So werden wir im Jahr 2025 einkaufen!

Das amerikanische Fachmagazin PCMag hat kürzlich die weltweit führenden E-Commerce- Technologieanbieter gebeten, einen Blick in die Zukunft des Einkaufs zu werfen. Herausgekommen sind einige recht spannende Szenarien und Ideen, die wir mit unseren Erfahrungen und Erwartungen ergänzt haben.

Sie haben sich beim Rasieren geschnitten. Der Schnitt ist nicht schlimm, aber der Anblick von Blut lässt ihr Herz schneller schlagen. Sie reißen den letzten Toilettenpapierstreifen von der Rolle, drücken damit auf den Schnitt und sehen im Spiegel zu, wie sich das Papier rot verfärbt.

Plötzlich vibriert Ihr Handgelenk. Sie werfen einen Blick auf Ihre Smartwatch. Der dort installierte, intelligente Assistent meldet: "Streichen Sie nach links, um neues Pflaster zu bestellen. Streichen Sie nach rechts um die Meldung zu ignorieren.” Sie streichen nach links und erhalten umgehend eine Bestätigung durch den virtuellen Assistenten. Das neue Pflaster wird innerhalb einer Stunde zusammen mit einem frischen Angebot für Toiletten- papier sowie neuen Rasiermessern direkt vor die Wohnungstür geliefert.

Obwohl dieses Szenario heutzutage so (noch) nicht möglich ist, wird die Verbreitung von intelligenten und vernetzten Geräten, die biometrische Daten und Standortdaten auswerten können, bald neue, aufregende aber auch beängstigende Möglichkeiten schaffen. Der vernetzte Toilettenpapierhalter erkennt automatisch, wenn Ihnen das Papier ausgeht und veranlasst ohne ihr Einwirken automatisch eine Nachbestellung. Der vernetzte Rasierer erkennt, wenn die Klingen stumpf geworden sind. Ihre Smartwatch erkennt anhand der Änderung ihrer Herzfrequenz sowie weiterer biometrischer Daten, dass Sie sich soeben geschnitten haben und weiß anhand der Geodaten auch, wo dies passiert ist.

Technologie und die Art und Weise, wie wir sie nutzen, verändert unser Kaufverhalten in atemberaubender Geschwindigkeit. Vor acht Jahren erwirtschaftete Toys' R' Us über ein Filialnetz mit mehr als 1.500 Läden sowie einem etablierten Online-Shop einen Jahresumsatz von mehr als 13 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Monat musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Dies liegt zum großen Teil an Managementfehlern und angehäufter Schulden aus der Vergangenheit. Das Unternehmen hat sich jedoch auch falsch bzw. nicht konsequent genug mit dem Online-Handel auseinandergesetzt. Hier sei insbesondere auf die Abhängigkeit von Amazon im Online-Handel verwiesen. Wenn wir heute acht Jahre in die Zukunft blicken, können wir überhaupt nicht abschätzen, wie der Spielzeugmarkt und die involvierten Player hier aussehen werden. Möglicherweise gibt es die dann führenden Unternehmen aktuell noch gar nicht.

In diesem Artikel möchten wir einen Blick auf den Handel von morgen werfen und untersuchen, wie Technologie die Art und Weise unseres Einkaufs weiter revolutionieren wird.

Der Kauf am Handgelenk

Auch wenn die Verbreitung von Smartwatches rasant zunimmt, waren deren Einsatzmöglich- keiten in der Vergangenheit häufig noch recht begrenzt. Insbesondere auch deswegen, weil die Dinger meist nur in Verbindung mit einem Smartphone wirklich funktioniert haben. Mit Vorstellung der neuesten Generation der Apple Watch im Herbst 2017 wurde von Apple vmtl. erneut eine neues Technologiekapitel aufgeschlagen. Durch den jetzt integrierten Funkstandard, lässt sich die Uhr auch ohne Smartphone quasi autonom und vollumfänglich nutzen, was vollkommen neue Möglichkeiten mit sich bringen wird. Zukünftig wird es dadurch möglicherweise eine Verschiebung der Technologien wie folgt geben:

Desktop => Smartphone
Smartphone => Smartwatch

Die Smartwatch könnte zukünftig als eine Art “Datenhub” dienen, um unterschiedlichste Daten zu empfangen und an das Smartphone zurückzusenden. Alle wichtigen und sicheren Daten von Ihnen befinden sich dann nicht mehr auf Ihrem Laptop oder Desktop, sondern auf Ihrem Smartphone bzw. in der dort angeschlossenen Cloud.

