Die Liberating Structure 25/10 Crowd Sourcing online durchführen

Ist nicht schwer, macht viel Spaß und ist effektiv. So haben wirs gemacht...

Unser Team hatte kürzlich ein Online-Team-Retreat, um einige Themen anzugehen. Wir haben viele verschiedenen Mikro-Formate dafür benutzt, um es abwechslungsreich und vergnüglich zu gestalten. Ich will nicht angeben, aber niemals habe ich 8 Stunden Online-Meeting erlebt, die so energetisierend und spaßig waren. Für unser Team-Vision-Statement haben wir 25/10 Crowd Sourcing verwendet, eine meiner liebsten Liberating Structures. Nur… wie geht das online? Ich habe gegoogelt, ob jemand etwas darüber geschrieben hat, 25/10 online zu machen, aber nichts gefunden. Im Folgenden ist gezeigt, wie wir vorgegangen sind.

Miro ist super für ganz verschiedene Aktivitäten

Für die meisten Aktivitäten des Online-Retreats haben wir Miro verwendet (neben Zoomteamretro.com und https://skribbl.io), auch für das 25/10. Was ist nun 25/10? Also: Jeder schreibt seinen Ansatz auf eine Karteikarte oder ein Post-it, um eine Schlüsselfrage zu beantworten. In unserem Fall ein visionäres Statement für unser Team. (Wir hatten zuvor als Vorbereitung zusammen mit Strategie-Canvases gearbeitet.) 

Dann gibt jeder die Karteikarte einem anderen weiter, wieder und wieder, man tauscht ständig die Karten. Nach einer gewissen Zeit sagt der Facilitator Stop, dann liest man die Karte und ratet sie mit 1 (gefällt mir nicht besonders) bis 5 (find ich super). Der Sinn hinter dem Tauschprozess: Man weiß nicht, von wem die Karte ist, die man bewertet. Man bewertet sie unabhängig davon, ob sie vom CEO oder vom Praktikanten geschrieben wurde.

Das beste Ergebnis? 25!

Diese Prozedur wird jetzt noch viermal wiederholt. Deshalb heißt es 25/10: wenn man die fünf Zahlen, die die fünf Leute geratet haben, zusammenzählt, erhält man 25 als Maximum (und 5 als Minimum). Der Facilitator ruft dann am Ende: Hat wer eine 25? Oder eine 24? Oder eine 23? Wenn ja, liest die Person die Karte laut vor und sie kommt an das große Board, wo die Karten in Reihenfolge ihres Ratings aufgehängt werden. 

Normalerweise schreibt man das Rating auf die Rückseite der Karte und sagt den Leuten, dass sie nicht darauf schauen sollen, bevor sie ihr Voting abgeben, damit sie nicht beeinflusst werden durch vorherige Ratings. Das Herumlaufen und Karten Austauschen ist eine energetisierende Aktivität. 

Wir könnte man das online abbilden? 

 

25/10 in Miro (vollständig remote/online)

Wir waren nur sechs Personen, was ungewöhnlich für ein 25/10 ist, weil man bei einer so kleinen Gruppe oft Karten bekommt beim Wechseln, die man schon mal hatte. Trotzdem haben wir es versucht, und zwar so:

  • Jeder hat einen farbigen Frame auf dem Miro Board. In der Mitte dieses Frames ist ein Post-it. Darauf wird der Text geschrieben, also die Antwort auf die Frage oder der Vorschlag, wofür auch immer man das 25/10 eben benutzen will.
  • Gib der Gruppe eine kurze Timebox, so dass jeder sein Post-it schreiben kann. In unserem Fall haben wir 3 Minuten gewählt.
  • Wenn der Facilitator das Signal gibt, startet der Durch-Tausch-Prozess: Schieb das Post-it in deinem Frame in den Frame einer anderen Person. Das führt dazu, dass du irgendwann wieder ein Post-it in deinem Frame hast. Wiederhole! Werde das Post-it in deinem Frame los, so schnell es geht. Schließlich sagt der Facilitator Stop (er achtet darauf, dass in diesem Moment in jedem Personen-Frame genau ein Post-it ist). 
  • Alle lesen jetzt das Post-it in ihrem Frame. Sie bewerten er mit 1 bis 5 (nicht gut bis sehr gut), indem sie einen Kommentar auf das Post-it setzen (Rechts-Klick auf das Post-it und “Add comment”). Der Sinn: Man kann Kommentare nur lesen, wenn man sie öffnet, man sieht also die Wertung nicht, wenn man nur das Post-it durchliest.
  • Wie gesagt war in unserem Fall die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Karte zweimal krieg eher hoch, deshalb hatten wir eine Policy: Wenn man eine Karte bekommen hat, die man schon kennt, schiebt man sie in den grauen Frame im Zentrum zurück und bittet das Team um einen Tausch.
  • Nun startet der Tausch-Prozess wieder. Wir haben das keine fünf Mal gemacht, weil wir wegen der geringen Gruppengröße, wie gesagt, so viele Doppel hatten. Deshalb entschied der Facilitator nach vier Runden, dass wir einfach eine 5er-Wertung zu den anderen vier Wertungen hinzuzählen, statt die letzte Runde durchzuführen. Alle müssen jetzt die Summe der Wertungen für das Post-it bilden, das sie gerade haben, das ergibt max. 25 Punkte für ein Post-it.
  • Dann machten wir mit dem üblichen 25/10-Prozess weiter, das heißt, der Facilitator rief bei 25 startend die Punkte aus. Unser bestes Post-it hatte eine 23!


Die Aktivität hat Spaß gemacht und recht gut funktioniert unserer Meinung nach. Wenn sie jemand ausprobiert, lasst uns wissen, wie ihr es angegangen seid.

Autor

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Autor

Sacha StorzAgile Coach