Die Julius Zorn GmbH (Juzo), ein Medizinproduktehersteller mit Sitz in Aichach, verfügte bisher über keine eigene E-Commerce Lösung. Bei einem Großteil der täglich mehreren tausend Bestellungen aus dem In- und Ausland wurde der komplette Bestellprozess analog abgewickelt. Auf Grund der hohen Fehleranfälligkeit und Ineffizienz, waren in vielen Fällen lange Abstimmungen
zwischen Juzo und den Fachhändlern notwendig.

Ein wesentlicher Geschäftsbereich von Juzo ist die Produktion von maßgefertigten Individualprodukten. Insbesondere für diese Bestellungen ist ein effektiver und fehlerfreier Austausch der zur Fertigung notwendigen Informationen zwischen Juzo und den Fachhändlern unabdingbar.

Mit dem neuen B2B-Online-Shop gehören diese Probleme der Vergangenheit an. Durch den neuen B2B-Shop konnte der Bestellvorgang weitestgehend automatisiert werden, was für Juzo aber speziell für die Geschäftspartner eine enorme Arbeitserleichterung und Erhöhung der Prozessqualität darstellt.

Die Geschichte des Familienunternehmens Juzo reicht bis ins Jahr 1912 zurück. Nach dem zweiten Weltkrieg siedelte sich der Enkel des Gründers Julius Zorn in Aichach an und entwickelte die Firma Juzo zu einem internationalen Unternehmen.

 

Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Produkte für die Bereiche Lymphologie, Phlebologie, Narbentherapie und Orthopädie, welche weltweit erhältlich sind. Die Schwesterfirma Juzo Inc. produziert an ihrem Hauptsitz Cuyahoga Falls in Ohio die Produkte für den nord- und mittelamerikanischen Markt. Juzo unterhält darüber hinaus Tochterfirmen in Großbritannien, Italien, Belgien, Niederlande, Schweden und Kanada. So ist es dem Unternehmen möglich, auf die länderspezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Märkte einzugehen und überall eine gleichbleibend hohe Qualität zu bieten.


Juzo Produkte werden bereits in über 60 Länder exportiert. Dabei ist Juzo ein Familienunternehmen geblieben, das mittlerweile in vierter Generation geführt wird und inzwischen weit mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. International zu arbeiten, ohne die Wurzeln zur Heimat zu verlieren – das ist eines der Erfolgsrezepte des Unternehmens.

Timeline 03/2017 - 01/2018
Technologie Magento 2 Commerce
Interfaces ERP, PIM, Produktkonfigurator
Team

Team München (7 Entwickler)

Team München Product Owner

Features
  • Starkes Customizing der Magento REST API für die ERP-Anbindung
  • Sehr komplexer Produktdatenimport
  • Standalone Applikation “Maßerfassung und Maßvalidierung”, die per API sowohl mit Magento als auch mit dem ERP kommuniziert
  • Abbildung einer sehr hohen Anzahl möglicher Produktvarianten
  • Customer Self-Service-Portal mit Integration historischer Bestellungen über alle Kanäle
  • Atomic Design mit Patternlab (statt klassischem Photoshop/InDesign)
Projekt- Management Scrum & Kanban

 

Anforderungen

 

  • Die Juzo Produktvielfalt online darzustellen sowie Online-Bestellungen durch einen Online-Shop zu ermöglichen
  • Den Bestellprozess zu automatisierten und online abzuwickeln
  • Neben Standardprodukten sollen auch Maßanfertigungen über den Shop bestellbar sein
  • Extrem anspruchsvolle Anbindung von ERP, da historisch gewachsenes und vielfach speziell für den Kunden angepasstes System
  • Produktfamilien, die so groß sind, dass die Ausprägungen nicht mehr vollständig über Configurables abbildbar sind
  • Custom Options, die untereinander Abhängigkeiten aufweisen
  • Content, der nicht produktspezifisch ist, wird dynamisch via API aus dem ERP geholt (etwa Kundenbetreuerinformationen)
  • Entlastung des Supports durch Self-Service-Features

Leistungen

 

  • Entwicklung und Testing des Designs für den B2B-Shop
  • Online-Bestellung sowohl von Standardprodukten als auch individuellen Maßanfertigungen
  • Standalone Produktkonfigurator für die Maßanfertigungen mit Anbindung an Magento und das ERP
  • Erweiterung der Magento 2-REST-API und filebasierter, stark angepasster Import
  • Custom Options
  • Dynamic Options zur Abbildung komplexer Produktvarianten

Ergebnis

 

