Versionen im Neos-Zweig portiert werden können.

Auf Grundlage des bereits erwähnten Entwicklungsframeworks FLOW3 wurde dann der neue TYPO3-Entwicklungszweig mit Codenamen „TYPO3 Phoenix“  entwickelt. Bei der TYPO3-Leitkonferenz T3CON 2012 in Stuttgart wurde nun der zukünftige und ab jetzt offizielle Name dieses neuen Entwicklungszweiges von TYPO3 vorgestellt. Ab sofort lautet er: TYPO3 Neos.

Sie sind jetzt etwas verwirrt? Da sind sie sicherlich nicht alleine. Um etwas mehr Klarheit zu schaffen, wurde im Zuge der neuen Namensgebung für den neuen TYPO3-Entwicklungszweig auch die gesamte TYPO3-Produktlandschaft nochmals unter die Lupe genommen und einem Renaming unterzogen, um  zukünftig zum einen mehr Klarheit gegenüber Entwicklern und insbesondere Anwendern und zum anderen auch bessere Entwicklungsmöglichkeiten im Hinblick auf weitere Produkte gewährleisten zu können. Um  nochmals ein besseres Verständnis zu schaffen, ein kurzer Überblick zur  neuen Namensgebung und TYPO3-Produktfamilie:

  • Der bisherige Entwicklungszweig TYPO3 4.x und 6.x (Version 5 wurde gestrichen, da dies dann TYPO3 Neos entspricht) wird auch zukünftig weiterentwickelt und hört ab sofort auf den Namen TYPO3 CMS.
  • Der komplett neue Entwicklungszweig TYPO3 5.0 ( TYPO3 Phoenix genannt) wird ab sofort unter TYPO3 Neos geführt.
  • Das PHP Entwicklungsframework FLOW3, das die technologische Basis für TYPO3 Neos bildet, heißt ab sofort TYPO3 Flow.
  • Die Template Engine „Fluid“ die bereits im 4er Zweig von TYPO3 verwendet wird und die Kompatibilität mit zukünftigen Versionen sichergestellt, heißt  ab sofort TYPO3 Fluid.

Zukünftige Produkte aus oder in der TYPO3-Familie werden dann unter dem Namen TYPO3 <neues Produkt> laufen.

Damit sollten wir einen grundlegenden Überblick über die TYPO3-Basis geschaffen haben.

TYPO3 Neos – Ein vollkommen neuer Ansatz

Wie bereits angedeutet, handelt es sich bei TYPO3 Neos um eine vollkommen neue Entwicklung auf Basis des Enterprise PHP Entwicklungsframeworks TYPO3 Flow. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Wenn Neos ein Auto wäre, wäre TYPO3 Flow der Motor dieses Autos. So enthält TYPO3 Neos rund 80% TYPO3 Flow oder anders ausgedrückt: Bei TYPO3 Neos wurde dem zugrunde liegenden und extrem leistungsfähigen Entwicklungsframework ein CMS-Aufsatz verpasst. Durch diesen Ansatz wird sich TYPO3 Neos nicht nur als reines CMS-System eignen, sondern auch als sehr flexible und leistungsstarke Basis für beliebige Web-Applikationen – insbesondere dann, wenn  Content-Management-Funktionalitäten benötigt werden. Man schlägt damit quasi zwei Fliegen mit einer Klappe, wodurch höchstmögliche Flexibilität, Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit garantiert werden.

Bei der Entwicklung von TYPO3 Neos stand folgende Prämisse im Vordergrund: Learn once, run everywhere. Dies bedeutet, dass alle Komponenten sowohl im CMS-Kontext als auch in Stand-Alone-Webapplikationen verwendet werden können.

Man sollte beachten, dass sich TYPO3 Neos aktuell noch in einem recht frühen Entwicklungsstadium befindet (1.0 Alpha 1) und demnach derzeit noch nicht wirklich oder nur sehr eingeschränkt für den Produktiveinsatz geeignet ist.