"Toll", denken Sie jetzt vielleicht, "aber ich kann auf meiner Smartwatch doch nicht vernünftig nach Produkten suchen, einen Warenkorb füllen, Kreditkarten- und Versanddaten eingeben und Kaufinformationen über das winzige Display ablesen." Die meisten dieser grund- legenden, wiederholbaren Informationen sind jedoch bereits auf Ihren Kundenkonten der entsprechenden E-Commerce-Anbieter oder in Ihrem Browser gespeichert. Mit Ihrer Zustimmung speichert Amazon, Google & Co. jede Kreditkarte und jede Lieferadresse, die Sie für den Kauf von Produkten verwenden. Außerdem werden alle Käufe protokolliert, wodurch die Anbieter auch jederzeit wissen, welche Produkte Sie bereits gekauft haben. Im Jahr 2025 werden Sie Produkte über Ihre Smartwatch mit nur einer kleinen Handbewegung und/oder wenigen gesprochenen Worten bestellen. Dabei ist es vollkommen egal, ob Sie sich in der Nähe Ihres Smartphones oder Laptops befinden oder nicht.

So könnte ein Kaufvorgang in der Zukunft ablaufen: Sie bemerken, dass sie keine Rasierklingen mehr haben. Daraufhin heben Sie ihr Handgelenk, rufen die App Ihres bevorzugten Händlers auf und bestellen mit einem kurzen Sprachbefehl im Stile von “Rasierklingen bestellen”. Daraufhin erhalten Sie eine kurze Bestätigung vom Verkäufer - je nach Präferenz entweder als gesprochene Nachricht oder Text-Message. Diese Kaufbestätigung vom Händler müssen sie nur noch authorisieren - wieder entweder per Sprache oder Klick auf die Smartwatch. Fertig!

“Im Jahre 2025 werden die Möglichkeiten durch Sprache und Gesten so einfach und intuitiv anzuwenden sein, dass ein Großteil der Einkauf damit erledigt werden wird”, ist Peter Sheldon Vice-President of Strategy beim führenden Open Source Shopsoftwarehersteller Magento sicher. Die Sicherheit für Verbraucher wird durch eine Vielzahl moderner Technologien gewährleistet werden, wodurch es auch nicht mehr notwendig sein wird, sich beim Kauf zu identifizieren. Beim Einkaufsprozess wird es eher darum gehen, etwaige Vorschläge zu prüfen, als langwierige Eingabe zu machen. Sie wählen statt dessen eine von Ihnen bereits gespeicherte Adressen und die bevorzugte Bezahlart. Einkaufen war noch nie einfacher und schneller möglich.

Bardia Dejban, CTO bei Volusion ist der Meinung, dass sog. No-Click-Einkäufe zukünftig der Standard sein werden, wodurch die bekannten Schwierigkeiten und der zum Teil auch frustrierenden Kaufvorgang über unzählige Klicks der Vergangenheit angehören wird.

Ihr iOS- oder Android-Gerät wählt zukünftig automatisch anhand von Punkten, Belohnungen, Guthaben und anderen intelligenten Regeln, welche Gutschrift- oder Abbuchungsmethode verwendet werden soll", so Dejban weiter. "Da das Einkaufen zwischen Meetings, Spaziergängen, Duschen und anderen Aktivitäten im Leben völlig normal wird, ist die Fähigkeit, eine Transaktion, einen Warenkorb und alles andere von mehreren Geräten aus fortzusetzen, für jeden Online-Händler äußerst wichtig. Omnichannel in der finalen Ausprägung!

Derzeit scheint der Druck von Konsumentenseite noch nicht ganz so groß zu sein. Aktuell konvertieren Desktop-Käufer rund dreimal besser als mobile Käufer, weil die Navigation (noch) einfacher ist, Bilder besser dargestellt werden können und sich Zahlungsinformationen leichter eingeben lassen, so eine Studie von Adobe aus dem Jahr 2016. Durch die sich weiterentwickelnden Technologien wird sich dies zukünftig allerdings ändern.

“Im Moment bestehen im Mobile-Umfeld noch diverse Hemmnisse und Herausforderungen, die eine noch schnellere Verbreitung und Nutzung im E-Commerce-Umfeld verhindern”, so Craig Fox, CEO von PinnacleCart. Alle in der Branche beschäftigen sich mit dem Thema Zahlung, bei dem insbesondere die begrenzten Platzmöglichkeiten auf entsprechenden Devices die größte Herausforderung darstellen. Wie kann dies sinnvoll gelöst werden? Hier kann insbesondere an Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) gedacht werden.

Ihr Autokauf auf der Couch

Einen Maserati mit einer Apple Watch kaufen Sie wahrscheinlich erst, wenn Sie sich in einem Showroom befinden (mehr dazu später). Aber was ist, wenn sich ein entsprechender Showroom nicht in ihrer Nähe befindet oder sie nicht dorthin gehen wollen? Derzeit würden Sie ein Auto höchstwahrscheinlich nicht kaufen, ohne es vorher im Detail gesehen und “gefühlt” zu haben. Ist genügend Kopffreiheit vorhanden? Funktioniert die Bedienung für Sie einwandfrei? Ist für die Personen auf den Rücksitzen genügend Beinfreiheit vorhanden?  Dies und noch vieles mehr ist erst möglich, wenn Sie das Fahrzeug live sehen und ausprobieren können.

Mit Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) wollen Händler den Showroom zu Ihnen bringen, egal wo Sie sich gerade befinden. Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie AR und VR das Einkaufen verändern werden, ein kurzer Überblick zu den Unterschieden der beiden Technologien: Mit VR werden Sie in eine andere (virtuelle) Umgebung versetzt. Sie sehen virtuelle, neue Dinge und erleben das Leben durch eine komplett neue Sichtweise. Sie setzen sich eine VR-Brille auf und sind mitten im Geschehen: Sie stürmen am D-Day die Strände der Normandie oder kämpfen im Jahr 3000 auf dem Mars gegen Aliens.  

Mit Augmented Reality hingegen wird die tatsächliche Umgebung mit virtuellen Objekten “verschmolzen”. So kann mit AR und einer entsprechenden App beispielsweise eine statische Werbeanzeige in einer Zeitschrift zum Leben erweckt werden indem in ihrem Mobile Device dazu passende Informationen, Videos, 3D Objekte uvm. eingeblendet werden sobald Sie mit dem Gerät die Anzeigen “scannen”. Dass man damit einen wahren Hype auslösen kann, beweist das Spiel Pokemon Go, das im Sommer 2016 veröffentlicht wurde und zwischenzeitlich für Ausnahmezustände gerade bei Teenies und einige lustige Momente im “echten Leben” gesorgt hat.


Abb.: Pokemon Go "Szene" (Quelle: Gameranx.com)


Sie möchten einen Maserati probefahren? Dazu setzen Sie einfach eine VR-Brille auf und los geht´s. Möchten Sie ausprobieren, ob eine Couch in Ihr Wohnzimmer passt? Ziehen Sie dazu einfach ein virtuelles Miniaturbild der Couch in den gewünschten Raum. Oder der Klassiker: Kleidung anprobieren. Kombinieren Sie beliebige Outfits bzw. Kleidungsstücke miteinander. Oder ein weiteres, spannendes Szenario: Sie planen ihren Urlaub, sind sich aber noch nicht ganz sicher, ob das Hotel oder die Clubanlage für Sie und ihre Familie passt. Mit einer VR-Brille machen sie einfach vorab eine virtuellen Rundgang. Danach sollte es keine “bösen Überraschungen” mehr geben.

AR hat bereits seit geraumer Zeit den “Fuß in der Tür” zum E-Commerce und hat das Potenzial, eine bahnbrechende Technologie im Einzelhandel zu werden, die das Kauf- verhalten und die Interaktion der Verbraucher mit Produkten vor dem Kauf verändert.

Als Beispiele für ganz aktuelle Tools, mit denen die Käufer vor dem Kauf Möbel zu Hause visualisieren können, können entsprechende AR-Anwendungen wie beispielsweise IKEA Place und die mobile App von Houzz genannt werden.



Wie die App IKEA Place verdeutlicht, ist AR ist ein Klassiker für die Möbelbranche. In Zukunft wird das Ausprobieren vor dem Kauf - unabhängig von den jeweiligen Produkten - super-realistisch möglich sein. VR hingegen wird primär dazu verwendet, um Produkte virtuell in die Realität zu transferieren um danach bessere Entscheidungen treffen zu können. 

Die Verbreitung von VR und AR wird gemäß aktueller Studien und die Praxis zeigt dies auch recht eindeutig, zwar merklich langsamer erfolgen, wie dies beispielsweise bei Smartphones oder Tablets der Fall war, allerdings werden sich die Technologien bis ins Jahr 2025 auch bei einer breiteren Masse etabliert haben und dort ihre Vorzüge ausspielen.



Marketing wird zukünftig weniger mit kurzfristigen Hypes und vielmehr mit dem “Erleben” von Produkten zu tun haben. Sie sind beispielsweise auf einer Party und sehen bei einem anderen Party-Gast Klamotten die Ihnen gefallen. Mit einer Brille mit integrierten AR-Funktionen werden Ihnen zukünftig die entsprechende Produkte mit allen relevanten Daten wie Hersteller, Preis etc. eingeblendet und sie können das Produkt bei Interesse beispielsweise mit einer Geste sofort kaufen. Damit können und werden zukünftig noch stärker Impulskäufe ausgelöst. Dies ermöglicht Unternehmen - unabhängig von Größe und Ausgestaltung - natürlich neue und ungeahnte Möglichkeiten.  

Die Technologie wird natürlich auch massive Auswirkungen auf die Werbeindustrie haben, die hierfür entsprechende Produkte und Lösungen anbieten wird und Kunden zukünftig noch direkter und unmittelbarer entsprechende Signale “senden” kann.  

Studien gehen aktuell davon aus, dass Augmented Reality Applikationen bis zum Jahr 2025 die Art und Weise unseres Einkaufens massiv beeinflussen und verändern werden, während Virtual Reality weniger “conversiongetrieben” und mehr als begleitende “Entertainmentkomponente” gesehen werden kann.

Das Einkaufserlebnis steht zukünftig im Vordergrund, nicht der Kaufprozess

Es gibt zwei Dinge, die man am “Einkaufserlebnis” im Laden derzeit hasst: Warteschlangen und Einkäufe nach Hause tragen. Moderne Technologien sind inzwischen weit genug entwickelt, dass das Warten an der Kasse nicht mehr nötig ist. Mittlerweile ist es immer häufiger möglich, dass sie sich ihre Einkäufer beim Händler einpacken und direkt nach Hause schicken lassen können. Selbst die Kombination aus beidem ist inzwischen nicht mehr so weit entfernt.

Durch die Kombination des Amazon Go Ansatzes (Kunden gehen in den Laden, öffnen die Amazon App, nehmen sich die benötigten Produkte aus dem Regal und verlassen den Laden ohne dort zahlen zu müssen) mit einer schnellen Lieferung am selben Tag, könnte ein vollkommen neues Einkaufserlebnis geschaffen werden. Sie sparen Zeit und müssen keine Tüten mehr schleppen.



Und so könnte bzw. wird es vmtl. in Zukunft funktionieren: Wenn Sie einen Laden betreten, öffnen Sie die Smartwatch App des Shops. Sie legen Produkte virtuell mit ihrer Stimme in einen virtuellen Warenkorb. Wenn Sie mit dem Einkaufen fertig sind, gehen Sie einfach wieder aus dem Laden, treffen sich noch mit einem Bekannten zum Kaffee und fahren dann nach Hause. Wenn Sie vor Ihrer Haustür ankommen, stehen die zuvor gekauften Artikel bereits vor ihrer Tür oder wurden anderweitig bei Ihnen deponiert.

E-Commerce wird zukünftig noch stärker allgegenwärtig sein. Dies wird sich negativ auf den traditionelle Einzelhandel auswirken, insbesondere wenn dieser es nicht schafft durch innovative Ansätze auch zukünftig einen echten Mehrwert zu bieten. Man sieht immer häufiger Flagship-Stores mit entsprechenden Angeboten oder auch Showroom-Ansätze, bei denen nur noch wenig, dafür aber sehr gut ausgebildetes Personal vor Ort ist um Kunden bestmöglich zu beraten. Dafür stehen entsprechende Technologien zur Verfügung, über die nur noch die wichtigsten Produkte bzw. Produktvarianten vor Ort präsentiert werden müssen. Der Verkauf hat darüber hinaus virtuellen Zugriff auf das gesamte Sortiment und kann dies für den Kunden vor Ort bestellen und direkt nach Hause liefern lassen.

Einzelhandelsgeschäfte werden somit quasi zu einer realen Verlängerung der Online-Shops. Läden werden zukünftig vermehrt Orte sein, an denen Verkäufe als E-Commerce- Transaktionen abgewickelt werden bzw. über die stark nachgefragte Artikel sofort abgeholt bzw. mitgenommen werden können und über die man sich zu spezielleren Artikel beraten und diese dann direkt nach Hause liefern lassen kann.

Das Schweizer Traditionsunternehmen Zimmerli, Hersteller von Luxuswäsche, testet beispielsweise seit Sommer 2017 zunächst für 6 Monate einen solchen Showroom-Ansatz in Zürich und die ersten Erfahrungen damit sind durchaus vielversprechend! 

“In dem klitzekleinen Laden, kaum grösser als ein kleines Wohnzimmer, hängt an den Wänden die gesamte aktuelle Zimmerli-Kollektion. Man kann diese Teile anfassen, sich beraten lassen, mit einer kompetenten Person über die Qualitäten plaudern, die Teile in einer geräumigen Kabine auch anprobieren und sich dann für einen Kauf entscheiden – doch mitnehmen kann man die Ware nicht. Stattdessen wird das Gewünschte vor Ort über eine Bildschirmschnittstelle bestellt, im Zentrallager in Aarburg auf den Weg gebracht und am Folgetag an die gewünschte Adresse ausgeliefert. Den Bestellprozess begleitet eine Mitarbeiterin von Zimmerli – der Kunde muss nicht selber auf dem Screen herumfummeln.”


Abb.: Abb.: Der neue Zimmerli-«Touchpoint» ist kaum grösser als ein kleines Wohnzimmer. Hinten befindet sich erhöht eine Umkleidekabine. (Quelle: Zimmerli)


Ein solcher Ansatz kommt natürlich auch dem Händler zugute. Bedenkt man hier nur, wieviel Platz für einen Laden mit entsprechender Produktanzahl normalerweise benötigt wird. Hier erwartet man als Konsument ein entsprechendes Lager bzw. vorrätige Produkte mit dem Ergebnis, dass sich im Worst-Case dann auf der Fläche Kartons stapeln. Für Kunden ist das nicht besonders ansprechend. Zukünftig wird es immer häufiger nur die grundlegend verschiedenen Produkte im Laden geben um diese “live” zu erleben. Der Kauf bzw. Verkauf wird dann vielfach online erfolgen und die Lieferung erfolgt dann direkt aus einem Zentral- lager oder einer Filiale (die die jeweilige Variante vorrätig hat = Ship from Store) nach Hause.

Ein weiteres Praxisbeispiel für derartige Szenarien stellt das Fashion-Label Bonobos dar, das neben einem entsprechenden Online-Shop aktuell bereits 48 sogenannte Guideshop Locations verteilt über die USA betreibt. Diese dienen Interessenten und Kunden als Anlaufstelle um sich von geschultem Personal persönlich beraten zu lassen, um die wirklich passenden Klamotten zu kaufen. Diese werden dann im Guideshop online bestellt und direkt nach Hause geschickt. Damit spart das Unternehmen massiv Kosten, weil die “Läden” deutlich weniger Fläche beanspruchen - das Lager wird zentral verwaltet. Dennoch ist das Unternehmen vor Ort und kann echte Beratung sowie ein physisches Einkaufserlebnis anbieten.



Die Einkaufserfahrung und das Produkterlebnis haben die Produktverfügbarkeit bereits schon jetzt als Hauptgrund für den Gang in einen Laden abgelöst. Apple macht es mit den Apple Stores bereits seit vielen Jahren vor. Man geht nicht in einen Apple Store um sich danach ein Macbook bei Amazon zu kaufen. Hier geht es vielmehr darum das Produkt live zu erleben, sich von Verkäufern die zudem echte Apple-Fans sind, beraten zu lassen oder man holt sich dort ein online bestelltes Gerät ab und kombiniert dies auch gleich noch mit einer Einweisung o.ä.. Das Einkaufserlebnis steht hier zukünftig im Vordergrund, wobei dies nicht mehr damit verknüpft ist, am Ende mit vollen Taschen aus dem Laden zu marschieren.

Lieferung überall und jederzeit

Nur wenn die Produkte innerhalb einer angemessenen Frist geliefert werden, ist der Kunde zufrieden. Diese Zeitfenster wird aufgrund der wachsenden Erwartungen der Kunden immer kürzer. In den meisten Fällen möchte heutzutage niemand mehr zwei Wochen auf ein neues Produkt warten, das er im Laden oder in der Werbung gesehen hat. Die Lieferung noch am selben Tag ist von großen Einzelhändlern insbesondere in den USA inzwischen in den meisten Großstädten möglich und der Trend ist inzwischen auch bei uns angekommen. Zukünftig werden Lieferzeiten ein äußerst wichtiges Kriterium darstellen, selbst bei Kunden, die nicht in einer Großstadt leben.

Das Thema Versand und Lieferzeit ist bereits jetzt eine der größten Herausforderungen für Händler und Amazon hat mit Amazon Prime und der ausgeklügelten Logistik eine Benchmark gesetzt, die für nahezu alle Händler als Orientierung gilt. Inzwischen sind immer mehr Kunden nicht mehr bereit auf eine Lieferung länger als zwei Tage warten zu müssen und dieses Zeitfenster bzw. die Erwartungen daran werden immer kürzer.

Was wäre, wenn Sie Lebensmittel bestellen könnten, die innerhalb von 24 Stunden vor Ihrer Haustür ankommen? Sicherlich nicht schlecht! Aber wie wäre es erst, wenn die Lebensmittel in Ihrem Kühlschrank bereits auf Sie warten, wenn Sie Abends nach Hause kommen? Der Handel testet laufend neue und interessante Möglichkeiten, Produkte auf Basis der Kunden- erwartungen zu liefern. Erst kürzlich hat Amazon mit Amazon Key einen neuen Service angekündigt. Mit dem neuen Key-Dienst öffnen Boten die Wohnungstüren der Kunden und stellen die Lieferungen in der Wohnung ab. Ab dem 08. November 2017 wird der Dienst zum Start in 37 US Städten verfügbar sein.

“Volkswagen hat im September 2017 in Berlin ein Pilotprojekt gestartet, bei dem man sich eine Bestellung in den Kofferraum seines Autos liefern lassen kann. Zusammen mit DHL will der Wolfsburger Konzern ein gutes halbes Jahr lang testen, ob der Service funktioniert.

Das Prinzip ist einfach: Wer bei einem der teilnehmenden Online-Shops (Amazon, Alternate, Allyouneed Fresh, Outfittery, Fashion ID und Music Store) bestellt, kann dort als Lieferoption angeben, dass der Zusteller das Paket in den Kofferraum legen soll. Dann kann man ein zweistündiges Zeitfenster auswählen, in dem das Auto an einer angegebenen Adresse stehen muss. Das kann zum Beispiel auch der Parkplatz beim Büro oder ein Park-and-Ride-Platz sein.

Der Paketbote findet das Auto dann mittels GPS und bekommt einen Code, mit dem er den Kofferraum nur genau einmal öffnen kann. Dann legt er das Paket hinein, der Besitzer kann später einfach damit nach Hause fahren. Sollte man eine Lieferung umtauschen und zurückschicken wollen, geht auch das über den Kofferraum, einfach hineinlegen, und der DHL-Mitarbeiter nimmt sie bei der Zustellung mit.” Mehr Infos dazu gibt es auf Welt.de.

Je mehr Geräte mit dem Internet verbunden werden (z.B. die Tür zu Ihrem Haus und zu Ihrem Kühlschrank) und mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet sind, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, Pakete zu empfangen bzw. Rücksendungen abzuwickeln. Sie möchten zukünftig Ihre neue Tauchausrüstung direkt zu ihrem Ferienhaus in Italien geliefert bekommen oder die neuen Ski zu ihrem Appartement in Tirol? Nur zu!

Zukünftig werden Drohnen, autonome Fahrzeuge und Fahrdienste einen erheblichen Teil der Logistik übernehmen. All diese Technologien ermöglichen die sofortige Lieferung der meisten Waren innerhalb extrem kurzer Zeitfenster, während traditionelle Logistikanbieter den Versand mit klassischen Versandmethoden und -technologien auch zukünftig kaum schneller als dies heute bereits der Fall ist, bewerkstelligen können.

Inzwischen gibt es Analysen, die folgendes prognostizieren: Wenn heute 10 Prozent der Einzelhandelsprodukte im Internet innerhalb einer Stunde lieferbar sind, wird dieser Anteil bis 2021 auf bis zu 90 Prozent gestiegen sein.

Aber nicht jeder ist von der Idee einer riesigen Roboterflotte, die Pakete ausliefern, begeistert. So lange die Auslieferung zuverlässig funktioniert, stellen Drohnen im Bestenfall sicherlich lediglich eine besondere Ergänzung dar. Hier gilt es einfach noch zu viele - auch rechtliche - Hindernisse zu überwinden, um in den kommenden Jahren eine echte Alternative darstellen zu können. 

Amazon ist bereits heute in der Lage, uns innerhalb weniger Stunden Produkte zu liefern, aber dafür muss entsprechende Nähe zum Kunden sowie die notwendige Logistik vorhanden sein. Dies ist möglicherweise auch ein Grund, warum Amazon erst kürzlich die Biomarkt-Kette Whole Foods übernommen hat, die derzeit über gut 400 Filialen in den USA und UK verfügt. Auch wenn insbesondere die Big-Player im Handel versuchen, die Entfernung vom Produkt zum Kunden möglichst zu verringern, wird das Thema Versand und Lieferung eine der größten Herausforderungen auch in den kommenden Jahren darstellen.

Perpetuum mobile im E-Commerce

Sie holen sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Es ist die letzte Flasche. Ohne eine Taste zu berühren, mit einer Smartwatch zu sprechen oder die Wohnung zu verlassen, wird Ihnen innerhalb einer Stunde frisches Wasser nachgeliefert - und zwar nicht vor die Tür, sondern an bzw. in den Kühlschrank.

Alle bislang genannten Themen, erfordern einen wichtigen Voraussetzung: Kundenakzeptanz. Was wäre, wenn wir all dies kombinieren würden, um das ultimative Einkaufserlebnis zu bieten, und zwar ohne dass die Kunden sich hierzu gesondert anmelden oder irgendetwas hierzu unternehmen müssen. Es könnte tatsächlich der Standard im Jahre 2025 sein und vieles davon wird auch tatsächlich so kommen.

Durch die Verknüpfung von Back-End-Software (z. B. ERP- und CRM-Systeme), Front-End-Shopping-Anwendungen, Kameras, intelligenten Lautsprechern ala Alexa und dem derzeit noch in der Kinderschuhen steckenden Internet der Dinge, das jedoch unaufhaltsam kommen wird, werden leere Kühlschränke oder Vorratskeller der Vergangenheit angehören. Die Nachbestellung wird hier zukünftig automatisch und gemäß den jeweiligen Präferenzen oder mit wenigen Gesten bzw. Sprachbefehlen erfolgen. Bereits heute können wiederkehrende Bestellungen von Verbrauchsgütern (Abo-Modelle) bei verschiedenen Onlineshops angelegt werden. Amazon bietet für Haushaltsgegenstände beispielsweise einen Service namens Amazon Pantry. Damit lassen sich die täglichen Einkäufe bereits jetzt recht bequem vom Sofa aus erledigen.


Abb.: Amazon Dash Button (Quelle: Amazon)


Doch es geht bereits jetzt noch weiter. Mit Amazon Dash bietet der Online-Riese kostenlos sog. Dash-Buttons an, die per WLAN mit dem Internet verknüpft sind und beim Drücken des Dash-Button eine vorab hinterlegte/konfigurierte Bestellung auslösen. Solche Buttons gibt es inzwischen für unterschiedlichste Produkte wie z.B. Waschmittel oder Toilettenpapier. Hier braucht man nicht mehr besonders viel Phantasie um die Zukunft vorhersagen zu können. Dann wird die Waschmaschine oder der Toilettenpapierhalter - ausgestattet mit Sensoren - die Bestellung automatisch auslösen, sobald eine bestimmte “Schwelle” erreicht wird.

Amazon verwendet beim Konzept für den Laden der Zukunft namens Amazon Go bereits jetzt Echtzeitbildverarbeitung um zu analysieren bzw. zu erkennen, was der Kunde aus dem Regal nimmt und um auf Basis dieser Informationen die (Nach-)Bestellung auszulösen. Im Jahre 2025 werden solche Szenarien auch zu Hause angekommen sein. Ihr Kühlschrank verfügt dann beispielsweise über genau dieselbe Technologie und übernimmt die Nachbestellung dann ebenfalls automatisch. Er überwacht darüber hinaus das Ablaufdatum der vorhandenen Produkte und weiß durch künstliche Intelligence (AI), wann die Karotten ausgehen. Diese werden dann automatisch vorab bestellt, was aktuell unter dem Begriff Predictive Commerce bezeichnet wird.

Solche Szenarien sind im übrigen in manchen Bereichen bereits heute Standard. So setzt der Kompressor-Hersteller KAESER bereits jetzt eine Vielzahl von Sensoren in diversen Profigeräten ein, die den Zustand des Gerätes nicht nur überwachen, sondern auch die Wartung automatisch steuern. Hier nennt man das Ganze dann Predictive Maintenance.

Fazit

Auch wenn einige der skizzierten Themen aktuell noch stark nach Zukunftsmusik oder schlichtweg Spinnereien klingen ist einiges davon bereits deutlich näher, als man vermuten möchte. Die gesamte Wirtschaft und hierzu zählt insbesondere auch der Handel in allen Facetten durchläuft aktuell massive Veränderungen in teils bahnbrechender Geschwindigkeit. Als Unternehmen muss man hier sicherlich nicht gleich jeder neuen Technologie hinterher laufen. Allerdings sollten man die wichtigsten Trends “auf dem Radar” haben. Waren die letzten Jahren bereits sehr dynamisch, wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren sicherlich fortsetzen, möglicherweise in Teilen sogar noch weiter beschleunigen.

Hierzu ist es zwingend erforderlich auf möglichst flexible Technologien zu setzen, die sowohl die aktuellen Anforderungen bestmöglich abdecken und darüberhinaus aber auch durch eine modulare Software-Architektur umfassende APIs sowie entsprechende Module und Komponenten für zukünftige Anforderungen gerüstet zu sein. Mit Magento Commerce als mehrfach ausgezeichnete E-Commerce Plattform hat man beispielsweise genau ein solches Fundament das für die Anforderungen der Zukunft bestens gerüstet ist.



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Josef Willkommer Geschäftsführer / CMO