  • Online-Shop auf Basis von Magento 2 mit den dort integrierten B2B-Features
  • Responsive Design mit Optimierung für die relevanten Ausgabegeräte
  • Externen Händlern steht für die Bestellung der Maßanfertigungen ein spezieller Konfigurator zur
    Verfügungen

 

Einen Großteil des Umsatzes erzielt die Julius Zorn GmbH mit Maßanfertigungen. Für jede einzelne Maßanfertigung musste bislang ein Offline-Formular vom Händler ausgefüllt und an Juzo vorwiegend per Fax übermittelt werden. Da die Informationen nicht automatisch an das ERP-System übergeben werden konnten, mussten die Daten manuell ins ERP-System übertragen werden.

 

Um diesen zeit- und kostenintensiven sowie auch fehleranfälligen Prozess zukünftig zu vermeiden, musste ein Online-Produktkonfigurator entwickelt werden, der sowohl mit dem Shop als auch als Standalone Applikation verwendet werden kann.


Im Rahmen des Projektes wurde von uns ein unabhängiger, auf dem PHP Framework Laravel basierender Produktkonfigurator entwickelt. Dieser Ansatz war notwendig um zum einen größtmögliche Flexibilität und zum anderen auch die zum Teil enorme Produktkomplexität und -vielfalt sinnvoll abbilden zu können.

Funktionsweise des neuen Juzo Produktkonfigurator

 

Der neue Produktkonfigurator ist über die Schnittstelle von Magento direkt mit dem ERP-System von oxaion verbunden. Sämtliche notwendigen Produktdaten werden dem Produktkonfigurator vom ERP zur Verfügung gestellt. Auf Seiten des Konfigurators sorgen diverse Business-Logiken für reibungslose Konfigurationen. Nach Abschluss der jeweiligen Konfiguration werden die relevanten Daten zurück an oxaion zur Weiterverarbeitung übergeben.

 

Herausforderung des Produktkonfigurator – die hohe Anzahl an möglichen Permutationen

 

Für jedes Produkt steht eine Vielzahl von Produkteigenschaften wie z.B. Kompressionsklasse, Ausführung, Farbe usw. zur Verfügung. Dadurch ergibt es sich für jedes einzelne Produkt eine mitunter enorm hohe Anzahl von unterschiedlichen Ausprägungen. Dadurch kann ein einziges Produkt von Juzo bis zu 725.000 verschiedene Varianten haben.

Um diese Komplexität händeln zu können werden sogenannte Dynamic Custom Options verwendet. Mit deren Hilfe werden nur die Auswahlmöglichkeiten sichtbar, die je nach getätigter Vorauswahl sinnvoll sind.

 

Die Produktdaten werden im Open Source PIM (Product Information Management System) Akeneo gepflegt und über Schnittstellen in Magento übertragen. Um die zum Teil recht komplexen Produktkonfigurationen abbilden zu können, wurden die verfügbaren Standard-Schnittstellen erweitert.

Mit dem Akeneo PIM ist Juzo in der Lage, alle marketingrelevanten und technischen Informationen rund um die Produkte zentral zu pflegen und zu optimieren. Dabei fungiert das PIM als zentraler Hub für sämtliche Produktdaten, über den alle relevanten Kanäle (ERP, Onlineshop, Broschüre usw.) die jeweiligen Daten erhalten.

 

Welche Art von Daten werden in einem PIM-System verwaltet

  • Marketing-Daten (Produktgeschichten, umfassende Beschreibungen, Etiketten usw.)
  • Mediendateien (Bilder, PDFs, Videos usw.)
  • Technische Daten und Attribute (Maße, Spezifikationen, Zutaten usw.)
  • Designdaten (Farben, Materialien usw.)

Vorteile durch den Einsatz eines Product Information Management Systems

  • Vermeidung von Redundanzen durch zentrale Datenhaltung und Pflege
  • Optimierung des Onboarding-Prozess für Lieferanten und Datenanbieter
  • Verbesserung der Qualität und Konsistenz der Produktdaten über alle Kanäle hinweg.
  • Zeit- und Kostenersparnis bei neuen/zusätzlichen Länder-Rollouts

 

Die ERP-Softwarelösung von oxaion wird in vielen mittelständischen Unternehmen eingesetzt. Die Medizintechnik ist eine der Kernbranchen der oxaion. Im Rahmen des Projektes erfolgte eine Anbindung an Magento mit oxaion als führendem
System. Durch die besonderen Prozesse bei Juzo und den notwendigen Ergänzungen in oxaion wurde für die Anbindung der E-Commerce-Plattform eine auf Juzo angepasste Lösung implementiert.

 

Magento Connector

Aufgrund einer Vielzahl von Besonderheiten bei Juzo mit entsprechend umfangreichem Customizing des ERP ist eine Standard-Schnittstelle nicht möglich.

Custom Development

Daher wurde im Rahmen des Projektes ein speziell auf die Anforderungen von Juzo und die vorhandene ERP Lösung zugeschnittenes Magento-Interface implementiert.

Problematik

Normalerweise kommen bei externen Schnittstellen ReST oder SOAP zum Einsatz. In vorliegendem Fall konnten wir aus unterschiedlichen Gründen weder ReST noch SOAP verwenden.

Lösung

Entwicklung der Schnittstelle mit Hilfe eines eigenen Software Development Kit, Specific Requests und Magento.         Ergebnis: Flexible Schnittstelle für die Anbindung von Oxaion

 

Das Design wurde von der TechDivision in Verwendung agiler Prozesse umgesetzt. Elementar bei der Entwicklung und Abstimmung des Designs war die Verwendung von „Pattern Lab“. Ein neuer und geglückter Versuch, unsere Arbeitsweise noch agiler zu gestalten.


Beim Grundkonzept von Pattern Lab steht das sogenannte Atomic Design im Vordergrund.

 

Hinter der Begriff „Atomic Design“ steht Webdesigner Brad Frost.  Hierbei wird das Design der Website in die Bestandteile aufgebrochen.

So werden beispielsweise Textfelder oder Buttons als „Atome“ bezeichnet. Fasst man mehrere Atome zusammen, entsteht ein Molekül. Dies kann z.B. das Suchfeld  im Header-Bereich sein. Werden dann wiederum mehrere Moleküle zusammengefasst, entsteht ein kompletter Header-Organismus.

 

Im vierten Schritt entstehen aus Atomen, Molekülen und Organismen dann die Templates der Website. Die Templates und das Pattern Lab selbst sind für den Nutzer der Website unsichtbar, aber für uns ein unabdingbarer Schritt im Prozess.


Am Ende wird die Website dann mit Inhalten gefüllt.

Vorteile von Pattern Lab

  • Wiederverwendbarkeit der Elemente
  • Einheitliches und überschaubares Design
  • Strukturierte Arbeitsweise
  • Erweiterbarkeit – Neue Features können jederzeit hinzugefügt werden
  • Aufsplittung der Komplexität – Grundbestandteile der Seite sind leicht erkennbar

Der Designprozess musste innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums umgesetzt werden. Dabei wurde der komplette Prozess in kleine Schritte unterteilt. So umfasst ein Schritt z.B. das Design eines Buttons. Nachdem der Button entworfen wurde, ging der Designvorschlag an den Kunden.

Erst nach Freigabe des Buttons durch den Kunden wurde das nächste Element entworfen. Da jeder weitere Entwicklungsschritt auf dem vorherigen Design aufbaut, konnten Fehlentwicklungen, welche erst am Ende auffallen, ausgeschlossen werden.

"Mit TechDivision haben wir den passenden Partner für unsere Digitalisierungsmaßnahmen gefunden, dessen eigener Qualitätsanspruch in komplexen Projekten unseren hohen Anforderungen als Medizinproduktehersteller mehr als gerecht wird. Mit dem nötigen Mix aus professionellem, agilem Vorgehen und der richtigen Menge an Pragmatismus zur rechten Zeit wurde der Projekterfolg entscheidend beeinflusst. Die Partnerschaftlichkeit, die offene Art der Kommunikation, das Know-How und nicht zuletzt der nicht nur in der heißen Schlussphase gezeigte Einsatz aller Team-Mitglieder war entscheidend für den Projekterfolg. Wir freuen uns auf die weiterhin enge Zusammenarbeit und die anstehenden Projekte der Zukunft.“

Christian Marquardt, Projektleitung bei Juzo

Das Projekt wurde mit dem Produktentwicklungsframework Scrum in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden umgesetzt. Einige Wochen vor dem GoLive wurde von Scrum auf Kanban umgestellt, um bei kurzfristigen Änderungen und Problemen schnellstmöglich reagieren zu können. Durch laufende Abstimmungen und die iterative Vorgehensweise konnte das Projekt fristgerecht gelauncht werden.

Erste Feedbacks von Kunden und Mitarbeitern fallen dabei äußerst positiv und vielversprechend aus.

Customer Success Story von Julius Zorn GMbH

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Philipp Nagel Key Account Manager