Dennoch sollte man die Software aus unserer Sicht unbedingt im Auge behalten. Im Folgenden nun einige  Highlights der aktuellen Version von TYPO3 Neos:

Inline Content Editing
In bisherigen TYPO3-Versionen musste man sich als Redakteur oder Administrator im Backend anmelden und konnte dort dann in einer komplett eigenen Administrationsoberfläche die gewünschten Änderungen und Konfigurationen vornehmen. Hier bietet TYPO3 Neos einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Sämtliche Contentänderungen sowie Konfigurationen finden jetzt im Frontend statt. Der Redakteur oder Administrator arbeitet dabei immer in einem eigenen Workspace, den er dann in die  Live-Umgebung „publishen“ kann.

Publishing-Funktionen mit Workspaces
Während man bisher Änderungen normalerweise in der Live-Umgebung vornahm und diese dann sofort sichtbar wurden, arbeitet TYPO3 Neos mit einer Publishing-Funktion über Workspaces. Diese gab es zwar in ähnlicher Form auch bereits bei bisherigen TYPO3-Versionen, das besondere an TYPO3 Neos ist jedoch, dass dieser Publishing-Prozess jetzt obligatorisch  stattfindet. D.h. Änderungen müssen jeweils immer gepublished werden.

Responsive Design
Unter Resonsive Design versteht man Web-Oberflächen, die sich automatisch an das jeweilige Ausgabegerät und die damit verbundenen Darstellungsmöglichkeiten anpassen. D.h. bei Bedienung mit einem Smartphone muss die Oberfläche aufgrund des kleinere Bildschirm anders angeordnet werden, um eine möglichst einfache Bedienung gewährleisten zu können. Oberflächen  mit Responsive Design skalieren automatisch auf das jeweilige Ausgabegerät und sorgen so für stark verbesserte Usabilty. Aktuell wird bei TYPO3 Neos an der Realisierung  des Responsive Design gearbeitet, so dass zukünftig auch das Arbeiten mit unterschiedlichen Devices optimal möglich sein wird.

Integriertes Testframework
Um bestmögliche Qualität und Sicherheit von Webapplikationen bzw. Webseiten gewährleisten zu können, sollten idealerweise automatisierte Tests implementiert werden, die relevante bzw. kritische Funktionalitäten automatisiert unter verschiedensten Bedingungen prüfen. TYPO3 Neos bietet hierzu ein integriertes Testframework, mit dem genau solche Tests schnell und einfach realisiert werden können. Für den Endkunden bzw. Applikations- oder Seitenbetreiber bedeutet das in der Folge, dass bestmögliche Qualität mit überschaubarem Aufwand (Kosten) garantiert werden kann.

Knotenbasierter Seitenaufbau (Nodes)
Während bei den bisherigen TYPO3 Versionen eine strikte Trennung zwischen Seiten und Inhalts-elementen vorgenommen wurden, hebt TYPO3 Neos durch die Einführung von sog. Knoten (nodes) diese Trennung und damit Einschränkung komplett auf. Eine Neos-Seite besteht nur noch aus solchen Knoten, die in nahezu beliebigen Hierarchien angeordnet werden können. So kann ein Knoten sowohl eine Seite als auch ein Inhaltselement oder ein Strukturelement wie z.B. ein mehrspaltiger Container sein.

Editing basiert auf semantischen Technologien
Durch den Einsatz von semantischen Technologien wie RDFa kann der gesamte Content einer auf TYPO3 Neos basierten Webseite in einer für maschinen optimal lesbaren Art und Weise dargestellt werden, was sich wiederum positiv auf das Verhalten gegenüber Suchmaschinen auswirken kann.

In nachfolgendem Video möchten wir den aktuellen Stand von TYPO3 Neos kurz zeigen und einige der oben genannten Punkte in der Praxis demonstrieren:

Sollten Sie Fragen zu TYPO3 Neos oder den anderen genannten TYPO3-Produkten haben, stehen wir Ihnen natürlich jederzeit gerne zur Verfügung!

Sie wollen TYPO3 Neos näher kennen lernen?

Jetzt für den Workshop „TYPO3 Neos Essentials“ mit Robert Lemke anmelden!
Für mehr Informationen zum Workshop klicken Sie bitte hier!

 

One thought on “TYPO3 Neos – Ein Content Management System der neuen Generation

Kommentar abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *